Grenze und Flucht

Mamitschka

© Beta Cinema GmbH
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Regie: Rolf Thiele
BRD 1955


Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wird die Familie Nawratil aus Budweis gewiesen und fängt in einer süddeutschen Kleinstadt ein neues Leben an. Nach einer Zeit im Auffanglager zieht die achtköpfige Familie in eine kümmerliche Unterkunft, da die Armut sie dazu zwingt. Zwischendurch begegnet ihnen noch ein verwaistes afroamerikanisches Besatzungskind und sie nehmen es in die Familie auf. Für den Clan, angeführt durch die resolute Mamitschka und den feinfühligen Tatinek, beginnt ein harter Lebensalltag, doch davon lässt sich die muntere Schar nicht unterkriegen, bis der 11jährige Sohn bei einer Totowette 75.000 Mark gewinnt. Das Leben für die Familie verändert sich von einem Tag auf den Nächsten und jedes Familienmitglied gerät auf die schiefe Bahn, wenn auch jeder auf seine vollkommen eigene Art.

Der Neuanfang einer Vertriebenenfamilie

© Beta Cinema GmbH Der Film Mamitschka erzählt auf spannende Weise den Neuanfang einer Familie, die von heute auf morgen aus ihrer Heimat Böhmen gerissen wurden. Ein weiterer tragischer Punkt in der deutsch-tschechischen Grenzgeschichte. Die Zurückeroberung der Sudetengebiete bedeutete auch das Ende des bikulturellen Zusammenlebens in Böhmen und die erneute Vertreibung Tausender Menschen. Nur die Namen Mamitschka und Tatinek bleiben noch als Erinnerung an die einstige Heimat. Auch zeigt der Film die kulturellen Unterschiede zwischen Sudetendeutschen und Süddeutschen, die man durchaus auf den tschechischen Einfluss zurückführen kann.

"Andersartigkeit" auf beiden Seiten der Grenze

Etwas schablonenartig wird wird in dem Film gezeigt, wie das durch den Lottogewinn erlangte Geld den Charakter verderben kann und in jedem Familienmitglied die negativen Seiten hervorruft. Da sind die Kinder, die sofort auf die schiefe Bahn geraten, die, die ihren Gewinn verspielen und die, die doch noch leicht den Überblick über ihr Leben behalten. Vor allem aber kämpft die Familie in der neuen Heimat mit Integrationsproblemen, und macht die Erfahrung, auf beiden Seiten der deutsch-tschechischen Grenze als "anders" zu gelten.
Tatyana Synková
hat Kulturjournalismus, Slavistik und Romanistik studiert und ist als freie Journalistin in Prag tätig.

Goethe-Institut Prag
März 2013
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