Isabel Leila Gütlein, bekannt als Gündalein aus München, hat sich in den letzten Jahren als eine ganz ausgezeichnete neue Stimme in der deutschen Musikszene etabliert. Sie hat sich bewusst Zeit gelassen mit der Veröffentlichung ihres ersten Albums Always Crazy, ein stilsicheres Amalgam aus Old-School Rap, Trap und Soul. Genau wie sie musikalisch den Blick nach vorne richtet, ohne der Vergangenheit den Rücken zu kehren, geht es auf dem Album um aktuelle Themen wie Empowerment und die politischen Umstände dieser Tage, aber auch um ihre persönliche Entwicklung vom schüchternen Mädchen zur selbstbewussten Frau, die sie eindrucksvoll in der Lead-Single zum Album, dem vertonten Brief an das jüngere Ich, Dear Isabel, beschreibt, oder in dem an ihre Mutter gerichteten Track Mary Sharon.
Die Berliner bildende- und Klangkünstlerin Rosa Anschütz hat im November 2025 ihr viertes Album Sabbatical veröffentlicht, ein dunkles, nachdenkliches und introspektives Werk, in dessen inhaltlichem Vordergrund der Versuch eines persönlichen Heilungsprozesses, dem Befreien von Überforderungen und Überwinden von Stresssituationen steht. Die zurückgenommene Stimme ganz in den Vordergrund gemischt, begleitet von verwischten Gitarren und Synthesizer-Tupfern, die sich in den Tiefen unendlicher Hallen zu verlieren scheinen, werden Erinnerungen an den Gothic-Pop der Achtzigerjahre, oder Artpop der Neunzigerjahre wach. Eingespielt hat sie alle Synthesizer, Gitarren und Bässe selbst, nur beim Schlagzeug war ein weiterer Musiker beteiligt. Der Albumtitel spielt auf die temporäre Aussetzung vom kapitalistischen Spektakel an, die für die Entstehung des Albums wichtig war. In diesem Sinne ist es ein positives Werk, abschließendes ein Resümee für einen gewissen Neubeginn.
Einer der profiliertesten DJs der deutschen Elektronikszene ist Dominik Eulberg, musikbesessener Ornithologe und Naturliebhaber aus dem Westerwald. Seine minimalistischen, ausufernden Tracks versuchen die Erfahrungen aus der Natur klanglich umzusetzen. Auf Lepidoptera, seinem gerade erschienenen neuen Album, dem siebten, ist die „Ordnung“ der Schmetterlinge das Thema. Ob Schwalbenschwanz, Trauermantel oder Wundklee, Eulberg widmet zwölf der 3700 in Deutschland beheimateten, oft kurios benannten Schmetterlingsarten einen Track. Dieses strenge, inhaltliche wie musikalische Fokussieren ist das Geheimrezept seiner Arbeiten, denn die Möglichkeiten des Musizierens, so Eulberg, sind so endlos, dass man ansonsten Gefahr läufe, sich in ihnen zu verlieren. In wie für ihn typischen längeren, sich in ruhigen Schleifen aufbauenden Tracks, verpuppt in puliserendem Techno, groß aufgezogenen Ambient-Räumen und orchestralem Hochmut, zeigt er sich als Botschafter der Natur. Die verschiedenen Entwicklungsstadien der schönen Insekten waren Ideengeber für die Kompositionen, in deren Vorbereitung er die Spezies eingehend studiert hat. Überhaupt ist er sozusagen nebenberuflich in verschiedenen Naturprojekten engagiert, und die Promotion für die Veröffentlichung des Albums wird keine übliche Clubtour, sondern eine Reihe von wissenschaftlichen Workshops und Talks in Umweltzentren, immer begleitet von Musik.
Die Kölner House DJ, Filmemacherin und Produzentin Viola Klein hat auf ihrem ersten Album für das belgische Label Meakusma ihr bereits in den letzten Jahren entwickelte Konzept der Verschmelzung von sparsamem House-Sound und senegalesischer Percussion verfeinert. So wie ihre 'Bring Your Ass'-Parties in Köln eine Zelebrierung reflektierter Housemusik sind, untersucht sie in ihren tiefgründigen Tracks die dieser Musik innewohnende soziale Wucht; tanzend, trommelnd, interkulturell und multiperspektivisch. Ihre Erfahrung mit Musiktheorie und ihre Arbeit im Filmschnitt helfen dabei, die geringen Einsatzmittel präzise und effektvoll einzusetzen.
Das Berliner Duo Donna Regina, bestehend aus dem Ehepaar Regina und Günther Janssen, haben kürzlich auf dem Kölner Label Karaoke Kalk ihr zehntes Album Lilac veröffentlicht. Die Sammlung aus elf entrückten Indiepop-Perlen ist kunstvoll arrangiert. Es ist ein poetisches Album voller Details, dessen lyrische Eloquenz sich in einem äußerst charmanten Arrangement bettet: Das zarte Geflecht aus diversen Tasteninstrumenten und Gitarren, elektronischer Percussion und dem verträumten Gesang von Regina Janssen erzeugt eine oberflächliche Leichtigkeit, hinter der sich eine liebevolle Hommage an die wundersamen Eigenschaften des urbanen Lebens verbirgt, das „so viele Menschen unter einem Himmel vereint“ (Regina).