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Zauberkekse und Naturmächte

Backen ist die reinste Magie! Ein Apfelkuchen, gebacken nach dem Rezept der Hexe Petronella Apfelmus aus der gleichnamigen Bücherserie kann sogar einer ganzen Familie Glück bringen.

Buchcover „Petronella Apfelmus“ 1, Sabine Städing © Esteri-Verlag, Pressematerial Als ich Kind war, faszinierten mich alle Märchen und Geschichten, in denen Gebäck magische Eigenschaften besaß – wie etwa der Kuchen in Joanna Papuzińskas Kinderbuchklassiker Placek zgody i pogody [deutsch in etwa: Der Friede-Freude-Eierkuchen] oder die Zauberkekse aus Alice im Wunderland. Die Regeln, die es – Zauberformeln gleich – beim Backen zu beachten gilt, die Proportionen und Reihenfolge der Zutaten, die wunderbare Verwandlung im Backofen und nicht zuletzt der Kuchenduft, der unweigerlich die Laune hebt – all das ist die reinste Magie! Dazu kommt der soziale Aspekt des Kuchenbackens, denn schließlich werden die entstandenen Backwerke allermeistens gemeinschaftlich verzehrt. Kürzlich stieß ich auf einen Artikel, in dem die Tätigkeit des Backens als beliebtes Mittel gegen Unruhe- und Angstzustände identifiziert wurde. All das fiel mir wieder ein, als ich die beiden Bücher aus Sabine Städings „Petronella Apfelmus“-Serie las. Im Band Verhext und festgeklebt gewinnt Familie Kuchenbrand mit einem Apfelkuchen nach Petronellas Geheimrezept, gebacken aus den Äpfeln ihres heimatlichen Gartens und mit ein wenig Zauberstaub bestreut, einen Kuchenbackwettbewerb. Außerdem überwindet der Familienvater, der arbeitslose Bäcker Kuchenbrand, seine Niedergeschlagenheit und kommt auf die Idee, ein eigenes Café zu eröffnen.

Okładka książki „Petronela z Jabłoniowego Sadu. Czary-mary“, Sabine Städing © Esteri-Verlag, Pressematerial Nicht ohne Bedeutung ist hierbei, dass Petronellas Kuchen ganz simpel ist – seine vorrangige Zutat sind alltägliche Äpfel, diese bescheidenen und zugleich metaphorisch aufgeladenen Märchenfrüchte. Ob doppelstöckige Schokoladentorte oder marzipanverzierte hellblaue Cremetorte – der Apfelkuchen sticht sie alle aus. Petronellas Äpfel sind seltene Sorten mit poetischen Namen: Herbstprinz, Berliner Schafsnase oder Rote Winterrenette. Wie es sich für eine Apfelhexe gehört, wohnt Petronella in einem Apfel. Ihre Schwestern sind Wetterhexen, sie treten, angekündigt durch Schneefälle, im Band Schneeballschlacht und Wichtelstreiche auf. Petronellas bester Freund ist Hirschkäfer Lucius, andere Gefährten sind die Apfelmännchen, kleine Wesen, die unter den Wurzeln der Apfelbäume leben und für deren Schutz und Pflege sorgen. Wald, Garten, Natur und ihre Bewohner gehören zur magischen Sphäre. Neben Petronellas Apfelgarten steht ein altes Müllerhaus, und hier zieht die Familie der beiden Hauptfiguren – der Zwillinge Lea und Luis – ein. Vater Kuchenbrand hat seine Arbeit verloren, nun kann die Familie sich kein besseres Haus mehr leisten. Anfangs sorgt sich Petronella, die neuen Nachbarn könnten die harmonische Welt ihres Apfelgartens zerstören, und versucht sie zu vergraulen. Beim näheren Hinschauen jedoch erweisen sich die beiden Kinder als sensibel für die Natur, Petronella findet eine gemeinsame Sprache mit ihnen. Gemeinsam bestehen sie verschiedene Abenteuer, wie zum Beispiel in Schneeballschlacht und Wichtelstreiche, wo sie einem aufmüpfigen Weihnachtswichtel die Stirn bieten, den der Weihnachtsmann bei seiner letzten Probefahrt ausgesetzt hat. Dabei verweben sich auf wundersame Weise Realismus und phantastische Elemente – etwa, als Petronella den Weihnachtsmann anruft und die Telefonverbindung mittels durch den Himmel sausender Eiskristalle hergestellt wird.

Sehr amüsant sind die Zeichnungen von Illustratorin SaBine Büchner; humorvoll und mit großer Sympathie für die Figuren, auch für deren Schwächen, unterstreichen sie perfekt den Stil der Bücher. Die Winterabende verbringt Petronella gerne mit einem Buch auf dem Sofa – ein Gläschen Likör neben sich. Gönnen wir auch uns einen Moment der Entspannung und lesen wir Petronellas Geschichten – mit unseren Kindern (wobei wir den Likör durch heißen Kakao ersetzen) oder auch für uns allein (in der Fassung für Erwachsene, mit dem Gläschen Likör). Denn schließlich ist der Winter die Jahreszeit, in der uns am häufigsten die Sehnsucht nach der – wirklichen oder imaginierten – Welt unserer Kindheit ergreift. 
 

Sabine Städing, Petronella Apfelmus. Verhext und festgeklebt, mit Illustrationen von SaBine Büchner, Boje, Köln 2014.

Sabine Städing, Petronella Apfelmus. Schneeballschlacht und Wichtelstreiche, mit Illustrationen von SaBine Büchner, Boje, Köln 2015
 

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