Virtueller Methodenkoffer
Projektziele und Vorgehen

Virtueller Methodenkoffer  - Goethe-Institut Warschau © colourbox.de

Schulunterricht während der Pandemie – digitale Herausforderungen

Weltweit unterrichten Lehrkräfte an Schulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen seit dem Ausbruch der Pandemie ganz oder teilweise online. Für die meisten von ihnen war die Umstellung von Präsenz- auf Onlineunterricht ein Sprung ins kalte Wasser und viele Lehrkräfte sind auf der Suche nach geeigneten Arbeitsformen und Aktivitäten für die Arbeit in ihrer Konferenzsoftware. 
 
Vor allem im Sprachunterricht gilt es, die Teilnehmenden trotz physischer Abwesenheit und technischer Einschränkungen zum sprachlichen Handeln, zur Interaktion mit anderen, mit dem Lernmaterial sowie mit der Lehrkraft und zu einem kooperativen Miteinander zu bringen. Lehrkräfte berichteten, junge Lernende aus der verführerischen Passivität vor dem Bildschirm, oft ohne die Kamera anzuschalten, herauszuführen, sei die größte Herausforderung bei dieser Art von Unterricht.
Zudem muss es für erfolgreichen online-Sprachunterricht gelingen, eine angenehme motivierende Lernatmosphäre in einer virtuellen Gruppe von Schülerinnen und Schülern zu schaffen und dabei spielerische und kooperative, manchmal sogar kompetitive Elementen zu integrieren.

Das Projekt

Das Goethe-Institut Warschau setzte sich mit seinem Projekt „Virtueller Methodenkoffer“ das Ziel, diesem Desiderat zu begegnen und beispielhafte Arbeitsformen zu 11 didaktischen Kategorien für den DaF-Unterricht modellhaft in Online-Unterrichtsmitschnitten darzustellen, um damit die Qualität des digitalen Deutschunterrichts an polnischen Schulen zu optimieren.
Der Begriff „Methoden“ wurde gewählt, weil der Begriff im Polnischen geläufig ist. Es geht dabei selbstverständlich nicht um Methoden des fremdsprachlichen Unterrichts, vielmehr sind Aktivitäten und Arbeitsformen gemeint, die dazu dienen, folgende Aspekte zu ermöglichen: Kennenlernen, Gruppeneinteilen, Einführung in ein Thema, Festigung von Wortschatz und Strukturen, Präsentation von Arbeitsgruppenergebnissen, Evaluation / Feedback, Teilnehmeraktivierung, Förderung von Sprechfertigkeit, Förderung von Lernerautonomie, Interaktionsförderung, Förderung von physischer Bewegung vor dem Bildschirm.

Vorgehen

Oberstes Ziel des Projektes war es, authentische Unterrichtssituationen in polnischer Schulrealität zu zeigen. Dafür wurde ein polenweiter Wettbewerb ausgeschrieben, auf den sich Lehrkräfte des Netzwerkes „Deutsch Plus“ mit ihren Schulklassen bewerben konnten. Zur Bewerbung mussten Unterrichtsentwürfe aus der eigenen Realität eingereicht werden, die die oben stehenden Aspekte umsetzten.
Zur Durchführung des Projektes konnte eine erfahrende Online-Tutorin, Kristin Kropidlowski gewonnen werden. Diese sichtete die Einsendungen und beriet die Lehrkräfte mediendidaktisch und arbeitete die zu zeigenden Sequenzen gemeinsam mit den Lehrkräften aus.
Ausgewählt wurden mit Bedacht Aktivitäten, die nicht auf so genannte web 3.0 Tools durchgeführt wurden, denn diese Angebote dienen oft eher der Überprüfung von Lexik und Strukturen und sie werden individuell durchgeführt und hinterlassen keine Spur für die Lernenden.
Auf die Auswahl folgte ein intensives Coaching und das Ausprobieren der zu zeigenden Aktivität unter Beisein der Fortbildungsexpertin. Nach den Probedurchläufen wurde der tatsächliche Unterricht dann von einem professionellen Filmstudio in Zoom mitgeschnitten, so dass die Tonspur optimiert und die Chatfunktion sichtbar gemacht werden konnte.

Methodisch-didaktischer Schwerpunkt

Entstanden sind nun 35 Aktivitäten, die mittels der Konferenzsoftware Zoom durchführbar sind, aber auf andere Software übertragbar sind. Der Schwerpunkt liegt in den oben genannten Grobzielen der Aktivierung von Lernenden, die zu Hause vor dem Bildschirm sitzen.
Diese Ausschnitte geben also keinesfalls eine gesamte Unterrichtseinheit wider, deshalb sind Phasen der Ergebnissicherung, des Notierens von Inhalten, der schriftlichen Produktion und der phonetischen oder strukturellen Korrektur nicht mit aufgenommen worden.

Dank

An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei allen Schulklassen und ihren Deutschlehrkräften bedanken, die den Mut hatten, sich zu beteiligen.
Besonderer Dank gilt Kristin Kropidlowski und Justyna Ciecharowska, die das Projekt für das Goethe-Institut betreute.
Kristin Kropidlowski arbeitet freiberuflich als Fortbildnerin und Online-Tutorin für das Goethe-Institut. Sie war Referentin der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ in Vietnam und betreute zuletzt als Education Specialist im Rahmen der Bildungskooperation Deutsch in Malaysia ein  Netzwerk von rund 80 Schulen,  ca. 100 Lehrer*innen und fast 10.000 Schüler*innen. Ihre Fortbildungsexpertise liegt in den Bereichen  Methodik-Didaktik, Digitale Medien, der Förderung von Lernerautonomie und Umweltbildung. Im August 2020 wurde sie für den Preis „Tutorin des Jahres 2021“ des Forums DistancE-Learning nominiert.

 
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