Foto: Kai Wiedenhöfer

    100 Jahre Erster Weltkrieg

    Über Fikrun

    Fikrun wa Fann war eine von 1963 bis 2016 vom Goethe-Institut herausgegebene Kulturzeitschrift, die den kulturellen Austausch zwischen Deutschland und den islamisch geprägten Ländern gefördert und mitgestaltet hat. Mit dem Erscheinen der letzten Ausgabe „Flucht und Vertreibung“ (Heft 105) im Herbst 2016 wurde auch die Pflege und Aktualisierung dieses Online-Portals eingestellt.

    Geschichte und Geschichten
    Vom Ende des Osmanischen Reichs bis zur türkischen Republik

    Geschichte ist niemals nur Vergangenheit. Sie lenkt uns und unsere Gegenwart in vielfältiger Weise. Und zugleich können wir nicht verstehen, was damals, warum und wie geschah, wenn wir auf die Geschichte nur aus der Perspektive der Gegenwart schauen. Das gilt besonders für den Gegensatz zwischen dem Osmanischen Reich und der modernen Türkei.

    Das, was Geschichte so interessant macht, ist nicht zuletzt das Böse. Der Mensch, der imstande ist, einem anderen unendliches Leid zuzufügen. Zugleich ist das Sprechen über das eigene Böse Hemmnissen unterworfen. Ruhm und Ehre der Nation stehen auf dem Spiel. Viel zu schnell wird dabei das Böse der Anderen zur Projektionsfläche, die alles andere überstrahlt.

    Es entsteht ein Knäuel aus Selbst- und Fremdzuschreibungen, die nicht mehr aufzudröseln sind. In einem solchen Knäuel steckt die Zerfallsphase des Osmanischen Reiches und die Gründungsphase der Türkischen Republik bis heute, verknotet und codiert durch Mythen, in denen sich die Biographien einzelner Menschen auflösen. Nationale Geschichtsschreibung überdeckt alles und lässt keinen Raum mehr für die Schicksale Einzelner.

    Der Ruf nach Freiheit

    1908 ging ein schallender Freiheitsruf durch das Osmanische Reich. Vor allem in Thessaloniki, dem geistigen Zentrum der osmanischen Modernisierung, einer zu je einem Drittel von Muslimen, Juden und Griechen bewohnten Stadt, hatten sich reformatorische und emanzipatorische Strömungen gebildet, die die konstitutionelle Monarchie zurückforderten, die der Alleinherrscher Sultan Abdülhamid drei Jahrzehnte zuvor außer Kraft gesetzt hatte.

    Keine Frage: Das Osmanische Reich war in Bedrängnis geraten. Die europäischen Großmächte hatten sich längst positioniert und hatten ihre Ansprüche angemeldet. Sie warteten ungeduldig auf die Verteilung des Kuchens. Das autoritäre Regime des Sultans Abdülhamid, dem wohl ersten panislamischen Potentaten der Moderne, wankte und zerfiel schließlich, ohne dass das Vielvölkerreich sofort auseinanderbrach.

    Die Jahre 1908 und das Jahr der Revolution bis 1911 sind für die Beziehungen der Völker im Osmanischen Reich von immenser Bedeutung. Umso mehr überrascht es, dass es wenig Literatur darüber gibt. Während der Völkermord an den Armeniern inzwischen in zahlreichen Abhandlungen, Filmen und Dokumentationen immer wieder in unser Gedächtnis gerufen wird und diese Arbeiten inzwischen die Leugnung dieses schrecklichen Kapitels der osmanischen Geschichte erheblich erschweren, bleibt die Frage, wie es dazu kommen konnte, im Dunkeln. Im Dunkeln bleibt aber auch das Schicksal anderer Völker auf dem Territorium der heutigen Türkei, namentlich das der Süryanis – einer Bevölkerungsgruppe syrisch-orthodoxen Glaubens –, das der Griechen Anatoliens, das der Juden, das der kaukasischen Völker, das der Kurden alevitischer und sunnitischer Prägung, und nicht zuletzt das der Vertriebenen der Balkankriege, vertreten vor allem durch muslimische Mazedonier, Bosniaken und Albaner oder Juden aus Thessaloniki.

    Wer galt als Türke?

    Das Osmanische Reich war ein Vielvölkerstaat, die Türkische Republik ist es auch. Erstere scheiterte daran, die dann entstandene Republik hingegen imaginierte sich als homogener Nationalstaat, in dem 99 Prozent der Bevölkerung als Türken definiert wurden, weil sie Muslime waren. Die moderne Türkei, immer stolz auf ihren in der islamischen Welt einmaligen Laizismus, hatte in ihrer Geburtsstunde ausgerechnet die Religion zur Grundlage der türkischen Identität gemacht. Die Folgen dieses bizarren Widerspruchs sind bis heute nicht aufgearbeitet. Weil sie Muslime waren, mussten Kurden sich zum Türkentum bekennen, erst seit wenigen Jahren läuft ein mühsamer Anerkennungsprozess der kurdischen Identität in der Türkei.

    Aber auch Christen hatten unter der Neudefinition des Türkentums unter dem Schirm der Religion zu leiden. Als nach dem Befreiungskrieg in Anatolien 1922 ein Abkommen über einen Bevölkerungsaustausch zwischen der Türkei und Griechenland geschlossen wurde (was nichts anderes bedeutete als die Vertreibung von 1,5 Millionen Menschen griechisch-orthodoxen Glaubens aus Anatolien und von etwa einer halben Million Menschen muslimischen Glaubens aus Griechenland) waren unter den vermeintlichen ,Griechen' nicht wenige, die kein Wort Griechisch sprachen. Es handelte sich um christianisierte Turkstämme aus Zentralanatolien.

    Schon diese wenigen, bizarr anmutenden, für die betroffenen Menschen mit endlosem Leid verbundenen Beispiele aus dem vergangenen Jahrhundert machen deutlich, dass die türkische Geschichte nicht nur den Türken gehört. Denn mit den aus einem Territorium vertriebenen Menschen endet und verlischt ihre Geschichte ja nicht. Sondern sie wird zur Vergangenheit, die sich nicht mehr fortschreiben kann. Welchen Platz nimmt diese Geschichte, die sich nicht mehr fortschreibt, im kollektiven Gedächtnis ein? Die Konstruktion eines kollektiven Gedächtnisses als nationales Projekt, das immer ein Wir gegen Andere setzt, arbeitet mit den Mechanismen der Verdrängung.

    Nicht so sehr die historischen Ereignisse stehen dabei im Mittelpunkt, sondern der Raum, den sie im Gedächtnis einnehmen. Das Gedächtnis ist ein umstrittenes, Identität bildendes Medium, das Gemeinschaften bilden und zerfallen lassen kann.

    Ich schreibe keine historischen Romane. Daher stehen in meinen Büchern nicht so sehr historische Ereignisse im Vordergrund. Sie bilden, wenn überhaupt, eher einen Hintergrund für Erinnerungsbrüche, Gedächtnislücken, aber auch Konstruktionen, gefestigte, ja oft unantastbare Gerüste, an denen nationale Erinnerungsmonumente aufgestellt werden. In meinen Büchern erzähle ich Geschichten, die davon handeln, wie Spuren der Verdrängung sich in den Konstruktionen nationaler Identität ablagern und wie diese Ablagerungen sich in Familiengeschichten, in Einzelschicksalen oft schmerzhaft, ja traumatisch, manchmal aber auch nur in einer grotesken Form bemerkbar machen.

    Ein Beweggrund für diese Vorgehensweise ist meine eigene Familiengeschichte. Über die Rolle meiner Großväter im Ersten Weltkrieg erfuhr ich in meiner Familie wenig. Ein Onkel meiner Mutter, ein Hauptmann der Kavallerie, war im Winter 1914/15 in den kaukasischen Bergen gefallen. Mein Großvater war vom Kriegsdienst befreit, weil er der einzige überlebende Sohn in seiner Familie war. Aus Batumi, heute in Georgien, war die Familie einst gekommen, als Flüchtlinge nach der russischen Besetzung 1878. Dem Ersten Weltkrieg waren ja der große Russisch-Türkische Krieg 1877 und der Krieg auf dem Balkan 1912/13 vorausgegangen, zwei für das Osmanische Reich aber auch für die Völker im Kaukasus und auf dem Balkan in vielerlei Hinsicht verlustreiche und traumatische Kriege. Schätzungsweise eine Million Muslime wurden damals vom Balkan vertrieben, etwa 300 000 verloren bei Gräueltaten ihr Leben. In der Imagination der europäischen Völker haben diese Ereignisse kaum einen Platz gefunden. Die deutschen und englischen Zeitungen aus jener Zeit sind aber trotzdem voll mit der Schilderung der dramatischen Ereignisse gewesen.

    Die Geschichte der Armenier

    In vielen türkischen Familiengeschichten gibt es den Balkan und den Kaukasus wie einen erloschenen Hintergrund. Ein Mantel des Vergessens wird über Flucht und Vertreibung gelegt. Dieser Mantel des Vergessens legt sich dann auch auf die Ereignisse, die zu der armenischen Katastrophe in Anatolien geführt haben.

    Vor wenigen Jahren traf ich in Istanbul einen Freund, der sich intensiv mit den Jungtürken beschäftigt hat. Mütterlicherseits hat er armenische Vorfahren, die bis auf seine Urgroßmutter alle bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind. In der Familie aber wird diese Herkunft bis heute nicht nur verschwiegen, sie wird auch geleugnet. So ist auch mein Freund ein überzeugter Verfechter türkischer Thesen, was die Ereignisse von 1915 in Anatolien angeht. Kriegsbedingte Umsiedlung, schlecht organisiert, aber keineswegs ein geplanter Völkermord. Nirgends ließe sich ein Dokument finden, das eine solche Absicht belegt. Vor allem die armenische Diaspora würde die Ereignisse politisieren und verfolge damit alle möglichen Ziele, nur nicht jenes Ziel, das allein legitim wäre, nämlich aufzuklären, was damals wirklich geschah und warum.

    Dann überreicht er mir ein Buch, mit der Bemerkung, dass es sich um eine Pflichtlektüre handele für jeden, der sich mit diesem Thema beschäftigt. Es ist die türkische Übersetzung von The Armenian Massacres in Ottoman Turkey – A Disputed Genocide von Guenther Lewy.

    Ich kenne dieses Buch, sage ich, ich habe das amerikanische Original gelesen. Ich weiß, dass der Autor ein renommierter amerikanischer Historiker ist, der nicht von der Türkei bezahlt worden ist, um dieses Buch zu schreiben. Aber die Frage, ob die Ereignisse von 1915 als Völkermord bezeichnet werden sollten oder nicht, interessiere mich nur nachrangig. Mich interessiert die Frage, was diese Ereignisse aus uns gemacht haben, aus unseren Großeltern, aus unseren Eltern, aus dir und mir, mich interessieren all die verdrängten persönlichen Erfahrungen. Ich habe nicht das Gefühl, dass mein Freund mir zuhört. Vielmehr ist er mit der Identität des Verfassers beschäftigt. Ein Jude, sagt er. Es gehört doch viel Mut dazu, ein solches Buch zu schreiben, das gegen den Strich der herrschenden Meinung geht und auch die Fälschungen und Tricks mancher Historiker so unverblümt offenlegt. Beschämend für uns, wo wir doch so schäbig mit den Juden umgehen in letzter Zeit.

    Was könnte die Vergegenwärtigung von Geschichte besser illustrieren als diese Begegnung, denke ich mir? Unser türkisches Verhältnis zu den Armeniern, die im Falle von mir und meinem Freund Teil der eigenen Familie sind, einer Familie, die nichts davon wissen möchte, in seinem und auch in meinem Fall. Denn sowohl väterlicherseits als auch mütterlicherseits haben Überlebende der Deportationen in unsere Familie eingeheiratet. Freilich nicht als Armenier, sondern als muslimische Türken. Ihre Herkunft ist bis heute ein Familiengeheimnis.

    Ein amerikanischer Historiker deutsch-jüdischer Herkunft, der sich als Wissenschaftler mit dem Schicksal des armenischen Volkes auf anatolischem Boden beschäftigt hat, und die Reaktionen auf seine Arbeit bestätigen lediglich die These meines Freundes, dass Instrumentalisierung und Politisierung des Themas eine historisch wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Thema vernebeln, wenn nicht unmöglich machen. Ein Gefühl der Entlastung auf Seiten meines Freundes und seine Beschämung gegenüber dem jüdischen Volk aufgrund eines nicht gerade israelfreundlichen türkischen Ministerpräsidenten, weil der Autor des Buches doch Jude sei.

    Die Aufgabe des Autors

    Das ist genau der Knäuel, vom dem ich spreche und der mich als Schriftsteller interessiert. Nicht weil ich mir anmaße, diesen Knäuel auflösen zu können. Ich möchte ihn spüren und spüren lassen als Verknotung, als eine Blockade des Denkens, der Gefühle, der Empathie, ohne die kein Gespräch mit dem Anderen möglich ist.

    Es sind diese Alltagsgeschichten und Erfahrungen, die sich für mich als Autor wie ein Fenster in die Innenwelten der Personen öffnen. Ich erkenne dort verworrene, oft in Nebel getauchte, von öffentlichen Diskursen verbogene Lebenswirklichkeiten und Denkwelten. Eine Geschichte kann nur erzählt werden, wenn die Haut auf der Oberfläche, das äußere Erscheinungsbild untergraben wird, wenn jene Schichten im Bewusstsein erscheinen, die unsere Urteile und Vorurteile, unser Denken und Tun bestimmen. Literatur ist zuallererst Innen-Erfahrung. Sie kommuniziert mit einer Sprache, die das stille Selbstgespräch im Kopf einer Person erfasst.

    In Europa gibt es ja fast immer zwei Geburtsstunden für nationale Gemeinschaften, die erste findet auf dem Schlachtfeld statt, die zweite am Konferenztisch. Die eine ist ohne die andere nicht denkbar. Diese Geburtsstunden sind fast immer mit einem Trauerfall verbunden, einer Vertreibung, einem Massenmord. Die Erinnerung und das Verdrängen sind die zwei Seiten einer Medaille.

    In meinem Roman Gefährliche Verwandtschaft habe ich versucht, eine Geschichte zu rekonstruieren, an die man sich nicht mehr erinnerte: Die Verwicklung des Großvaters des Protagonisten in die Vertreibung der Armenier aus Anatolien; der Selbstmord des Großvaters 1936 unter ungeklärten Umständen, im Schatten von Schuld und negierter Verantwortung.

    Die Frage, die mich dabei begleitete, war: Wer spricht, wenn niemand spricht?

    In der Türkei lässt man moderne türkische Geschichte gerne am 23. April 1920 beginnen, jenes Datum, an dem die Nationalversammlung in Ankara zusammentrat, um das von den Siegermächten des Ersten Weltkrieges besetzte Anatolien zu befreien. Die Türkei hatte auch ihren Vertrag von Versailles wie Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg, aber ihr Versailles hieß Sèvres. Der Sultan und die Regierung in Istanbul hatten diesen Vertrag unterzeichnet. Istanbul und Teile Anatoliens wurden besetzt. Offiziere unter der Leitung von Mustafa Kemal Pascha rebellierten und gründeten schließlich nach einem erfolgreichen Befreiungskrieg die heutige Türkische Republik. Ein nationaler Mythos wurde geboren, dem eine kulturelle Umorientierung der Türkei nach Westen hin folgte.

    Doch Anatolien war ja nicht nur türkisch. Die Überführung des Osmanischen Reiches in einen angeblich homogenen Nationalstaat Türkei brachte auch großes Leid mit sich. Vertreibungen, Assimilierungspolitik, Negierung von Geschichte und Identität. Die Ereignisse auf osmanischem Boden, also auf dem Balkan, in Anatolien und auf der arabischen Halbinsel während des Zerfallsprozesses des Reiches, sind so monströs und blutgetränkt, dass die Debatte über die Vertreibung großer Teile der armenischen Bevölkerung, die Debatte über Opferzahlen und Beweggründe mir als Romanautor absolut indiskutabel erscheint. Was gewinnt oder verliert man durch ein Wort ,Völkermord', um das man verbissen streitet, außer die Grenzen der eigenen Gedächtnisgemeinschaft abzustecken?

    Deutsch-türkische Geschichte

    Wie funktioniert aber eine Gedächtnisgemeinschaft, die schon in den Familiengeschichten nur durch Lüge, Fälschung und Verschweigen aufrechterhalten werden kann? In meinem auf Türkisch geschriebenen Roman Alman Terbiyesi („Deutsche Schule“) habe ich versucht, mich anhand der Lebensgeschichte meines Protagonisten „Salih Bey“ dieser komplexen Nationalgeschichte der Türkei anzunähern. Wie funktioniert der Nationalismus psychologisch, wenn er auf traumatischen Erlebnissen aufgebaut wird?

    Salih Bey, geboren 1881, stammt aus Mazedonien, kommt um 1900 als junger osmanischer Offizier nach Berlin, um sich in der kaiserlichen Armee fortbilden zu lassen, verliebt sich in eine deutsche Offizierstochter, heiratet sie, wird deutscher Offizier, nimmt am Ersten Weltkrieg teil, quittiert 1918 den Dienst und wird im Nachkriegsberlin erfolgreicher Kaufmann. Salih Bey ist kaisertreu, versteht sich als deutscher und türkischer Patriot, fotografiert gerne und hilft als Produzent bei der Entstehung des ersten türkischen Spielfilms mit.

    Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg siedelt er mit seiner deutschen Frau Anette nach Istanbul über, eine inzwischen fremde Stadt für ihn. Die Übersiedlung erfolgt auf Drängen seiner Frau, die im Gegensatz zu Salih Bey von Hitlers Regime alarmiert und angewidert ist. Sie ahnt, dass eine große Katastrophe über Deutschland aufzuziehen droht.

    Anette stirbt kurz nach der Umsiedlung und Salih Bey beginnt seine Memoiren aufzuschreiben. Es ist das Jahr 1941, die deutschen Truppen stehen tief in Russland. Sollte man ihnen nicht zu Hilfe eilen? Sind in der Sowjetunion nicht zahllose und zudem noch mit den Türken verwandte Völker, die sich leicht für die deutsche Sache gewinnen ließen?

    Salih Bey fühlt sich in Verantwortung und versucht sich zu engagieren, was aber auf wenig Gegenliebe auf deutscher Seite stößt. Dann kommt Karla, eine Freundin aus den zwanziger Jahren aus Berlin. In verwahrlostem Zustand steht sie vor seiner Tür. Sie ist auf dem Weg nach Palästina. Sie nimmt Salih Bey die letzten Illusionen.

    Nationale Verblendung, Offiziersehre, Patriotismus, Herkunft und Identität gehen in diesem Buch ein komplexes, verworrenes Miteinander ein. Die Fronten verlaufen keineswegs immer klar zwischen den Personen, den Empfindungen, den realen Ereignissen, den Träumen, den Ängsten und den Illusionen.

    Da ist Salih Beys Kindheit auf dem Balkan, seine osmanische Identität, da ist Salih Bey als deutscher Offizier, Salih Bey als muslimischer Ehemann einer deutschen Offizierstochter, Salih Bey als Möchtegern-Agent des Dritten Reiches, Salih Bey, der einer jüdischen Frau hilft, nach Palästina zu kommen, Salih Bey, der vom Deutschen Reich Ausgebürgerte, Salih Bey, der von der türkischen Geheimpolizei Bespitzelte. Ein Leben im Zwanzigsten Jahrhundert, mit mehreren Gesichtern, Pässen, Schicksalen, mit Heimat in Mehrzahl, verloren und gewonnen und immer wieder der Einzelne als ein Missbrauchsopfer, missbraucht von Ideologien, den eigenen Gefühlen, der Sehnsucht nach Zugehörigkeit.

    Der Erste Weltkrieg ist der Dreh- und Angelpunkt vieler Geschichten – und viele davon sind noch gar nicht erzählt worden.

    Zafer Şenocak
    lebt als Autor und Journalist in Berlin. Seine Bücher erscheinen auf Deutsch und auf Türkisch.

    Copyright: Goethe-Institut e. V., Fikrun wa Fann
    November 2013

    Ihre Meinung zu diesem Thema? Schreiben Sie uns!
    Mail Symbolkulturzeitschriften@goethe.de

    Links zum Thema

    Fikrun wa Fann als E-Paper

    Fikrun wa Fann als E-Paper

    Lesen Sie die Jubiläumsausgabe Fikrun
    „100 Jahre Erster Weltkrieg“ auf Ihrem Smartphone, Blackberry oder eReader! Zum Download ...

    Bestellen

    Antragsformular

    Institutionelle Empfänger oder Personen in islamisch geprägten Ländern, die im journalistischen oder kulturellen Bereich aktiv sind, können ein kostenloses Abonnement beziehen.
    Zum Antragsformular ...