ausgezeichnet lyrik
Kerstin Preiwuß

„die hohe Musikalität der Zeilen“

Die Sprache von Kerstin Preiwuß ist kräftig und weltzugewandt, sie selbst bezeichnet sie als Tier in ihrem Mund, aus dem „das meuternde wort“ hervorbricht.

* * *

aalmutter fang an
dann rede ich

ich spreche nicht nützlich
ich sage zum spindelgesicht
dein auge sticht
dreht sich nicht
(...)

* * *

die wölfin trägt mich am nacken durch die welt
immer häng ich von ihr ab
ich beiß mir später in den arm für das gefühl
denk mir das ist ihr rohes geschlecht
wie es sich ums eigene legt
(...)

* * *

wird die unruhe mich nicht erreichen
werde ich still sein dabei
wird es wachsen
wird es mich nach und nach einnehmen
kaum zu fassen
(...)

Kerstin Preiwuß © Jorinde Gersina

Kerstin Preiwuß erzählt

Was machen Sie, wenn das Schreiben stockt?
Dichten gerät ständig ins Stocken: die Gedanken sind noch nicht zu Ende gedacht, das Gedicht hat noch nicht seine Gestalt gewonnen, der Gedichtband kennt seine Richtung noch nicht. Dichten benötigt Zeit, in der die unsichtbare Arbeit am Gedicht die Oberhand gewinnt.
(...)

* * *

ich will was
durch meinen mund flattert
nicht aussprechen
auch nicht anschreien
denn dann ist es in der welt
(...)

Kerstin Preiwuß

Kerstin Preiwuß wurde 1980 in Lübz geboren, einer Kleinstadt in Mecklenburg-Vorpommern. Aufgewachsen ist sie in Plau am See und Rostock. Kerstin Preiwuß ist Prosaautorin und Dichterin. (...)

* * *

bin leer in mir ein gefäß innen
und außen material aus welt
osmose, ausgeschnitten
(...)

Übersetzerin: Agnieszka Walczy

Agnieszka Walczy, geb. in Krakau, Konzertorganistin, Orgelpädagogin, Übersetzerin deutschsprachiger Literatur, Lektorin. Studium an der Akademie für Musik in Katowice (Hauptfach Orgel), Aufbaustudium in Dänemark (Alte Musik und Dänisch) sowie Aufbaustudium für Übersetzer an der Universität Rzeszów (Institut für Germanistik). Übersetzt Belletristik und Sachbücher, am liebsten aber Lyrik (u.a. F. Hebbel, J. Bobrowski, Frazobel, L. Wyss, W. Bleier).

Animation

Idee und Umsetzung: Dudek Pulit

Musik: OniryczneMiastaElektryczne

März 2015
© Goethe-Institut Polen

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