Deutschlehrerpreis 2013/2014

Hana Kubálková: „Auf die persönliche Einstellung kommt es an.“

Foto: Miguel Alonso; © Goethe-Institut
Sie haben den Titel als beste Deutschlehrerin erhalten und in ihrer Berufslaufbahn diese Sprache zweifellos vielen Kindern näher gebracht. Was aber hat Sie zu ihr geführt?

Deutsch habe ich in der Grundschule zu lernen begonnen, in so einer Art Kreis, organisiert von Eltern, die wollten, dass wir die Sprache unserer Nachbarn lernen. Dann begann ich im Sommer zu Sprachferienlagern zu gehen, und weil meine Mama für den öffentlichen Nahverkehr in Plzeň arbeite, welcher eine Partnerschaft mit der DDR hatte, führen wir als Kinder nach Boltenhagen. Dort habe ich meine ersten praktischen Erfahrungen gesammelt, unterhielt mich mit Altersgenossen aus dem anderen Land, wir hatten viel Spaß zusammen, schrieben uns gegenseitig und so weiter. Es ging nicht nur um die Sprache, aber um Abenteuer, um das Kennenlernen. Mit Deutsch habe ich dann an der Mittel- und Hochschule weiter gemacht.

Erinnern Sie sich an irgendwelche Komplikationen aus der Zeit, als Sie selbst noch Deutsch gelernt haben? Gab es etwas, das Ihnen als Schülerin Probleme bereitet hat?

Ich erinnere mich nicht mehr so genau, manchmal haben wir uns gegenseitig natürlich nicht ganz so gut verstanden. Oftmals war das aber schlicht die Schuld von Versprechern, schlechter Aussprache oder ähnlichem.

Wie lange unterrichten Sie eigentlich schon Deutsch?

Im Grunde schon seit dem Jahr 1990.

Dann haben Sie genauso lange Unterrichtserfahrung wie das Prager Goethe-Institut! Auch das wird nächstes Jahr ein Vierteljahrhundert feiern. Was hat Sie eigentlich dazu bewegt, an dem Wettbewerb teilzunehmen?

Ich hatte schon letztes Jahr vor, meine Anmeldung einzureichen, aber ich habe es nicht geschafft alle meine Aktivitäten aufzuschreiben. Sie kennen das bestimmt, das Schuljahr fliegt vorbei, Projekte gibt es viele und nicht immer schafft man alles.

Wie nehmen Sie die heutige Situation im Bereich des Deutschlernens wahr? Wie sind Ihre Erfahrungen?

Gegenwärtig fällt die Anzahl der Kinder, die Deutsch lernen, auch bei uns im Westen Tschechiens. Bei uns an der Schule ist schon die Option von Deutsch als erster Fremdsprache verschwunden…Ich finde, dass der gegenwärtige Bedarf das Unterrichten von Deutsch unterstützt, und das nicht nur deshalb, weil es die Sprache unserer Nachbarn ist, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen. Für die Schüler bietet die Sprache gute Perspektiven, insbesondere in Hinsicht auf die Ausrichtung unserer Schule.

Sie unterstützen zum Beispiel das gerade ausgezeichnete Projekt „Heraus mit der Sprache“. Was ist dessen Inhalt?

Das ist eine langfristige Tätigkeit mit Schwerpunkt auf internationale Kontakte, Praktika, Aufenthalte, Austauschprogramme, gemeinsame Bildungsprojekte mit deutschen Schülern.

Konzentrieren Sie sich also mit Blick auf die graphische Lage Plzeňs primär auf Sachsen und Bayern…?

Wir konzentrieren uns auch auf Thüringen, weil wir dort eine Partnerschule gefunden haben. Außer dem bayrischen Regensburg und dem schweizerischen Winterthur, welche Plzeňs Partnerstädte sind, haben wir Partner in Wien, Salzburg, Berlin…es geht immer darum, welche Fächer unsere Schüler belegen und brauchen. Berlin ist zum Beispiel attraktiv für unsere Künstler und Schüler, die sich für Kunst und Design interessieren.

Wie knüpfen Sie diese weitreichenden Kontakte? Wenden Sie sich eigenständig an Schulen, die ähnlich ausgerichtet sind, wie Ihre?

Ja. Ich versuche Partner nach Lehrinhalt zu wählen. Außerdem habe ich eine Reihe von persönlichen Kontakten aus verschiedenen Seminaren für Deutschlehrer, bei denen Leute vom Fach aus verschiedenen Ländern zusammenkommen. Dort knüpft man dann leicht persönliche Kontakte und kann dann auch besser auswählen, für welche Kategorie Schüler ein bestimmtes Projekt am geeignetsten ist. Persönlich muss im Übrigen auch der Unterricht sein, nicht nur für Deutsch.

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Juni 2014