Mit Musik von:
Sex Pistols | Universal Music GroupDie Goldenen Zitronen | Weser Label
Slime | Aggressive Punk Produktionen
DAF | Virgin Records
Male | Tapete Records
Die Toten Hosen | Totenkopf Label
Hans-A-Plast | Tapete Records
Cava | Buback
Team Scheisse | SoulForce Records
Deutsche Laichen | Pretty on the Inside
Ulrich Gutmair, Schorsch Kamerun,
Rudi Esch& Jäki „Eldorado“ Hildisch
Autorin und Sprecherin (Deutsch): Angie Portmann Es ist das Jahr des Punk, vielmehr der 50. Jahrestag seiner angenommenen Geburtsstunde, historisch durchaus begründbar auf das Jahr 1976 festgelegt. Das hat das Goethe-Institut in diesem Jahr ausgiebig gefeiert – mit dem Projekt Alle Gegen Alles – Punk@50, mit Ausstellungen, Talks, einer Tournee der Berliner Band Cava, einer Filmreihe auf Goethe on Demand, einer „Gegenüber“-Themenausgabe und jetzt mit dem Punkcast, der November-Ausgabe des Popcasts, in der wir anhand wichtiger Bands und in Interviews mit Punks der ersten Stunde die Geschichte des deutschen Punk von den späten Siebzigerjahren bis heute nachzuzeichnen versuchen. Die ersten Zeichen einer eigenständigen deutschen Punkszene tauchten parallel zur weltweiten Punkbewegung Mitte der Siebzigerjahre im Umfeld der Düsseldorfer Kneipe Ratinger Hof auf. So waren die heute als „erste deutsche Punkband“ bezeichneten Male, gegründet im Jahr 1977 in dieser leicht heruntergekommenen und sonst total unscheinbaren Kaschemme, eines der ersten Zeichen, dass sich hier etwas ganz Besonderes zusammenbraute.
Eine kompromisslose politische Haltung
Parallel entstand in der als weltoffen bekannten Hafenstadt Hamburg eine radikale politische Spielart des Punk, eine sogenannte ‘zweite Welle’, musikalisch rau und kompromisslos, mit leichtem Hardrock-Feeling und vor allem ganz klar politischer Positionierung. Gruppen wie Abwärts und Slime waren die ersten, die der neuen Subkultur eine noch deutlichere politische Dimension verliehen, die Unzufriedenheit und Desillusionierung der Punks zum zentralen Motiv machten. Zeitgleich hatten Szenekenner wie der Journalist Alfred Hilsberg, aber auch einzelne Bands, wie die erwähnten Hans-A-Plast damit begonnen, durch Gründung von kleinen, lokalen Labels ein Netzwerk von kleinen, selbstverwalteten Plattenfirmen aufzubauen, das erheblich dazu beitrug, die Unabhängigkeit der Bewegung zu sichern. Auch Massenmedien brauchte es zunächst nicht: ein landesweites, dichtes Netz von buchstäblich Hunderten von Fanzines resonierte bis in die kleinsten Ecken der Republik mit der subversiven Energie der jungen Bewegung.Aber auch kommerziell gewann Punk an Bedeutung. Bands wie Die Toten Hosen, die Ärzte und Die Goldenen Zitronen, die ab Mitte der 1980er-Jahre mit spaßigen Namen und energischem Sound auf den Plan traten, konnten auch im Mainstream punkten. Und während die einen, wie die Goldenen Zitronen, sich in Richtung Kunst und politischem Aktivismus weiterentwickelten, wurden die Hosen und die Ärzte zu überregionalen Stars, die Stadien füllten, aber dennoch den Punk-Spirit nie ganz ablegten. Dieser Spirit hat die Zeit überlebt, und findet sich heute in einer Zahl interessanter junger Bands wieder, bei denen der Inhalt über die Form regiert: Musikalisch vielseitig, mal eher rockig, mal ganz simpel im altbekannten Drei-Akkorde-Gewand, mal stiller, poetischer oder sogar akustisch, zeichnen sich Bands wie Cava, Deutsche Laichen, Team Scheisse, Pogendroblem und unzählige andere in erster Linie durch eine kompromisslose politische Haltung aus. Und so markiert der 50. Jahrestag der Geburt des Punk auch in Deutschland einen Meilenstein einer Subkultur, deren kulturelle Strahlkraft und politische Relevanz unschätzbar war und es immer noch ist.
November 2026