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Stille in der Lärmzivilisation
Wie lärmempfindlich sind die Deutschen?

Die Deutschen sind lärmempfindlich.
Die Deutschen sind lärmempfindlich. | Foto: Pixabay

Warum sie eine solche Abneigung gegen Lärm haben, was für sie Ruhe bedeutet, und wie sie ihr Recht auf Stille durchsetzen – ich befrage Menschen in Deutschland, wie sie den Begriff Ruhezeit definieren, und erfahre, wie man in dem bevölkerungsreichsten Land der Europäischen Union überlebt.

Von Dorota Salus

„Das Ohr schläft nie. Auch in der Nacht filtert es die Geräusche“, erklärt Sieglinde Geisel. „Unser Nervensystem reagiert mit archaischen Mustern auf plötzlichen Lärm: der Bereitschaft zum Kampf oder zur Flucht. Auch ungefährliche Geräusche können, wenn wir sie mitten in der Nacht hören, in uns einen ungeheuren Stress auslösen – als ginge es um Leben oder Tod“, fügt sie hinzu.

Wenn sich jemand gut mit Lärm auskennt, dann Sieglinde. Sie hat ihm in ihrem ebenso witzigen wie scharfsinnigen Buch „Nur im Weltall ist es wirklich still. Vom Lärm und der Sehnsucht nach Stille“ ganze 167 Seiten gewidmet. In dem Buch ergründet sie die Beziehung zwischen dem Menschen und den Geräuschen, die ihn im Verlauf der letzten beiden Jahrtausende umgeben haben.

„Die Deutschen reagieren besonders empfindlich auf Lärm“, behauptet Sieglinde.  Es gibt im Deutschen sogar ein besonderes Wort für Geräusche, die stören, und zwar ein dramatisches. Etymologisch leitet sich das Wort Lärm von Alarm ab, dem alten italienischen Schlachruf „all’arme“ – „zu den Waffen!“. Wenn man die Nachrichten verfolgt, kann man den Eindruck gewinnen, dass manche diesen Aufruf wörtlich nehmen. „Weil er sich durch Lärm belästigt fühlte, hat ein 52-Jähriger seinen 69 Jahre alten Nachbarn erschlagen. Anschließend zerstückelte er die Leiche und versteckte sie im Wald“, zitiert Sieglinde in ihrem Buch eine solche Pressemeldung.

Und obwohl solche Tragödien zum Glück nicht an der Tagesordnung sind, können sich die Mitarbeiter des Ordnungsamts über einen Mangel an Aufregung nicht beschweren. Jeden Tag nehmen sie Dutzende Beschwerden von lärmgeplagten Bürgern entgegen. Zum Beispiel von einer Frau, die sich ein Haus neben einem Reitbetrieb baute, mit dem Schlafzimmerfenster zum Stall. Anschließend beschwerte sie sich über das Schnauben der Pferde, dass sie nicht schlafen lasse. In der Nacht führte sie Protokoll darüber, zu welcher Uhrzeit ein Pferd schnaubte oder mit dem Huf aufstampfte. Manchmal übernachte sie deswegen in einem Wohnwagen. Oder von einer anderen Frau, die sich darüber beschwerte, dass die Nachbarin in der Wohnung über ihr 24 Stunden am Tag Sex habe, sieben Tage die Woche. Oder von einem Hausbesitzer in einem Dorf am Stadtrand Berlins, der zunächst erfolglos gegen Feuerwerk geklagt hatte und anschließend erreichen wollte, dass keine Rettungshubschrauber mehr über sein Dach fliegen dürfen.

„Die Mitarbeiter des Ordnungsamts müssen auf jede Beschwerde reagieren. Doch bei manchen verwischt die Grenze zwischen Realität und Einbildung. Gegen eingebildeten Lärm ist jede Behörde machtlos“, konstatiert Sieglinde Geisel.

Sie selbst lebt in Berlin und versichert, dass die Lärmtoleranz in Großstädten deutlich höher ist.
Berlin Berlin | Foto: Pexels

Ein Interessenkonflikt 

In deutschen Wohngebieten darf der Lärmpegel 55 Dezibel am Tag und 40 Dezibel in der Nacht nicht überschreiten.

„Verkehrslärm wird meist hingenommen, da es sich um unvermeidlichen Lärm handelt“, erklärt Jens-Holger Kirchner, ehemaliger Bezirksstadtrat im Berliner Bezirk Pankow. „Die meisten Beschwerden von Bürgern betreffen den Lärm der Nachbarn oder die Umtriebe des Nachtlebens“, fügt er hinzu.

Aus diesem Grund ist ein pulsierendes Nachtleben für die Stadtoberen ein Segen und eine Last zugleich.

Ein gutes Beispiel ist die Kulturbrauerei, die in den frühen 90er-Jahren auf dem Gelände einer ehemaligen Brauerei im Bezirk Prenzlauer Berg entstand. In den alten Vorkriegsgebäuden öffneten moderne Restaurants, Boutiquen und Nachtclubs.

„Einerseits ist man froh, dass die seinerzeit für 3,5 Millionen D-Mark sanierte historische Fabrikanlage als Kultur- und Eventstandort mit Kino, Gastronomie und Partys funktioniert, doch andererseits entsteht für die Anwohner eine erhebliche Lärmbelästigung“, erklärt Sieglinde Geisel.

Die Veranstalter müssen die Lärmvorschriften einhalten und die festgelegten Ruhezeiten beachten. Andernfalls drohen ihnen Bußgelder, die bei wiederholten Verstößen bis zu 50 000 Euro betragen können. Aus diesem Grund wurde das Thema Lärmbelästigung in der Kulturbrauerei konsequent angegangen. Die Veranstaltungsräume wurden mit Schallabsorbern versehen, und die Anwohner werden im Voraus über anstehende Veranstaltungen informiert, damit sie übers Wochenende wegfahren können. Sieglinde Geisel berichtet, dass es vonseiten der Veranstalter sogar das Angebot bezahlter Hotelübernachtungen gab.

Ruhe ist vornehm 

Laut Sieglinde Geisel gehörte es zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland zum guten Ton, eine Bibliothek, ein Vermögen, und eine Aversion gegen Lärm zu haben.

Vor allem das aufstrebende Bürgertum legte großen Wert auf Stille – als eine Reaktion auf die immer lauter werdenden Maschinen und die fortschreitende Industrialisierung. „Die Einwohnerzahl von Berlin und Frankfurt verdreifachte sich innerhalb von wenigen Jahrzehnten. Im Jahr 1871 lebte nicht einmal jeder zwanzigste Bewohner des neu gegründeten Deutschen Reichs in einer Großstadt, doch im Jahr 1910 war es bereits jeder Fünfte“, erklärt Sieglinde Geisel in ihrem Buch.

1907 entstand in Hannover die erste deutsche Anti-Lärm-Bewegung, gegründet vom Philosophen Theodor Lessing. Die Mitglieder des „Antilärmvereins“ trafen sich miteinander, um darüber zu diskutieren, welchen Einfluss die von Fabriken, Automobilen, Zügen und sogar von modernen Waffen verursachten Geräusche auf das intellektuelle und kulturelle Leben hatten.

Die Liste mit Forderungen, die der Verein aufstellte, war durchaus beeindruckend: „Die Unterdrückung und Beseitigung jedes unnötigen Lärmes durch Automobile und Straßenbahn, Kehricht- und Abfuhrwagen, Hundegebell, Teppichklopfen, das Hören von Musik bei offenem Fenster und das Betätigen von Grammophonen“. Der Antilärmverein protestierte gegen die Installation von Wasser- und Abwasserleitungen, weil sie Lärm verursachten, erwog gerichtliche Schritte gegen nächtliches Singen, Johlen usw., und unterstützte berechtigte Klagen über die vorgenannten Übelstände.
Die Mitglieder des Antilärmvereins forderten die Beseitigung unnötigen Lärms, wie zum Beispiel Hundegebell. Die Mitglieder des Antilärmvereins forderten die Beseitigung unnötigen Lärms, wie zum Beispiel Hundegebell. | Foto: Pexels

In ihrer Zeitschrift „Der Anti-Rüpel“ veröffentlichten sie blaue und schwarze Listen, in denen ruhige, bzw. lärmige Hotels und Wohngegenden verzeichnet waren. Außerdem verteilten sie Anstecker mit der Aufschrift „Ruhe ist vornehm“. Zur selben Zeit erfand der Apotheker Max Negwer in Berlin-Schöneberg die ersten modernen Geräuschschützer, denen er den Namen Ohropax („Ohr-Frieden“) gab.

Schallgedämpft

Auch viele bedeutende deutsche Schriftsteller und Philosophen waren – schon lange bevor Theodor Lessing seinen Antilärmverein gründete – bekennende Ruheliebhaber. In ihren Tagebüchern und Briefen träumten sie von schalldichten Arbeitszimmern und beschwerten sich ausgiebig über unerträgliche Geräusche. „Es bildet ein Talent sich in der Stille“, schrieb schon Goethe. Schopenhauer bezeichnete in seiner Abhandlung „Über Lärm und Geräusch“ den Lärm als Mörder aller Gedanken. Und Franz Kafka, der für seine Lärmempfindlichkeit bekannt war und beim Schreiben absolute Stille benötigte, konnte sich ein Leben ohne Ohropax gar nicht mehr vorstellen.

Auch wenn der Antilärmverein sich schließlich auflöste (im Gegensatz zu der Firma Ohropax, die ihre Produkte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs bereits in 42 Länder exportierte), ist das Erbe der Anti-Lärm-Bewegung vom Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland nach wie vor spürbar. Dies zeigt sich vor allem an den gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten, insbesondere an Sonntagen, wenn die Geschäfte geschlossen bleiben müssen, auf dem gesamten deutschen Straßennetz keine Lastwagen fahren dürfen und Rasenmähen streng untersagt ist. Oder an den Spielplätzen, die im Gegensatz zu denen in anderen Ländern, bemerkenswert ruhig sind. Oder an den Lärmschutzwänden an Parks und Autobahnen. Und natürlich an den strengen Lärmschutzgesetzen, die seit über 40 Jahren in Kraft sind. Zum Beispiel das 1974 erlassene Bundes-Immissionsschutzgesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgänge.

Wenn man bedenkt, dass Deutschland zu den zwanzig am dichtest besiedelten Ländern der Welt gehört (in Deutschland leben nach Angaben von Eurostat 83,16 Millionen Menschen auf einer Fläche von 357 37 km², in Polen 37,95 Millionen Menschen auf einer Fläche von 312 67  km²), ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Deutschen versuchen, den allgegenwärtigen Lärm ein wenig einzudämmen. Neben den bundesweit geltenden Gesetzen hat jedes Bundesland eigene Lärmschutzvorschriften und -verordnungen. Vor einigen Monaten appellierten die Rhein-Neckar-Verkehrsbetriebe während der Corona-Krise an die Fahrgäste, in Bussen und Bahnen auf das Telefonieren zu verzichten. In Hessen ist das Zünden von Feuerwerk an Sonn- und Feiertagen verboten, im eigenen Garten oder Balkon ist es jedoch erlaubt. In Bayern benötigt man hingegen eine besondere Genehmigung für das Abbrennen eines Feuerwerks auf dem eigenen Grundstück.

Die strengen Lärmschutzgesetze halten die ruheliebenden Deutschen jedoch nicht davon ab, sich zu beschweren. In Frankfurt versammelten sich – noch vor der Pandemie – acht Jahre lang jeden Montag Hunderte von Menschen im Terminal 1, um gegen Fluglärm und die Ausweitung des Flughafens zu protestieren. Ähnliche Demonstrationen fanden im Rheintal statt, wo die Menschen gegen die Lärmbelästigung durch den Güterverkehr demonstrierten.
In Frankfurt versammelten sich Hunderte von Menschen im Terminal 1, um gegen Fluglärm zu protestieren. In Frankfurt versammelten sich Hunderte von Menschen im Terminal 1, um gegen Fluglärm zu protestieren. | Foto: Pexels Auch die Lärmverursacher gehen auf die Barrikaden. Zum Beispiel in Sasbachwalden, einem Kurort im Schwarzwald, dessen Ortskern durch zahlreiche jahrhundertealte Fachwerkhäuser geprägt ist – und der direkt an einer beliebten Motorradstrecke liegt. Nachdem die Bürger eine Initiative gegen Motorradlärm ins Leben gerufen hatten, erwog der Bundesrat kurzzeitig ein Fahrverbot für Motorräder an Sonn- und Feiertagen. Tausende empörter Motorradfahrer versammelten sich daraufhin zu Demonstrations-Korsos. Die Bürgermeisterin von Sasbachwalden Sonja Schuchter beteuerte, es gehe ihr nicht um ein grundsätzliches Fahrverbot, sondern um die Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten.

Zu laute Koteletts

Am strengsten sind die Lärmschutzregeln angeblich in Bayern.

Bevor Danuta, die in einem REWE-Markt arbeitet, mir erzählt, wie es sich im ersten Stock eines Wohnblocks in der Nähe von Regensburg lebt, zeigt sie mir erst einmal die Hausordnung, die sie erhielt, als sie vor 18 Jahren hier einzog.

„Damals gab es noch keine Mietercastings“, sagt sie.

Heute würde der Wohnungsbesitzer sie erst einmal fragen, wo sie arbeitet und wie viel sie verdient, anschließend würde er den Besitzer ihrer vorherigen Wohnung anrufen, um sich nach dessen Erfahrungen zu erkundigen, und schließlich würde er sich vergewissern, dass Danuta kein Arbeitslosengeld II bezieht.

„Das ist keine gute Voraussetzung, wenn man eine Wohnung sucht. Ebenso wie Kinder. Eltern haben es schwerer, eine Wohnung zu finden – die Vermieter befürchten, die Kinder könnten Lärm machen und Schäden verursachen“, erklärt Danuta.

Zum Thema Kinder gibt es klare Regeln.

„Jeder Mieter sollte daran denken, dass die Wohnung kein Spielplatz ist. Übrigens ist auch auf Spielplätzen unnötiger Lärm nicht erwünscht. Auch wenn du dich noch so gut benimmst und jeden Monat rechtzeitig deine Miete zahlst – wenn du deine Kinder nicht in den Griff bekommst, kann es sein, dass der Vermieter dir die Wohnung kündigt“, sagt Danuta.

In der Hausordnung ist auch die Mittagsruhe geregelt, die von 11 bis 14 Uhr dauert.

„In dieser Zeit darfst du keine Wäsche waschen, keinen Staub saugen, keine Löcher in die Wand bohren und keine Teppiche klopfen. Während der Mittagszeit essen die Leute und ruhen sich aus“, erläutert Danuta.
Jeder Mieter sollte daran denken, dass die Wohnung kein Spielplatz ist. Übrigens ist auch auf Spielplätzen unnötiger Lärm nicht erwünscht. Jeder Mieter sollte daran denken, dass die Wohnung kein Spielplatz ist. Übrigens ist auch auf Spielplätzen unnötiger Lärm nicht erwünscht. | Foto: Pexels Auch die Balkonnutzung ist in der Hausordnung geregelt, was Danutas ehemaliger Nachbar, der seine Wohnung für ein halbes Jahr an Freunde untervermietete, schmerzhaft zu spüren bekam.

„Die Untermieter grillten auf dem Balkon, was gemäß der Hausordnung streng verboten ist. Ebenso wie laute Gespräche, über das Geländer geworfene Zigarettenstummel und Musik in der Mittagszeit. Es kam zu einem Gerichtsverfahren, und die Untermieter mussten die Wohnung räumen. Sogar der Hauptmieter musste gehen“, erinnert sich Danuta.

Wenn sie selbst einmal feiert, hängt sie Zettel im Treppenhaus auf, in denen sie die Nachbarn um Verständnis bittet, falls es etwas lauter werden sollte.

„Damit ich etwas in der Hand habe. Falls die Polizei kommt, kann ich nachweisen, dass ich die Nachbarn im Voraus informiert habe. Wenn du das nicht kannst und zwischen 22 und 6 Uhr zu laut gefeiert hast, müssen die Gäste innerhalb von zehn Minuten die Wohnung räumen und du musst ein Bußgeld zahlen“, erklärt sie.

Doch trotz – oder vielleicht ja gerade wegen – der vielen Regeln, fühlt sich Danuta in Bayern sehr wohl. Die Nachbarn sind sehr freundlich.

„Das Wichtigste ist es, andere nicht zu belästigen und am Sonntag keinen Lärm zu machen“, sagt Danuta. „Als meine Nachbarin über mir am Wochenende ihre Schnitzel klopfte, wackelten bei mir immer sämtliche Möbel. Nach sieben Uhr konnte ich nicht mehr schlafen, weil sie so einen Lärm machte. Dazu kam noch das Klirren des Bestecks auf der Tischplatte. „Meine Güte, legen Sie doch einfach ein Handtuch unter das Brett oder nehmen Sie es auf die Knie, damit es nicht so laut ist“, riet ihr Danuta.

Doch es half alles nichts. Also reichten die Nachbarn eine Beschwerde ein, und die Frau erhielt eine schriftliche Mahnung von der Wohnungsgenossenschaft.

Und wie vermeidet Danuta unnötigen Lärm?

„Nach 22 Uhr lasse ich kein Wasser mehr in die Badewanne laufen, weil das einen schrecklichen Lärm macht. Man hört es im ganzen Wohnblock. Ich möchte nicht, dass die Kinder in den Wohnungen unter mir davon aufwachen. Die Toilette? Na, die Toilette spülen kann man schon“, sagt sie zum Abschluss.

Rauch in den Augen der Nachbarn

Lärmbelästigung durch Nachbarn ist ein heikles Thema in Deutschland. Davon kann ich mich selbst überzeugen, als ich mir die Kommentare in polnischsprachigen und ausländischen Internetforen ansehe. Die meisten Einträge stammen von Ausländern, die mit dem Ruhebedürfnis der Deutschen bisher nicht vertraut waren. Zumindest, solange sie dieses nicht am eigenen Leib zu spüren bekamen.

Der in Spanien geborene José, der sieben Jahre lang im hessischen Wetzlar lebte, gab nach einem jahrelangen Kleinkrieg mit seinem Nachbarn, der sich davon gestört fühlte, dass José nach 22 Uhr sein Liegesofa aufklappte, schließlich auf und zog in das kleinere Asslar. Heute weiß er, dass er, wenn er einen Grillabend mit Freunden veranstaltet, unbedingt darauf achten muss, dass der Rauch nicht zu den Nachbarn zieht und dass es bloß nicht zu laut wird.

„Früher hätte ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Aber nachdem ich jetzt insgesamt neun Jahre in Deutschland gelebt habe, gebe ich meinen Nachbarn im Voraus Bescheid, wenn ich einen Grillabend plane, damit sie ihre Fenster rechtzeitig schließen können“, sagt er.
Der in Spanien geborene José, der sieben Jahre lang im hessischen Wetzlar lebte, gab nach einem jahrelangen Kleinkrieg mit seinem Nachbarn, der sich davon gestört fühlte, dass Jose nach 22 Uhr sein Liegesofa aufklappte, schließlich auf und zog in das kleinere Asslar. Der in Spanien geborene José, der sieben Jahre lang im hessischen Wetzlar lebte, gab nach einem jahrelangen Kleinkrieg mit seinem Nachbarn, der sich davon gestört fühlte, dass Jose nach 22 Uhr sein Liegesofa aufklappte, schließlich auf und zog in das kleinere Asslar. | Foto: Pexels Als ich ihm von der Entscheidung eines Kölner Gerichts erzähle, dass Hunde nicht länger als 30 Minuten täglich und nicht länger als 10 Minuten ununterbrochen bellen dürfen (ansonsten müssen sie auf Kosten des Besitzers ein Hundetraining absolvieren), und Papageien nur zwei Stunden am Tag krächzen dürfen (andernfalls muss der Besitzer dem Nachbarn eine Entschädigung zahlen), wundert sich José nicht besonders.

„Die deutschen Gerichte verhandeln jedes Jahr Tausende von Nachbarschaftsstreitigkeiten. Manche davon klingen wie ein Witz, zum Beispiel, wenn sich jemand darüber beschwert, dass die Frösche im Teich des Nachbarn zu laut quaken“, sagt José. „Deine Freunde kannst du dir aussuchen, deine Nachbarn nicht. Das ist reine Glückssache. Es genügt bereits ein missgünstiger Nachbar, um dir das Leben zur Hölle zu machen. Deshalb musst du selbst, wenn du in Deutschland überleben willst, freundlich, entgegenkommend und so leise wie möglich sein“

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