Sprache und Gesellschaft

Ehegattennachzug – was bringt das neue Gesetz?

Ein Sprachkurs beim Goethe-Instituts erhöhte die Chancen auf 78 Prozent  Foto: Chris Schmidt © iStockphotoEin Sprachkurs beim Goethe-Instituts erhöhte die Chancen auf 78 Prozent  Foto: Chris Schmidt © iStockphotoIm Sommer 2007 ist das Aufenthaltsrecht in Deutschland geändert worden. Dabei wurden für den Ehegattennachzug einfache Deutschkenntnisse zur Voraussetzung für die Einreise gemacht. Was bedeutet das für die Nachzügler? Eine Bestandsaufnahme.

Sprachkenntnisse als Bedingung zur dauerhaften Einreise – das ist mittlerweile ein europaweiter Trend. Bereits in fünf EU-Ländern gibt es diese Regelung. Speziell für den Ehegattennachzug wird nun verstärkt ein Sprachnachweis verlangt. Holland machte hier 2006 den Anfang, Großbritannien, Frankreich und Österreich zogen nach. In Deutschland wurde ein entsprechendes Gesetz im August 2007 erlassen. Seitdem dürfen Ehepartner und -partnerinnen aus visumspflichtigen Ländern nur noch dann nach Deutschland nachziehen, wenn sie vor der Einreise „einfache Deutschkenntnisse“ nachweisen können.

Im Jahr 2008 haben rund 60.000 Menschen durch die Start-Deutsch-1-Prüfung (SD 1) an einem der Goethe-Institute weltweit diese Kenntnisse nachgewiesen. Gut die Hälfte kam aus den fünf Hauptherkunftsländern: Türkei, Kosovo, Mazedonien, Thailand und Russland. 2008 bestanden 73 Prozent aller, die einen Vorbereitungskurs an einem Goethe-Institut absolviert hatten, die Prüfung, aber nur 54 Prozent derjenigen, die sich außerhalb des Instituts auf die Prüfung vorbereitet hatten. Im Jahr 2009 verbesserten sich die Quoten auf 76 beziehungsweise 59 Prozent.

Interesse an deutschen Sprachkursen wächst

Ehen werden auf eine harte Geduldsprobe gestellt werden, wenn ein Partner lange auf seinen Ehegatten warten muss Foto: Jorge Delgado © iStockphotoDas Goethe-Institut erhielt zusätzliche Mittel vom Europäischen Integrationsfonds durch zwei Projekte im Bereich der „Vorintegrativen Sprachförderung“. So gibt es in der Türkei, in der Region Nordafrika/Nahost und der Subregion Südostasien bereits seit 2008 unter anderem einen intensiven Beratungsservice, Förderunterricht für Lese- und Schreibschwache und die Fortbildung von Lehrkräften. Darüber hinaus wurden in der Türkei sechs zusätzliche Prüfungsstandorte eingerichtet. „Durch die Maßnahmen ist das Interesse an deutschen Sprachkursen im Ausland wieder gewachsen“, weiß Heinrich Stricker, der beim Goethe-Institut für Sprachkurse und Prüfungen im Rahmen des Ehegattennachzugs zuständig ist.

In Deutschland versucht man den Nachzug durch neue Angebote zu erleichtern. So sind alle Informationen über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), über eine Telefon-Hotline und eine Website erhältlich. Die Deutsche Welle (DW) bietet kostenlose Kurse in 30 Sprachen für Einsteiger und Fortgeschrittene an. Der zusammen mit dem Goethe-Institut entwickelte Audiosprachkurs Radio D steht sowohl über DW-Radio als auch als Podcast im Internet zur Verfügung. Bei den ersten Schritten kann der Sprachlernkrimi Mission Berlin helfen.

Auch das Goethe-Institut geht neue Wege, zum Beispiel mit einem Integrationskoffer mit ausgewählten Unterrichtsmaterialien für einen anschaulichen und spielerischen Unterricht, unter anderem mit Kreuzwort-Würfelspielen und Bildergeschichten. Außerdem gibt es eine „Fotokiste“ mit Postern und Postkarten zu den Themen Einkaufen, Gesundheit, Mobilität, Unterricht und Wohnen.

Kaum Probleme mit dem Deutsch-Test

Mit dem Gesetz soll unter anderem die Integration gefördert werden  Foto: Anyka © iStockphoto

Was sagen die Betroffenen? Die meisten hatten kein Problem mit dem Deutsch-Test. So hat sich Emina Nuhanovic (20) aus Bosnien innerhalb von drei Monaten die Basis-Sprachkenntnisse mithilfe von Büchern und dem Internet selbst angeeignet. Sie musste die 100 Euro für die Prüfung allerdings doppelt aufbringen, da sie den mündlichen Teil beim ersten Mal verpatzt hatte. Humera Minhas aus Pakistan besuchte einen siebenwöchigen Intensivkurs beim Goethe-Institut in Karachi, sie bestand den Test auf Anhieb. Beim Audio-Teil hätte sie sich allerdings gewünscht, die Fragen zweimal hören zu dürfen. Für die 30-Jährige war die Prüfung mit einer Geduldsprobe von sechs Monaten verbunden, in der ihr Mann bereits in Deutschland war. Für Arijan Hosoj (26) aus dem Kosovo war der vierwöchige Intensivkurs bei einem privaten Kursanbieter ein finanzieller Kraftakt: „100 Euro für 10 Stunden ist bei uns viel Geld“, erzählt er. Die Prüfung war mit 15 Euro wiederum „relativ günstig“. Artem Zykov (39) aus Moskau, der Deutsch bereits in der Schule gelernt hatte, genügten vier Wochen intensive Vorbereitung im Internet, um den Test zu bestehen.

Dass sich Migranten im Selbststudium das nötige Vokabular aneignen, gibt es häufiger. So ackerte Pedro Salazar (34) aus Venezuela sechs Monate lang täglich drei bis vier Stunden das Buch Living Language – German Kursbuch durch, in dem die deutsche Sprache auf Englisch erklärt wird, sowie online den Curso-de-Aleman. Das Sprechen habe er mit seiner deutschen Frau täglich über Skype geübt. Zwischendurch habe er seine Kenntnisse anhand des Start-Deutsch-1-Simulators bei Goethe.de überprüft.

Berührungsängste überwinden

Unterm Strich bleibt: Habe ich ein Ziel, findet sich ein Weg  Foto: Juanmonino © iStockphoto

Die meisten fanden es gut, dass sie in ihrer Heimat Deutsch lernen mussten, denn es war der erste Kontakt mit einem Land, über das sie vorher kaum etwas wussten. Im Sprachkurs konnten sie mit Landsleuten Fragen klären, in vielen Fällen waren die Dozenten mit beiden Kulturkreisen vertraut. Die so erworbenen Deutschkenntnisse wurden überwiegend positiv bewertet, dem Großteil half es, Berührungs- und Schwellenängste im Alltag zu überwinden.

Die Deutsch-Türkin Elif Topcu (24) aus Oberhausen hat andere Erfahrungen gemacht: „Die Monate der Trennung von meinem Mann waren schlimm. Als ich im Juli 2008 nach der Hochzeit nach Deutschland zurück musste, war er das erste Mal durchgefallen und konnte erst im Dezember nachkommen. Ich arbeitete, um das Geld für den Sprachkurs aufzutreiben. Beim dritten Anlauf hat er es geschafft. Danach konnte er sich allerdings nur vorstellen und sagen, dass er nicht viel versteht.“

Andreas Förster
ist freier Journalist und Autor und lebt in München.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Februar 2010

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