Ali Badr
(Irak)
Historisch, aber nicht realistisch: Mit dieser ungewöhnlichen Formel überrascht der Schriftsteller Ali Badr. Bewusst greift er das Genre des historischen Romans auf, ohne sich jedoch dem literarischen Realismus zu verpflichten.
Der irakische Schriftsteller Ali Badr wurde 1964 in Bagdad geboren. 1985 hat er sein Bakkalaureat in französischer Literatur gemacht. Die meiste Zeit seines Militärdienstes leistete er während des Irak-Iran-Kriegs ab. Anschließend hat er Buchwesen und Restaurierung von Handschriften an der Nationalen Handschriftensammlung in Bagdad erlernt. 1996 legte er eine Arbeit über Roland Barthes vor, um sein Studium der französischen Literatur abzuschließen. Daraufhin wurde er aus der Universität ausgeschlossen.
Bekannt wurde Ali Badr mit dem Roman Papa Sartre, in dem er den Existenzialismus im Bagdad der 50er und 60er Jahren zum Thema macht. Er lässt die Atmosphäre der damaligen Kulturszene wiederauferstehen, mit ihren realen und imaginären Gestalten, die seinen Roman durchziehen und den Eindruck eines literarischen Remakes vermitteln. Mit diesem Werk schlägt der Autor einen Zickzackkurs zwischen Realismus und Verfremdung ein, der durch die inzwischen stark veränderte Sicht auf die Vergangenheit entsteht, in der zahlreiche Details reduziert, ausgetauscht oder vergessen werden.
Noch weiter in die Geschichte greift Ali Badr mit seinem Roman Das nackte Gastmahl zurück: Vor dem Hintergrund des späten 19. Jahrhunderts bis hin zum Einmarsch der Engländer in Bagdad während des ersten Weltkriegs entfaltet sich die „Nahda“, der Beginn der arabischen Neuzeit. Im Mittelpunkt der Handlung stehen ihre geistigen und gesellschaftlichen Auswirkungen, der Generationskampf und Nietzsches Ideenwelt, welche die Bagdader Intellektuellen in heftige Diskussionen stürzte.
- 2001 Abū-l-Qāsim ash-Shābī-Preis für den arabischen Roman in Tunis
- 2002 Staatlicher Literaturpreis in Bagdad
- 2002 Preis der Erzählerischen Kreativität in den Arabischen Emiraten






