Ich bin in Vegas, es riecht nach nichts und die Stadt leuchtet mir die Augen aus.
Ich bin in Vegas, schreibe ich einer Freundin.Wie riecht es, fragt sie. Ich rieche. Nichts. Es wird die gesamten vier Tage nach nichts riechen.
Ich habe mal von einem guten Freund eine Postkarte bekommen.
Er schrieb: „Sie haben eine Stadt in die Wüste gebaut. Es gibt Casinos, es gibt nackte Frauen, es gibt Berge, die du nur von Aussichtstürmen sehen kannst.
Für die Aussicht musst du zahlen, die Titten gibt es quasi umsonst.“
Ich sage zu Mücahit: Sie haben eine Stadt in die Wüste gebaut, they shouldn’t have.
Ich bin in Vegas und kann nicht lüften. Ich untersuche den Rahmen des Fensters, aber es ist screwed shut, no way out. Ich halte die Tür auf, stelle einen Stuhl davor, aber er ist so schwer, ich muss die Tür mit meinem Fuß aufhalten. Eine Person kommt vorbei.
What are you doing?
I’m letting the air in.
You know you have two aircons in there, right?
Right. I know. But I hate them.
Die Frühstücksportion ist mir zu groß, ich will den Rest mitnehmen. Sie geben mir eine dünne Plastiktüte, auf der mehrmals hintereinander „Thank you“ in roter Schrift geschrieben steht. Ich kenne diese Tüten aus den Filmen, Serien, Bildern, Referenzen. Ich freue mich.
Nach zwei Tage schmeiße ich die Tüte weg. Ich habe genug Plastik gesehen.
Ich bin in Vegas und wenn ich aus dem Bett aufstehen will, dann muss ich mich hinunterfallen lassen. Das Bett ist höher als meine Hüfte. Die Decke so dünn wie mein kleiner Finger.
Sie haben eine Stadt in die Wüste gebaut, und genau so fühlt es sich an: falsch. Alles ist künstlich. Alles ist eine Kulisse. Und jeder Satz, den ich darüber schreiben will, ist ein Klischee. I guess you had to be there.
Ich bin in Vegas und meine Pupillen sind immer zusammengezogen, hier gibt es keine großen Pupillen, die Lichter sind immer da, taghell und am Blinken, mein Jetlag wird nicht besser, sondern jede Nacht schlimmer.
Ich verliere 8 Dollar in Las Vegas. Ich verliere meine Hotelzimmerkarte in Las Vegas. Ich verliere meinen Verstand in Las Vegas.
Eine Frau hat 3.800 Dollar an einer Slotmaschine gewonnen. Aber sie hatte auch 400 Dollar investiert.
Where are you guys from?
Germany.
Oh, I have a friend, he lives in Antwerpen, and that’s really interesting with Germany.
You mean he goes to Germany? To visit?
No, it’s just that it‘s interesting.
Wir nicken.
Ich bin in Vegas, und es ist so laut, dass ich nicht mehr atmen kann.
Der suggerierte Nachthimmel am Markusplatz im ersten Stock des Venetia erleichtert mich. Endlich ist ein warmes Licht. Es riecht das erste Mal nach etwas. Es ist das Chlor aus dem Replikakanal.