Botschafter

Vydas Dolinskas, Leiter des Nationalmuseums Palast der Großfürsten von Litauen

Vydas Dolinskas Foto: M. Požerskytė Meinen ersten Kontakt mit Deutsch hatte ich in der Schule. Ich hatte gute Deutschlehrer, so dass ich mit guten Grundlagen an die Universität Vilnius kam. An der Universität haben wir immer gescherzt, dass wir Deutsch und nicht Geschichte studieren, weil wir anspruchsvolle Dozenten hatten. 
Gedichte in der Originalsprache von Literaturgenies wie Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller und Heinrich Heine und Weihnachtslieder sind ein Genuss für die Ohren und ein reines Vergnügen. Die Werke von Denkern wie Karl Rahner und Joseph Ratzinger sind von unschätzbarem Wert, und nur wenige Übersetzungen können das Wesentliche genau wiedergeben oder das Vergnügen ersetzen, die Wendungen des Denkens in der Originalsprache zu erfassen.
Die deutsche Sprache ist bei der Suche nach einer mitteleuropäischen Identität besonders wichtig. Aufgrund von historischen Gegebenheiten hatte die Sprache im Mittelalter und darüber hinaus eine besondere Stellung und Rolle in der Region. Bis zum 16. Jahrhundert war es in Prag oder Krakau einfacher, sich auf Deutsch zu verständigen als in den lokalen Sprachen. Auch in Vilnius waren bis zum Ende des 18. Jahrhunderts viele Handwerker deutscher Herkunft. Für Historiker und Kunsthistoriker in Mitteleuropa ist die deutsche Sprache daher unverzichtbar. Sowohl die Quellen als auch die überlieferte Geschichtsschreibung sind sehr häufig in deutscher Sprache verfasst.
Ich fühle mich immer zu Hause, wenn ich in deutschsprachige, katholische Länder reise – alles ist vertraut, und die deutsche Sprache verstärkt dieses Heimatgefühl noch mehr.
Mir persönlich hat die deutsche Sprache den Weg zu einem Auslandsstudium geebnet: Ich habe an der Paris-Lodron-Universität Salzburg und an der Freien Universität Berlin studiert und meine Kenntnisse im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin vertieft. Die Methodik meiner geschichtlichen und architekturgeschichtlichen Forschung, eine bestimmte Präsentationsart, die Abfassung von Vorlesungen und Vorträgen, sogar die Art der Arbeitsorganisation wurden durch die deutsche Sprache und das Studium an deutschen oder österreichischen Universitäten geprägt. 
Aus den Freundschaften und der direkten Kommunikation mit Museumskolleg*innen in Deutschland entwickelten sich gemeinsame Projekte. So zeigte das Nationalmuseum des Großherzogtums Litauen im Jahr 2018 eine Ausstellung der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden von epochaler Bedeutung, in der Werke gezeigt wurden, hochbedeutend nicht nur für Litauen, sondern auch für Sachsen, Polen und andere Nachbarstaaten.

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