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Atomkraft
Die Atomkraft und Big Foot auf dem Kriegspfad

Atomkraftwerk
Quelle: pixabay.com; Foto (Ausschnitt): Markus Distelrath

Kernenergie. Sollen wir sie abschaffen oder fördern? Ist sie unsere Rettung oder unser Verderben? Das einzig Sichere ist, dass es keine einfachen Antworten gibt. Mit jedem neuen Jahrzehnt lernen wir etwas Neues über die Atomkraft, wir tappen im Dunkeln, machen Fortschritte und Rückschritte. Und paradoxerweise sind die Skeptiker und die Befürworter aufeinander angewiesen. Und die Proteste von Außenseitern, die von einer besseren Welt träumen, bewirken, dass die reale Welt ein wenig sicherer wird.

Von Karolina Sulej

Osnabrück ist eine alte Universitätsstadt mit mittelalterlichen Bürgerhäusern, engen Gassen und gemütlichen Bierstuben, eine Stadt voller glücklicher Rentner und Skulpturen von vollbusigen Dorffrauen.

„Der Schein trügt. Wir befinden uns mitten im Auge des Sturms“, erklären mir Marco und Hannes, nachdem wir uns begrüßt haben. Wir sitzen in einem der Räume des AStA, des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Osnabrück. Marco und Hannes engagieren sich in der Anti-Atom-Gruppe Osnabrück, einem Zusammenschluss von Menschen, die gegen die Nutzung von Atomenergie protestieren.

Achtundsiebzig Kilometer westlich von Osnabrück befindet sich die Urananreicherungsanlage Gronau.

Wenige Kilometer weiter befindet sich das Atomkraftwerk Hamm-Uentrop, das zwar vor dreißig Jahren stillgelegt wurde, jedoch noch immer mehrere Hundert Tonnen radioaktive Anlagenbauteile enthält.

Achtzig Kilometer südlich von Osnabrück befindet sich das Brennelement-Zwischenlager Ahaus.

Und sechzig Kilometer nordwestlich der Stadt befinden sich das Atomkraftwerk und die Atomfabrik Lingen II sowie ganz in der Nähe das 1979 stillgelegte Atomkraftwerk Lingen I.

Osnabrück befindet sich mitten im Zentrum eines atomaren Spinnennetzes.

Atomkraft und die Folgen

Noch auf dem Weg zu meinem Treffen mit Marco und Hannes bin ich überzeugt davon, dass es momentan kein Land auf der Welt gibt, das eine Anti-Atomkraft-Bewegung weniger benötigt als Deutschland. Schließlich verkündete die promovierte Atomphysikerin Angela Merkel bereits 2011 die stufenweise Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke bis Ende 2022.

Außerdem gab es in der letzten Zeit kaum einen Tag, an dem ich Internet nicht auf einen – deutschen, englischen oder polnischen – Artikel gestoßen bin, der sich für eine Rückkehr zur Atomkraft im Namen des Klimaschutzes ausspricht.

Die Anti-Atom-Gruppe Osnabrück hat im Augenblick nur zwei Mitglieder, denen ich gerade gegenübersitze: Marco und Hannes. Hannes und Marco.

Das war es auch schon.

Ist die Abkehr von der Atomkraft also bereits eine vollzogene Sache? Oder hat einfach niemand mehr Angst vor ihr?

Hannes studiert Chemie, nach seinem Studium möchte er als Gymnasiallehrer arbeiten. Mit der Anti-Atomkraft-Bewegung kam er durch seine Beschäftigung mit dem Thema Radioaktivität in Berührung, nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima verstärkte er sein Engagement.

Marco ist über fünfzig, Ethnologe und Erzieher für schwer erziehbare Kinder und Jugendliche. In der Antiatomkraftbewegung engagiert er sich seit den Achtzigerjahren. Er trägt ein ärmelloses T-Shirt, seine langen grauen Haare sind zu einem Zopf gebunden – man sieht ihm seine gegenkulturelle Vergangenheit deutlich an.

„Unsere Bewegung ist aus den Medien verschwunden. Früher hatte die Anti-Atomkraft-Bewegung Hunderte und Tausende von Mitgliedern in unterschiedlichen Teilen Deutschlands. Heute haben sich die meisten ehemaligen Mitglieder anderen Themen zugewandt. Die öffentliche Meinung hält das Problem für gelöst“, geben Hannes und Marco zu.

„Aber stimmt das nicht auch?“, frage ich nach.

Hannes nimmt einen tiefen Atemzug und setzt, ganz im Ton eines jungen Wissenschaftlers, zu einer Erklärung an.

„Es stimmt, dass der Bundestag beschlossen hat, sämtliche Atomkraftwerke bis 2022 abzuschalten. Aber erstens wissen wir nicht, ob dieser Beschluss auch wirklich umgesetzt wird, denn Entscheidungen zur Atomkraft sind abhängig von politischen Konstellationen, und zweitens redet niemand darüber, was mit den anderen Gliedern der nuklearen Brennstoffkette passieren soll – der Produktion von atomarem Brennstoff und der Entsorgung radioaktiver Abfälle. Der Staat verdient sehr gut an atomaren Brennstoffen. Also ist nur die Hälfte des Problems gelöst. Und im Grunde nur ein Drittel.“

Der letzte Wochenbericht des DIW, des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sollte Hannes jedoch Mut zu machen. Die Empfehlung des Berichts lautet, dass die deutsche Bundesregierung dem Narrativ „Atomkraft für Klimaschutz“ entgegenwirken und auf einen raschen Ausstieg aus der Atomkraft hinwirken sollte. Einer der Autoren des Berichts, Christian von Hirschhausen, argumentiert im Bezug auf die Wirtschaftlichkeit von Atomkraftwerken: „Zum anderen ist das Ziel der Entwicklung der Atomkraft niemals gewesen, Strom zu produzieren. Sie war ein Koprodukt militärischer Entwicklungen.“ Die Autoren des Berichts untersuchten sämtliche 674 seit 1951 gebauten Atomreaktoren, die zur Stromproduktion genutzt wurden, hinsichtlich ihrer Wirtschaftlichkeit. Sie kamen zu dem Schluss, dass bei Entscheidungen zum Bau von Atomkraftwerken grundsätzlich ideologische und politische Faktoren und nicht wirtschaftliche Faktoren maßgeblich waren. Die Versprechen auf hohe Renditen wurden nicht eingelöst.

Es stimmt auch nicht ganz, dass niemand über das Problem der Endlagerung redet. Ich besuche die Webseite des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), das gemeinsam mit der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BgE) entsprechende Untersuchungen durchführt, deren Ergebnisse laufend auf der Webseite veröffentlicht werden. Außerdem organisiert das Bundesamt Konferenzen und Diskussionen und legt alle drei Jahre einen Bericht über seine Tätigkeit vor. Es redet also schon jemand darüber.

Es stimmt jedoch, dass das Problem der Endlagerung atomarer Abfälle, die praktisch seit Beginn der Kernkraftnutzung anfallen, nach wie vor ungelöst ist.

Bisher werden atomare Abfälle in sogenannten Zwischenlagern gesammelt, die über ganz Deutschland verteilt und durch Stacheldraht vom Rest durch Welt abgetrennt sind oder sich direkt an den Atomkraftwerken befinden.

Über die Jahrzehnte hinweg gab es diverse Ideen zur Endlagerung radioaktiver Abfälle. Könnte man sie nicht einfach in den Weltraum schießen? Besser nicht, denn eine unkontrollierte Explosion der Rakete hätte katastrophale Folgen. Dann könnte man sie ja vielleicht im ewigen Eis der Antarktis einschließen? Auch keine gute Idee, denn das Eis könnte irgendwann schmelzen. Heute befürworten Experten die Lagerung radioaktiver Abfälle in Gesteinsschichten mehrere Hundert Meter unter der Erdoberfläche. An geeignete Standorte werden Mindestanforderungen gestellt. 300 Meter Gestein sollen zum Beispiel das Endlager von der Erdoberfläche trennen. Eine 100 Meter starke Schicht aus Granit, Salz oder Ton muss es umgeben.

Die Suche nach einem geeigneten Standort dauert in Deutschland bis heute an. Auf dem Weg dahin kam es zu mehreren Pannen, die auch durch die Medien gingen. Der bekannteste Fall ist die Schachtanlage Asse, ein ehemaliges Salzbergwerk, in dem seit den Sechzigerjahren Zehntausende Kubikmeter radioaktiver Abfälle in Hunderttausenden von Fässern eingelagert wurden. Aufgrund der Instabilität der Grube und des zunehmenden Wasserzuflusses, müssen die Fässer jedoch so bald wie möglich wieder aus der Grube entfernt werden. Zurzeit ist der Schacht Konrad, ein stillgelegtes Eisenerz-Bergwerk im Stadtgebiet Salzgitter, als mögliches Endlager im Gespräch. Das Lager soll 2022 in Betrieb genommen werden und sämtliche radioaktiven Abfälle aus der Schachtanlage Asse, der Urananreicherungsanlage Gronau sowie Kernkraftwerken und Forschungsreaktoren aus ganz Deutschland aufnehmen.

Die Suche nach einem geeigneten Endlager wird auf der Webseite des BfE in Form eines allgemeinverständlichen Films dargestellt. Es wird deutlich, dass das Standortauswahlverfahren nicht nur eine Sache von Wissenschaftlern und Politikern, sondern der gesamten Gesellschaft ist.

Atomkraft und Ideologie

Marco und Hannes ist das nicht genug. Ihnen geht es um etwas anderes. Marco erklärt es mir:
„Es geht hierbei nicht nur um Technologie. Es geht auch nicht nur um Deutschland. Es geht um unser Denken, um uns alle. Wir müssen endlich anfangen, systemisch zu denken, anstatt uns auf einzelne Bereiche zu beschränken. Der Kampf um die Rechte der Frau, der Kampf um die Menschenrechte, die Suche nach neuen, umweltfreundlichen Energiequellen – all das ist miteinander verbunden.“

Marco erinnert sich noch an seine erste Anti-Atomkraft-Demonstration und das Gefühl, Teil einer großen Protestbewegung zu sein. Die Proteste jener Zeit waren noch stark von der Hippie-Kultur geprägt. Es ging darum, eine bessere Welt zu schaffen, in der es keinen Platz für große industrielle Anlagen gab.

Die Anti-Atomkraft-Demonstrationen begannen in Deutschland in den Siebzigerjahren, als die einheimische Bevölkerung das Gelände eines geplanten Atomkraftwerks im südbadischen Wyhl besetzte. Das Baugelände konnte zwar schließlich geräumt werden, doch die Bilder von Polizisten, die mit Wasserwerfern und Hundestaffeln gegen die Demonstranten vorgingen, empörten Tausende von Menschen. Wenige Tage später kam es in Wyhl zu einer Kundgebung, an der über 30 000 Menschen teilnehmen. Das Projekt wurde schließlich eingestellt, und das ehemalige Baugelände wurde zu einem Naturschutzgebiet erklärt. Dieser Erfolg beflügelte die Anti-Atomkraft-Bewegung über Jahrzehnte hinweg.

Nach dem Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile Island in den USA demonstrierten 1979 Hunderttausende von Menschen in Bonn und Hannover und forderten die Schließung sämtlicher Atomkraftwerke. 1980 wurde die Partei „Die Grünen“ gegründet, die zu einem großen Teil aus der Anti-Atomkraft-Bewegung hervorging. Ihren Höhepunkt erreichte die Bewegung im Jahr 1986 nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl. Nur wenige Tage später kam es im Atomkraftwerk Hamm-Uentrop zu einer Störung, bei der auch geringe Mengen Radioaktivität austraten. Die Betreiber versuchten, den Vorfall zu vertuschen, um eine Panik in der Bevölkerung zu vermeiden. Im selben Jahr wurden am Baugelände der geplanten Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf bei Auseinandersetzungen mit der Polizei fast vierhundert Menschen verletzt. Marco war damals einer der Demonstranten.

„Nach Wackersdorf verlor die Bewegung an Schwung“, sagt er. „Die Bundesregierung gab uns klar zu verstehen: Wenn ihr weiter protestiert, werden wir euch wie Terroristen behandeln.“

Damals erschienen bis zu siebentausend Polizisten bei den Demonstrationen. Es wurden Blendgranaten, Gummigeschosse, Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt. Was Marco vergisst zu erwähnen, ist, dass auch manche Demonstranten nicht unbewaffnet waren, sondern Schleudern, Brechstangen und Molotow-Cocktails im Gepäck hatten. Es kam zu regelrechten Schlachten zwischen der Polizei und den Demonstranten, die die Bewegung nicht weiterbrachten, sondern nur zu einer Eskalation des Konflikts führten.

In den Neunzigerjahren verlagerten sich die zwar spektakulären aber wenig wirkungsvollen Proteste von der Straße in den Bundestag. Man wollte keine ideologischen Grabenkämpfe mehr, sondern praktische Lösungen.

„So wie ich es sehe, wurde das Symptom zur Ursache erklärt“, fasst Marco enttäuscht zusammen. „Die Nutzung der Kernenergie war für mich nur ein Ausdruck unseres Umgangs mit unserem Planeten. Plötzlich wurde sie jedoch zum einzigen Thema, ohne den ganzen Kontext, der für mich wichtig war.“

Atomkraft und Pragmatik

Anstatt ideologischer Postulate tauchten nun zunehmend konkrete Forderungen auf: die Schließung von Atomkraftwerken und die Reduzierung der Abhängigkeit von Kernenergie. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde erstmals beschlossen, die Atomenergie nicht weiter auszubauen und einzelne Reaktoren zu schließen. 2002 beschloss die von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführte rot-grüne Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022. Doch 2010 setzte die schwarz-gelbe Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Laufzeitverlängerung der Atomkraft um acht bis vierzehn Jahre durch. Man argumentierte, es gebe keine andere Möglichkeit, die durch den Kohleausstieg entstandene Energielücke zu schließen. Die Atomenergie sollte einen allmählichen Übergang zu erneuerbaren Energien ermöglichen. Gleichzeitig beschloss die damalige Bundesregierung die Erhebung einer sogenannten Kernbrennstoffsteuer von den Betreibern von Kernkraftwerken. Diese war als ein Zugeständnis an die Opposition und die Atomkraftgegner gedacht, die der Bundesregierung vorwarfen, sich dem Druck der Atomlobby gebeugt zu haben.

Wissenschaftler der Heinrich-Böll-Stiftung, die regelmäßig Publikationen zum diesem Thema veröffentlicht, bestätigten diesen Verdacht. Gerd Rosenkranz schrieb in seinem Buch „Mythen der Atomkraft. Wie uns die Energielobby hinters Licht führt“, dass es bei der Entscheidung zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke um sehr viel Geld ging. Laut einer Studie der Landesbank Baden-Württemberg aus dem Jahr 2009 hätten die Kernkraftwerkbetreiber bei einer Laufzeitverlängerung von acht bis zehn Jahren mindestens 119 Milliarden Euro zusätzlich eingenommen, falls die Strompreise auf aktuellem Niveau verharrten. Bei steigenden Strompreisen hätten sich die Mehreinnahmen auf bis zu 233 Milliarden Euro belaufen.

Die Pläne zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke wurden jedoch durch die Nuklearkatastrophe von Fukushima durchkreuzt. Zwei Tage nach der Katastrophe gingen in über fünfhundert deutschen Städten, darunter auch Osnabrück, über hunderttausend Menschen auf die Straße. Wenige Tage später erschienen sogar zweihundertfünfzigtausend Menschen zu den Demonstrationen. Die Bundesregierung beschloss daraufhin die sofortige Abschaltung von acht Atomkraftwerken und eine Laufzeitbegrenzung für die übrigen neun Reaktoren.

„Die Menschen bekamen erneut Angst und fühlten sich hilflos“, erklärt Marco. „Gleichzeitig rückte das Thema Atomkraft wieder in den Fokus der Medien, und die Anti-Atomkraft-Bewegung erreichte eine neue Generation.“

Als eifriger Chemie-Student konnte Hannes einfach nicht verstehen, dass eine so riskante Form der Energiegewinnung noch immer staatlich sanktioniert war.

„Ich habe ein technologisches, wissenschaftliches Verhältnis zur Atomkraft“, erklärt er. „Sie fasziniert mich. Ich sehe deutlich, welche Risiken und Kosten sie birgt. Auch die Entscheidungsträger kennen diese Risiken und nehmen sie in Kauf. Dafür gibt es meiner Meinung nach keine wissenschaftliche Erklärung.“

Eine Zeit lang hatte Marco die Hoffnung, dass die Anti-Atomkraft-Bewegung dank junger Menschen wie Hannes wieder an Stärke gewinnt. Doch schon bald vergaßen die Deutschen ihre Angst wieder und begnügten sich mit den Versprechungen der Bundesregierung. Sie waren der Meinung, dass die Beschlüsse ausreichten, um das Problem in den Griff zu bekommen.

Die Atomkraft und ihre Quelle

Hannes ist der Meinung, dass die Menschen nur deshalb aufgehört haben zu protestieren, weil sie zu wenig über die nukleare Brennstoffkette wissen. Die Reaktoren werden geschlossen? Dann ist ja alles gut. Atomkraft ist umweltfreundlich? Das ist ja noch besser. Die Menschen fragen nicht nach. Es interessiert sie nicht, wo Atomenergie herkommt, wie sie erzeugt wird und was hinterher übrig bleibt.

Also will Hannes darüber reden. Er hat gerade eine Präsentation für einen Vortrag erstellt: Anhand von siebzig Bildern erklärt er, warum man Atomkraftwerke nicht einfach abschalten kann und warum wir noch Jahrhunderte lang unter den Folgen unserer früheren Entscheidungen zu leiden haben werden.

Jetzt höre ich mir seinen Vortrag an.

Das erste Bild zeigt eine Uran-Mine.

Uran wird im Tagebau, seltener im Tiefbau oder durch die sogenannte in-situ-Laugung gewonnen. Das geförderte Erz wird zerkleinert und gemahlen, und das Uran wird herausgelöst. Das ausgefällte Produkt wird als Yellowcake bezeichnet. Er besteht zu über 99 % aus dem nicht-spaltbaren Isotop U238 und zu weniger als 1 % aus dem spaltbaren Isotop U-235. Und nur spaltbare Isotope können als Kernbrennstoff verwendet werden. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag ist also nicht besonders günstig. Ebenso wie die Förderbedingungen. Der Uran-Tagebau ist mit gesundheitlichen Risiken für die Arbeiter verbunden, da der Uranstaub in die Luft gelangen und eingeatmet werden kann. Der Uran-Tiefbau ist hingegen teuer und aufwändig – und mit hohen CO2-Emissionen verbunden.

Uran wird in vielen verschiedenen Ländern abgebaut. Großbritannien legt seine Uranquellen nicht offen, Frankreich erhält seine Uranlieferungen überwiegend aus dem Niger, und Deutschland aus Australien und den Vereinigten Staaten. Uranminen befinden sich überwiegend in armen und strukturschwachen Regionen. Die Menschen, die dort leben, haben nur wenig Hoffnung auf eine Verbesserung ihrer Lebensqualität. In den meisten Fällen handelt es sich um stigmatisierte und an den Rand der Gesellschaft gedrängte indigene Völker, wie Indianer und Inuit, Aboriginal Australians, Tuareg und Adivasi.

„Es war viel Arbeit von Nichtregierungsorganisationen nötig, bis die Welt darauf aufmerksam wurde, dass der Uranabbau das Leben und die Gesundheit von Menschen bedroht und das Grundwasser verseucht. Doch trotz der gezahlten Entschädigungen sind die Uranminen weiter in Betrieb,“ empört sich Hannes.

Ich beschließe, den US-Amerikaner Michael Schellenberger zu fragen, was er von all dem hält. Schellenberger wuchs selbst in einer Hippie-Familie auf und engagierte sich jahrelang in der Anti-Atomkraft-Bewegung. Später änderte er jedoch seine Meinung und lernte, wie er selbst sagt, „die Bombe zu lieben“. Er wurde zu einem der bekanntesten internationalen Fürsprecher der Atomenergie und schrieb Bücher und Manifeste. Er bezeichnet sich selbst als Öko-Pragmatiker. Er war Mitbegründer des Breakthrough Institutes, das den Klimawandel im Zusammenhang mit unterschiedlichen Methoden der Energiegewinnung und technologischen Innovationen untersucht.

Bei unserem Gespräch über den Ozean stelle ich ihm die Frage nach den Uranminen. „Selbstverständlich sollten sämtliche Minen die Rechte ihrer Arbeiter wahren. Aber meiner Meinung nach sind die Uranminen in diesem Zusammenhang sogar gewissenhafter als andere, weil sie ein größeres Risiko tragen und im besonderen Fokus der Öffentlichkeit stehen. Außerdem wird die Hälfte des weltweit geförderten Urans gar nicht im Bergbau gewonnen sondern einfach an die Erdoberfläche gepumpt, ohne offene Gruben und Tunnel. Man benötigt auch keine großen Mengen, weil Uran als Brennstoff so ergiebig ist. Und die verbrauchten Brennelemente können wiederaufbereitet werden. All das begrenzt den Aufwand und die Schäden auf ein Minimum.“

Die Atomkraft und ihr Mythos

Das nächste Bild.
Es zeigt den Hamburger Hafen. Dort werden Container mit Yellowcake ausgeladen und anschließend in eine Atomfabrik verfrachtet, überwiegend nach Gronau, dann nach Lingen und schließlich in die ganze Welt.

Das nächste Bild.
Ein Atomkraftwerk. Große Amphoren, die weiße, an Zuckerwatte erinnernde Wolken in die Luft stoßen. In Deutschland sind noch immer acht Atomkraftwerke in Betrieb.

Diese stoßen in der Tat kein CO2 aus. Noch vor etwa einem Jahrzehnt erzeugten sie ein Viertel des in Deutschland benötigten Stroms. Sauber und effizient, in dieser Phase werden keine Nachteile sichtbar.

Doch Atomkraftwerke altern schnell und sie sind sehr teuer. Die Kosten für den Bau eines Atomkraftwerks betragen zwischen zwei und zehn Milliarden Dollar. Mit dreißig Jahren bekommen Atomkraftwerke Falten und müssen regelmäßig auf ihre Gesundheit überprüft werden. Jeder Riss bedeutet ein Risiko.

Das nächste Bild. Das Atomkraftwerk Lingen.
Eine Straße, die sich zwischen grünen, bis auf den letzten Halm gepflegten Felder entlangschlängelt. Sie führt an Windkraftwerken und gepflegten Einfamilienhäusern mit Solaranlagen auf den Dächern vorbei. Die Energiegewinnung schmiegt sich hier unauffällig in die Landschaft, sie springt nicht ins Auge. In der Ferne erheben sich zwischen den Bäumen die großen Kühltürme des Atomkraftwerks. Sie wirken wie aus einer futuristischen Dystopie: riesige, in eine idyllische Landschaft gepflanzte Betonberge.

„Auf diesen Straßen wird Nuklearmaterial transportiert. Aus Gronau nach Lingen. Aus Lingen und aus Gronau in die ganze Welt. Nach Frankreich, Schweden, Finnland, Belgien, Russland und Brasilien. Auf Autobahnen und anschließend auf dem Seeweg. Über siebzig Mal im Jahr. Niemand bewacht diese Transporte, sie sind lediglich mit Strahlenwarnzeichen versehen.“

Es stimmt tatsächlich, was Hannes sagt: Atomtransporte werden nicht bewacht, obwohl das Risiko terroristischer Anschläge seit Langem bekannt ist. In einer Publikation der Heinrich-Böll-Stiftung lese ich, dass Mohammed Atta, einer der fünf Entführer des ersten Flugzeugs, das bei den Terroranschlägen am 11. September 2001 in den Nordturm des World Trade Center gesteuert wurde, das Kernkraftwerk Indian Point als ein mögliches Ziel des Anschlags erwogen hatte.

Sämtliche Transporte bedürfen jedoch der Genehmigung des Bundesamts für kerntechnische Entsorgungssicherheit. Die Behörde genehmigt Transporte nur dann, wenn bestimmte Vorschriften des Atomrechts und des Gefahrgutrechts eingehalten werden. Als Grundlage für die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen gelten die Empfehlungen der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO). Die Transportbehälter müssen zuvor getestet und gegen Unfälle, Feuer und Wasser geschützt sein. Der Zeitpunkt der Transporte wird in Absprache mit dem Bundesinnenministerium festgelegt. Im Falle von Sicherheitsbedenken können der Zeitpunkt und die Route der Transporte kurzfristig geändert werden.

Das nächste Bild.
Das Atomkraftwerk ist von einem Stacheldrahtzaun umgeben und wirkt wie eine militärische Anlage. Kein Zutritt. Auch die Einwohner Lingens mögen keine Schaulustigen. Marco sagt, sie wollen einfach – wie alle anderen Leute auch – ihre Ruhe und ihren Arbeitsplatz haben. Das Atomkraftwerk sichert Arbeitsplätze für die ganze Region. Die Einwohner haben verständlicherweise ein Interesse daran, dass es so lange wie möglich existiert.“

„Und was ist, wenn es tatsächlich einmal zu einer Katastrophe kommt?“, frage ich.

„Es gibt keine Evakuierungspläne“, sagt Marco. „In den Achtzigerjahren wurden mal welche erarbeitet. Aber in denen ging es hauptsächlich darum, eine Massenpanik zu verhindern. Es gibt keine entsprechenden Pläne, weil es einfach unmöglich ist, die Menschen rechtzeitig zu evakuieren.“

In der Tat, die Erklärungen des BfE zu einer möglichen Katastrophe wirken sehr technisch und machen wenig Hoffnung. Im Grunde erklärt das Bundesinstitut nur, wie die Schäden innerhalb des Kernkraftwerks minimiert werden können. Die Menschen außerhalb werden mit keinem Wort erwähnt. Vielleicht, um keinen Schrecken zu verbreiten? Das Bundesamt bestätigt nur immer wieder, dass die bestehenden deutschen Atomkraftwerke gegen technische Störungen in der Anlage wie Brände, Explosionen und Leckagen sowie gegen Einwirkungen von außen wie Erdbeben und Überflutungen gesichert sind.

Jos Lelieveld, ein Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts warnt jedoch: „Notwendig ist nicht nur eine tief gehende und öffentlich zugängliche Analyse der tatsächlichen Risiken, die von Kernkraftwerken ausgehen. Vor dem Hintergrund unserer Erkenntnisse sollte meiner Meinung nach auch ein international koordinierter Ausstieg aus der Kernenergie in Betracht gezogen werden.“ Die Wissenschaftler des Instituts sind sich sicher, dass der nukleare GAU wahrscheinlicher ist als gedacht. Sie errechneten, dass solche Ereignisse im momentanen Kraftwerksbestand etwa einmal in zehn bis zwanzig Jahren auftreten können. Zudem ermittelten sie, dass die Hälfte des radioaktiven Cäsium-137 bei einem solchen größten anzunehmenden Unfall mehr als 1 000 Kilometer weit transportiert und Jahrzehnte lang in der Atmosphäre bleiben würde.

Ich frage den Atomkraft-Befürworter Michael Schellenberger, ob er keine Angst vor nuklearen Unfällen habe. Schließlich war er selbst jahrelang in der Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv und bemühte mehr als einmal das Argument Tschernobyl.

Er erklärt mir, dass er sich damals mehr von Symbolen als von Tatsachen überzeugen ließ. Und die Tatsachen sehen seiner Meinung nach folgendermaßen aus: „In Tschernobyl starben achtundzwanzig Menschen direkt vor Ort und fünfzehn weitere an Schilddrüsenkrebs. Später erkrankten ein Prozent der sechzehntausend von dem Unglück betroffenen Menschen an Krebs. Und in Fukushima ertranken die Menschen oder sie starben infolge der ausgebrochenen Panik, es gab keinen einzigen Strahlentoten. Man darf sein Wissen nicht ausschließlich aus HBO-Sendungen und den literarischen Werken von Swetlana Alexijewitsch beziehen.“

Atomkraft und Umweltschutz

Jetzt zeigt mir Hannes eine gelbe Broschüre mit einem Atomkraft-Verboten-Logo. Er erklärt mir, dass ihre Anti-Atom-Gruppe Osnabrück im Augenblick zwar nur zwei Mitglieder habe, jedoch Teil eines großen Anti-Atomkraft-Netzwerks sei, dem Organisationen in Frankreich, Belgien, Afrika, der Ukraine und Großbritannien angehören. Auf der Seite dont-nuke-the-climate.org informieren sie über ihre Projekte. Die Seite enthält Informationen zu geplanten Veranstaltungen sowie wissenschaftliche Berichte über den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Atomkraft. Und vor allem natürlich die gemeinsame Erklärung mit dem Titel „Don't Nuke the Climate“.

Hannes erklärt mir die einzelnen Punkte:
Atomkraft ist zu schmutzig: Die Atomreaktoren und die nukleare Brennstoffkette produzieren riesige Mengen an tödlichem Atomabfall. Die nukleare Brennstoffkette verursacht weitaus mehr Kohlenstoffemissionen als die Produktion erneuerbarer Energien wie Geothermie, Wasserkraft und Solarenergie.

Hinterher bitte ich Michael um einen Kommentar:
„Die CO2-Emissionen sind in Wirklichkeit verschwindend gering. Die Methode der Uran-Anreicherung mithilfe von Gaszentrifugen (in denen die Isotope mithilfe der Zentrifugalkraft voneinander getrennt werden), ist wesentlich effizienter als die zuvor verwendete Methode der Gasdiffusion (die die Isotope anhand ihrer Massenunterschiede trennt). Doch die Atomkraftgegner verwenden immer noch ihre Zahlen aus der Zeit der großen Gasdiffusionsanlagen“.

Hannes liest weiter:
Atomkraft ist zu langsam: Die Nutzung von Atomkraft zur Reduktion der Emissionen durch fossile Brennstoffe innerhalb eines akzeptablen Zeitrahmens würde ein noch nie dagewesenes Programm zum Bau von Atomreaktoren erfordern.

Atomkraft und Menschenrechte

Als ich die Broschüre zur Seite lege, fügt Marco noch hinzu, dass die Atomkraft auch – und seiner Meinung nach vor allem – die Menschenrechte verletzt.

Marco lebte zwei Jahre lang in der Pine Ridge Reservation, einem Indianerreservat im Südwesten des US-Bundesstaats South Dakota, um sich selbst ein Bild von den dortigen Uranminen zu machen. Er sah mit eigenen Augen, wie die Arbeiter den Uranstaub einatmeten. Er sah, wie die Flüsse verseucht wurden. Er demonstrierte vor Fernsehkameras mit den im Reservat lebenden Lakota. Niemand reagierte auf die Proteste. Hannes ärgerte sich darüber, dass sich nichts veränderte, dass es den Menschen egal war. Damals sagte ein Einwohner des Reservats zu ihm: „Wir dürfen nicht ungeduldig werden. Wir sind nur ein Glied in der Kette. Wir kämpfen seit den Zeiten Christoph Kolumbus' um unsere Rechte und werden noch Generationen lang weiter kämpfen.“

Das war der Moment, in dem Marco sein Ego zurückstellte und den Wunsch aufgab, die Veränderungen, von den er träumte, noch selbst zu erleben.

„Man muss lernen, immer weiter zu kämpfen, ohne Garantie auf Erfolg, ohne Hoffnung auf Ruhm. Einfach, weil es notwendig ist. Das habe ich bei den Lakota gelernt.

Marco gibt zu, dass manche seiner Bekannten ihn für verrückt halten und sein Engagement als einen Kampf gegen Windmühlen bezeichnen. Sie haben sich längst in ihren Alltag und in ihre Familien zurückgezogen. Dabei gibt es nicht Vernünftigeres, sagt Marco, als mit aller Kraft zu versuchen, die Welt jetzt zu verändern, denn sonst bleibt nicht mehr genug von ihr für unsere Kinder übrig. Er selbst hat zwei Söhne. Für jeden von ihnen hat er sich nach seiner Rückkehr aus dem Indianerreservat ein Tattoo stechen lassen: Eine Schlange und einen Adler, denn wir sind alle ein Teil der Natur. Seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen. „Werde endlich erwachsen“, hatte sie ihm immer wieder gesagt. Sie hatten sich auseinandergelebt.

Marco sorgt sich auch um andere Kinder, er arbeitet mit schwer erziehbaren Kindern und Jugendlichen. Als studierter Ethnologe ist er der festen Überzeugung, dass Gemeinschaft das Wichtigste ist, und nicht materieller Besitz.

Im Augenblick gehe es jedoch überall nur ums Geld, sagt Marco. Den Regierungen sei mehr daran gelegen, möglichst viel zu verdienen als eine lebenswerte Gesellschaft zu schaffen. Auch am Uran. Niemand will als Erster sagen: Okay, dann verdienen wir halt etwas weniger.

Marco geht es seit den Achtzigerjahren vor allem um eines: Er möchte die Ursache bekämpfen und nicht die Symptome. Und die Ursache ist für ihn die Konsumgesellschaft.

„Anstatt ständig vorwärtszudrängen und immer mehr zu wollen sollten wir innehalten und uns einschränken“, sagt er. „Reduzieren statt akkumulieren. Wir brauchen nicht überall Straßenlaternen, wir müssen nicht immer das neueste Smartphone, den neuesten Computer und immer mehr elektronische Geräte kaufen. Wir sollten wieder lernen, Zeit miteinander zu verbringen, anstatt nur vor irgendwelchen Geräten zu sitzen. Dann werden wir auch weniger Strom verbrauchen.“

„Wir müssen also unseren Lebensstil verändern“, fasse ich zusammen.
„Und auf eine Dezentralisierung hinwirken“, fügt Marco hinzu. „Jeder sollte selbst die Verantwortung für seinen Haushalt übernehmen und sich fragen, ob er dort, wo er wohnt, möglicherweise Energie erzeugen kann und wie viel er wirklich benötigt. Wir müssen regional denken. Können wir bei uns Strom aus Windkraft erzeugen? Oder aus Sonnenenergie? Oder vielleicht aus Geothermie?“

Michael lacht über meine E-Mail: „Wir bräuchten schrecklich viele Windkrafträder und Solaranlagen, um solche Lösungen umzusetzen. In Kalifornien nehmen Solaranlagen hundertmal mehr Raum ein als Atomkraftwerke, von den Stromleitungen ganz zu schweigen. Und die verlaufen schließlich auch durch irgendwelche natürlichen Landschaftsräume, oder etwa nicht?

Und weniger verbrauchen? Das lässt sich leicht sagen. Ich fände es unmoralisch, den Menschen vorzuschreiben, dass sie weniger Energie verbrauchen sollen. Das ist Energie für Krankenhäuser und Schulen, für Besuche von Freunden. Und mehr Licht bedeutet mehr Sicherheit in den Städten.“

Atomkraft und Indianer

Hannes beschließt seinen Vortrag mit einem persönlichen Statement:
„Unsere Bekannten, die die Gruppe verlassen haben, haben mir gesagt, dass sie nicht mehr gegen etwas protestieren wollen. Stattdessen wollen sie sich für positive Veränderungen einsetzen. Natürlich muss man immer, wenn man gegen etwas kämpft, eine alternative Lösung anbieten. Aber wenn du nur Alternativen anbietest und ausschließlich positiv denken willst, dann kannst du den Status quo nicht verändern.“

Marco gefällt der Status quo schon lange nicht mehr – seit er zehn Jahre alt war. Damals wurde eine Badestelle an der Ems, die an seinem Elternhaus vorbeifloss, geschlossen. Seine Eltern erklärten ihm, dass das Atomkraftwerk Lingen das Wasser benötigte, um den Reaktor zu kühlen. Marco konnte nicht verstehen, warum das so sein musste, schließlich hatten er und viele andere Kinder dort ganze Sommer mit ihren Freunden verbracht. Er konnte nicht verstehen, warum die Erwachsenen, warum seine Eltern nichts taten, um die Badestelle zu retten. Sie sagten ihm nur: Junge, gegen solche Leute kommst du nicht an.

„Damals schenkte mir meine Oma zum Trost ein Buch über die Ureinwohner Amerikas, damals bezeichnete man sie einfach als Indianer. Auf diese Weise erfuhr ich vom Massaker von Wounded Knee, und dass es Menschen gab, die auch für eine verlorene Sache kämpften. Ich las mir das zehnmal durch. Mir wurde klar, dass ich nicht so werden wollte, wie meine Eltern. Ich wollte so werden wie Häuptling Big Foot.“

Mir fällt ein Satz ein, den ich bei Gerd Rosenkranz gelesen habe: „Das vergleichsweise hohe Sicherheitsniveau deutscher Meiler wurde in der Vergangenheit sogar von Befürwortern der Atomenergie auch der Stärke der Anti-Atomkraft-Bewegung in der alten Bundesrepublik zugeschrieben, einer andauernden skeptischen Beobachtung der Meiler durch eine hoch sensibilisierte Bevölkerung.“

Vielleicht hat Häuptling Big Foot dieses Mal mehr erreicht, als ihm selbst bewusst ist.
 

Bibliografie:

https://www.bfe.bund.de/DE/home/home_node.html

https://pl.boell.org/pl/2019/06/24/przyszlosc-energetyki-jadrowej

https://pl.boell.org/sites/default/files/rosenkranz_mity_energetyki_jadrowej.pdf

https://www.mpg.de/5809418/reactor_accidents

https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.670581.de/dwr-19-30-1.pdf

https://www.nytimes.com/1986/06/08/world/protesters-battle-police-at-west-german-a-plant.html

Energetyka jądrowa wobec globalnych wyzwań bezpieczeństwa energetycznego i reżimu nieproliferacji w erze zmian klimatu, Tomasz Młynarski, Wyd. Uniwersytetu Jagiellońskiego 
 
Interview mit Michael Schellenberger

Interview mit Hannes und Marco von der Anti-Atom-Gruppe Osnabrück

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