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Best-Practice-Beispiele
Radioluxus in Stockholm

Es gibt wahrscheinlich keine andere Stadt in dieser Welt, in der der Zugang zum Radio so offen ist, wie in Stockholm. Dort stehen dem Bürgerradio vier UKW-Frequenzen zur Verfügung. Wir haben sie in Anspruch genommen, um ein 24-stündiges Radiokunst-Festival zu organisieren, gesendet live aus der Galerie Konsthall C.



In Stockholm stehen dem Bürgerradio vier UKW-Frequenzen zur Verfügung, und jeder nicht-kommerziellen Organisation wird in kürzester Zeit ein Sendeplatz verschafft, wenn sie Radio machen wollen.

Dies erfuhren wir, Sarah Washington und ich, bei unserem ersten Besuch in der schwedischen Hauptstadt im Frühjahr 2013. Die Galerie Konsthall C hatte uns eingeladen, einen Workshop zu geben, wie sich Kunst und Radio verbinden lassen. Nach einer Woche intensiver Arbeit erfolgte die erste Live-Sendung aus den Räumen der Galerie mit einem Dutzend Workshop-Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Da Konsthall C eine kommunal unterstützte und nicht-kommerzielle Organisation ist, bekamen sie daraufhin eine wöchentliche, zweistündige Sendezeit auf einem der stadtweiten UKW-Sender, in der sie dann eigenverantwortlich Kunst, Kultur und politische Themen vereinten.

Die beiden damaligen Kuratorinnen von Konsthall C, Anna Kindgren und Carina Gunnars, dachten allerdings noch weiter und ermöglichten uns einen zweiten Aufenthalt in Stockholm im Herbst des gleichen Jahres. Wir hatten erfahren, dass jeder Gruppierung im Bürgerradio einmal pro Jahr eine ganztägige Spezialsendung zusteht um z.B. über besondere Festivitäten zu berichten. Also buchten wir einen 24-Stunden-Block für eine noch nicht geplante Sondersendung, und eine kurze Nachfrage bei den Verantwortlichen ergab, dass wir nicht nur eine, sondern zwei der vorhandenen UKW-Frequenzen nutzen könnten ‒ es war der Auslöser für das weltweit erste Doppelfrequenzradiokunstfestival.

Plötzlich hatten wir nur einen Monat Zeit, ein Festival zu planen, dass es in dieser Form noch nie gegeben hatte. Was bedeutet es, nicht nur auf einer, sondern auf zwei Frequenzen gleichzeitig zu senden? Da das Programm auf beiden Kanälen unterschiedlich, aber miteinander verwoben sein sollte, ergaben sich ganz neue Anforderungen an das Sendematerial und die Hörerschaft. Idealerweise sollten die Menschen zu Hause zwei Radios mit den beiden Sendern laufen lassen, aber auch wer nur ein Radio hatte sollte trotzdem aktiv teilnehmen können, indem man nach belieben zwischen den Frequenzen hin und her wechselt. Weiterhin wurden alle Hörerinnen und Hörer eingeladen zur Galerie zu kommen und live mit dabei zu sein.

Wir fragten unsere eigenen Netzwerke und alle Künstlerinnen und Künstler, die wir in der Stadt trafen nach Ideen für mehrkanaliges Radio. Nach etwas anfänglicher Skepsis entstand dann am Ende ein 24-stündiges Radiokunst-Festival, das komplett aus neuen Arbeiten bestand, die Hälfte davon vorproduziert und die andere Hälfte live aufgeführt in der Galerie. Das Festival bekam den Namen DUBBELRADIO und ist im oben gezeigten Video dokumentiert.

Das Video verbindet kurze Ausschnitte aller Live-Performances, wobei die linke und rechte Tonspur die beiden UKW-Frequenzen nachbildet. Die eingeblendeten Uhrzeiten geben einen Einblick in die Dramaturgie der 24 Stunden. Ein Verständnis der verschiedenen benutzen Sprachen ist nicht unbedingt notwendig, die Stimmen selbst sind Musik.

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