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Aleksander Moś
Du gewinnst keine Partner per E-Mail

Aleksander Moś
Aleksander Moś | Foto © Szymon Moś

Ein Interview mit Aleksander Moś, der als Kulturmanager in Katowice tätig ist und das Projekt einer Klangkarte von Siemanowice entwickelt hat, das wir im Rahmen der „Ortsgespräche“ realisieren wollen.

Artur Celiński: Ich würde gerne mit dir über die Realisierung von Projekten sprechen. Erzähl mir doch bitte etwas darüber, wie du deine Ideen in Projekte und konkrete Maßnahmen umwandelst. Was ist für dich dabei wichtig?
 
Aleksander Moś: Das Wichtigste ist das künstlerische Konzept. Wenn wir das haben, wenn es irgendein zentrales Thema gibt – meistens ist es einfach irgendein Gedanke oder ein Gefühl –, dann sind wir in der Lage, es so umzuarrangieren, dass wir konkrete Maßnahmen planen können: zum Beispiel eine Workshop-Reihe, ein Festival oder einzelne Veranstaltungen.
 
AC: Was benötigst du dazu?
 
AM: Ich fange einmal mit dem wichtigsten Thema an: der Finanzierung. Wenn die Mittel von öffentlichen Einrichtungen oder anderen Organisationen im Kulturbereich bereitgestellt werden, ist es im Grunde ganz einfach. Zumindest muss man nicht groß erklären, warum es Sinn macht, gewisse kulturelle oder künstlerische Aktionen zu unterstützen oder selbst durchzuführen. Schwieriger wird es, wenn wir uns an Privatpersonen oder Firmen wenden, die normalerweise nichts mit Kultur zu tun haben. In diesen Fällen muss man den Leuten zunächst einmal deutlich machen, dass Kulturprojekte nicht nur gesellschaftlich sinnvoll, sondern paradoxerweise auch durchaus werbewirksam sind.
 
AC: Wie überzeugst du solche potenziellen Partner von der Werbewirksamkeit deiner Projekte? Als Menschen, die im Bereich Kultur tätig sind, versuchen wir oft, an die Güte unserer potenziellen Partner zu appellieren und ihnen das Gefühl zu geben, dass wir gemeinsam etwas Gutes tun können.
 
AM: In allen Gesprächen – egal, ob mit öffentlichen Einrichtungen oder mit Privatpersonen – versuche ich, den Menschen klarzumachen, dass Kulturveranstaltungen einfach etwas Tolles sein können. Und dass sie allein schon deswegen ein ungeheures Potenzial haben. Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, bei der Organisation eines Festivals für elektronische Musik mitzuhelfen – eines ziemlich kleinen, alternativen Festivals, das erst zum zweiten Mal stattfand. Doch weil es ein so großes Potenzial hatte, war es möglich, auch große Brauereien und andere Firmen dafür zu interessieren, die mit solchen Veranstaltungen eine bestimmte – mobile, unabhängige und in der Regel junge – Käuferschicht erreichen wollen. Die Besucher des Festivals müssen dabei gar nicht zwangsläufig Konsumenten der beworbenen Marke sein. Marken wie Red Bull oder Coca Cola suchen einfach nach interessanten Gelegenheiten, um ihren „Zielmarkt“ zu erreichen, ihre Produkte zu präsentieren und ein positives Markenimage zu etablieren. Wie ich bereits gesagt habe: Kulturveranstaltungen sind einfach etwas Tolles. Und sie bieten eine gute Gelegenheit zur Zusammenarbeit.
 
AC: Ist dir aufgefallen, wie schnell wir von der Frage nach dem künstlerischen Wert eines Projekts abgekommen sind? Steht dieses ganze Gerede von „Zielmärkten“, „Produkten“ und „Marken“ nicht manchmal im Widerspruch zum eigentlichen Wesen der Kultur? Hast du keine Angst davor, dass deine Kulturprojekte an Authentizität verlieren könnten, wenn du dich mit den Red Bulls dieser Welt einlässt?
 
AM: Ich denke, dass sich diese beiden Welt sehr gut miteinander vereinbaren lassen. Es geht auch gar nichts anders. Mir ist bewusst, dass solche Partner im Kulturbereich nicht immer gern gesehen sind, aber das bedeutet nicht, dass wir nicht die Zusammenarbeit mit ihnen suchen sollten. Ich komme selbst aus der unabhängigen Kulturszene. Ich habe in meiner Tätigkeit mehr als einmal Veranstaltungen organisiert, die einen sehr alternativen Charakter hatten und aus ganz anderen Quellen finanziert wurden. Aber ich merke zunehmend, dass eine Zusammenarbeit mit großen Konzernen nicht zwangsläufig bedeutet, dass man ins feindliche Lager überwechselt. Auch große Konzerne können Partner sein, die mit uns auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Wir können gemeinsam Aufgaben und Ziele formulieren und Verantwortungsbereiche abgrenzen. So eine Kooperation muss die künstlerische oder kulturelle Qualität eines Projekts in keiner Weise schmälern. Es hängt alles davon ab, wie man miteinander zusammenarbeitet.
 
AC: Wie sieht das denn genau aus? Fangen wir einmal von vorne an: Wie gewinnst du einen solchen Partner? Wie formulierst du ein entsprechendes Angebot zur Zusammenarbeit? Was schreibst du da alles hinein?
 
AM: Im Grunde genau das Gleiche, was ich auch einer öffentlichen Einrichtung schreiben würde. Auch wenn ich bei einem privaten Geldgeber selbstverständlich stärker den Nutzen herausstreichen muss, der sich für ihn aus unserer Zusammenarbeit ergibt. Öffentliche Einrichtungen und Kulturinstitutionen benötigen keine ausgedehnten Beschreibungen der potenziellen Effekte, weil sie aus eigener Erfahrung wissen, wie so ein Projekt verläuft und was sie davon erwarten können. Private Geldgeber wollen hingegen genau wissen, wie ein Projekt realisiert wird und wie sie sich selbst dabei einbringen können. Sie wollen die genauen Abläufe kennen – sicherlich auch, weil sie sie gerne zu einem gewissen Grade beeinflussen und ihren eigenen Vorstellungen anpassen würden. Hier besteht tatsächlich eine gewisse Gefahr, dass sich ein Sponsor möglicherweise nicht auf gewisse Dinge einlässt, die ihm zu subversiv oder chaotisch erscheinen. Dabei sind es manchmal gerade diese Dinge, die die Magie eines Projekts ausmachen. Aber wir haben immer selbst die Wahl: Wir müssen nicht mit jedem zusammenarbeiten.
 
AC: Lassen wir einmal die Bedenken hinsichtlich der möglichen Gefahren für die Qualität kultureller Projekte beiseite und beschäftigen wir uns mit den praktischen Aspekten der Gewinnung großer Sponsoren. Welchen Umfang muss ein Angebot zur Zusammenarbeit haben, das du einem solchen potenziellen Partner vorlegst? Gibt es da ein Universalrezept?
 
AM: Das kann man so nicht sagen. Am Besten ist es natürlich, wenn man einem solchen potenziellen Partner persönlich begegnet.
 
AC: Hat du schon einmal erlebt, dass du einem kommerziellen Partner ein Angebot zur Zusammenarbeit geschickt hast und dir auf Anhieb jemand geantwortet hat: „Wunderbar, das finanzieren wir. Bitte geben Sie uns Ihre Kontonummer.“
 
AM: Nein. Ein solcher offizieller Weg hat meiner Ansicht nach keinerlei Aussicht auf Erfolg. Allein schon, weil Tausende von Menschen auf der ganzen Welt genau dieselbe Idee haben, sich an ein großes Unternehmen zu wenden, und ihre Projektvorschläge an dieselben potenziellen Partner schicken. Man sollte also nach Möglichkeit den persönlichen Kontakt suchen.
 
AC: Was muss man also tun, wenn man die „richtigen Leute“ kennenlernen möchte?
 
AM: Persönliche Kontakte bekommt man am ehesten durch andere persönliche Kontakte. Man muss ein funktionierendes Netzwerk aufbauen – die entsprechenden Personen kennenlernen, mit ihnen zusammenarbeiten, ihr Vertrauen gewinnen und „einer von ihnen“ werden.
 
AC: Wie fängt man damit an? Nehmen wir einmal an, ich bin bereits im Kulturbereich tätig und würde gerne mit einem großen Unternehmen zusammenarbeiten? Wo begegne ich den „richtigen Leuten“?
 
AM: Wenn du bereits im Kulturbereich tätig bist, wenn du entsprechende Veranstaltungen oder Projekte realisierst, dann lernst du sie ganz automatisch kennen. Ein berufliches Netzwerk baut man nicht von einem Tag auf den anderen auf. So etwas erfordert viel Engagement und Hingabe.
 
AC: Kann man ein solches Netzwerk aufbauen, wenn zum Beispiel ausschließlich in Siemianowice Śląskie tätig ist?
 
AM: Ich habe mein berufliches Netzwerk während meiner Tätigkeit in Katowice aufgebaut. Eine Woiwodschaftshauptstadt wie Katowice bietet eben doch wesentlich größere Möglichkeiten. Ich bin hier während meiner Tätigkeit aber auch vielen Menschen aus Siemianowice begegnet, die sich gewissermaßen aus Lokalpatriotismus für gewisse Kulturprojekte interessieren.
 
AC: Vergessen wir einmal „Red Bull“ und andere große Konzerne. Ist es deiner Meinung nach leichter, einen Projektpartner oder einen Sponsor aus einer Stadt wie Siemianowice Śląskie zu gewinnen als einen globalen Konzern?
 
AM: Das kann sogar viel schwieriger sein. Ein mittlerer oder kleiner Unternehmer hat eine ganz andere Strategie zur Erwirtschaftung von Gewinnen – und meine ganzen Argumente, dass kulturelle Veranstaltungen etwas Tolles sind und dass man durch sie ein positives Markenimage aufbauen kann, wirken auf ihn möglicherweise wenig überzeugend. Das bedeutet jedoch nicht, dass lokale Unternehmer aus Siemianowice Śląskie keine Kulturprojekte fördern. Man muss nur einmal ein solches Unternehmen besuchen und sich ansehen, wie viele Danksagungen für die Unterstützung entsprechender Projekte dort an den Wänden hängen. Man muss sich in solchen Fällen einfach genau überlegen, welche Projekte und welche möglichen Resultate für einen bestimmten Unternehmer interessant sein könnten.
 
AC: Es ist also auch in diesen Fällen sicherlich sinnvoll, die entsprechenden Personen persönlich kennenzulernen, sich mit ihnen zu unterhalten und selbst festzustellen, mit welchen Argumenten man sie überzeugen kann?
 
AM: Ich habe da kein Universalrezept. Man muss Kooperationsnetzwerke mit Unternehmern aufbauen. Ihnen zeigen, dass Kulturprojekte für Menschen gemacht werden – auch für sie. Es ist aber sicherlich so, dass ein Unternehmer – egal, wie groß sein Unternehmen ist – eher geneigt ist, jemanden kennenzulernen, der nicht nur eine E-Mail-Adresse ist, nebenbei gesagt, nur eine von vielen. Sie müssen sich selbst ein Bild von diesem Menschen machen, sie müssen sein Engagement sehen, bevor sie sich entscheiden, ob sie eine Zusammenarbeit mit ihm eingehen wollen. Es ist immer auch eine Frage der sozialen Verantwortung. Ich denke, dass jeder, der gewisse finanzielle Mittel besitzt und nicht nur auf Teufel komm raus sein Kapital vermehren will, eine solche soziale Verantwortung empfindet. Die Aussicht, einen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung der eigenen Stadt zu leisten, ist so attraktiv, dass sie in ein gemeinsames Handeln münden kann.

 

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Die Reihe „Instrumentarium“ wurde von Artur Celiński im Rahmen des Projekts „Ortsgespräche“ entwickelt. Sie soll die unterschiedlichen Aspekte der Tätigkeit von Kulturmanagern in Polen darstellen.

 

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