Wagnis der Erinnerung

Inspektor Voland

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Ein Essay des serbischen Schriftstellers Aleksandar Gatalica in einer Übersetzung von Gudrun Krivokapić .

Es wäre naiv zu behaupten, der Teufel sei auf dem Balkan erschienen.

Stellen wir es uns einmal so vor: er trinkt einen Kaffee in Zagreb im Café Dubrovnik und spielt den großen Dichter Miroslav Krleža, beiläufig hat er dessen Gestalt angenommen; er sitzt da, die Ellbogen aufgestützt, und zwei junge Kellnerinnen tuscheln miteinander; die eine sagt: »Der sieht ja fuckin’ aus wie Krleža!« Oder so: Er isst einen Doppelten Cheeseburger bei McDonald’s auf dem Belgrader Terazije-Platz und tut, als wäre er ein schuleschwänzender Oberschüler, der soeben über den Terazije-Hügel aus dem nahe gelegenen Philologischen Gymnasium entwichen ist. Oder so: Er eröffnet ein Konto in der Filiale einer vornehmen türkischen Bank in Sarajevo und zahlt 107.000 falsche Dollar ein, so perfekt gefälscht, dass die Bankangestellte keine Chance hat, es zu erkennen …

Nein, in einem solchen Umfeld kann man sich den Teufel nicht vorstellen. Schrieben wir hingegen: Der Teufel erschien in Moskau, dann sähe alles anders aus. So zum Beispiel: Der Teufel tauchte in Moskau auf. Es war Sommer, und der rötliche Staub vom Fischteich am Patriarchenpalais wirbelte über den Boden und umspielte seine Füße. Voland war in den Labyrinthen der Hölle emporgestiegen und durch einen unterirdischen Gang, der in der Nähe mündete, an die Erdoberfläche gelangt. Er trat unter ein rostrotes Himmelsgewölbe. Um sich blickend, erkannte er, dass er sich in den Straßen von Moskau befand. Ohne ein Wort zu sprechen, ging er von der Nikitinska- zur Prečistenskastraße, bog dann in die Ljevivškigasse ein und betrat das Haus, in dem Varvara Arkadjevna Satina wohnte.

Ein solcher Teufel würde gewiss die Aufmerksamkeit des Lesers fesseln, aber so hat es sich nicht zugetragen. Der Teufel erschien auf dem Balkan. Tatsächlich hatte er anfangs vorgehabt, Miroslav Krleža zu spielen, in Belgrad einen Doppelten Cheeseburger zu essen und in Sarajevo unter fremdem Namen mit falschem Geld ein Konto zu eröffnen, aber zunächst begab er sich nach Mazedonien. Ob er mit der Bahn fuhr, ob er im Kosovo Halt machte, ob er mit dem Flugzeug in Skopje landete – das ist unerheblich. Er war einfach da, am Ufer des Vardar, und meldete sich als höflicher Gast, in einen vollendet geschnittenen Tweedanzug gekleidet, im Hotel Tomče Sofka. Er wollte nicht in einem der Luxushotels jenseits des Flusses absteigen. Seiner Natur schien das alte Gebäude mit seinen weitläufigen Räumen, den hohen Decken und prächtig geschnitzten Türen eher angemessen.

Er trat auf den Empfangschef zu und sagte in einem serbisch-mazedonischrussischen Idiom (»Eine überzeugende babylonische Mischung«, dachte er bei sich), er sei Ausländer und heiße Voland Razumovič. Seine Sprache wies ihn in vollendeter Weise als ewigen Wanderer durch Osteuropa aus, und der Empfangschef wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass es der Teufel war, der vor ihm stand, der Höllenfürst und Herr der Schwefeldämpfe. Der Ankömmling reichte ihm einen ukrainischen Pass und sagte, er beabsichtige, einige Tage zu bleiben.

»Nur ein paar Tage«, entgegnete der Empfangschef, dem Voland sofort ansah, dass er weder an Gott noch an dessen gefallenen Engel, den Teufel, glaubte. »Wollen wir die Rechnung ein bisschen ›ausschmücken‹? Sie stecken mir ein paar kleine Denar zu, und ich schreibe Ihnen den doppelten Preis für Ihr Zimmer auf die Rechnung. Später kassieren Sie zu Hause doppelt …«

»Das wird nicht nötig sein«, versetzte Voland vielleicht ein wenig zu schroff, »dort, wohin ich zurückkehre, präsentiere ich mir selbst die Rechnungen.«

»Ah, Privatunternehmer also …«

»Ja, ja, eigene Firma. Eigene Buchhaltung. Eine kleine Belegschaft«, erwiderte der Teufel selbstbewusst.

»Wie der Herr wünscht, wie der Herr wünscht …«

Und so bezog Voland ein Zimmer im Hotel. Aber warum war er gekommen? Warum hatte er sich aufgemacht aus dem Innersten der Erde, durch die Gräben, in denen die Unseligen schon seit Äonen wehklagten, durch feuchten Lehm, durch moderige Lagerstätten von schmutzigem Gas und einem armseligen bisschen Öl, dann durch übelriechenden Torf und vorbei an den Gebeinen unbeweinter Toter in flachen Gräbern, um wie ein Maulwurf aus einem Erdloch ausgerechnet in Skopje hervorzukommen, merkwürdig gepflegt, nicht im geringsten beschmutzt durch die Erdschichten und in einen echten englischen Zweireiher gekleidet?

Der Balkan war der eiternde Nabel Europas, eine schlecht versorgte Wunde, aus der der Eiter nicht abgeflossen war, ein Ort, von wo das Wehklagen noch immer durch die Höhlen im Bauch der Erde und die seltsam verschlungenen Läufe der unterirdischen Flüsse drang. Die in den Bergen geführten Kriege waren beendet, und so war Voland der Ansicht gewesen, er müsse persönlich erscheinen, um noch einmal den alten Hader anzufachen und die schon vergebenen Kränkungen unverzeihlich zu machen. Er sah darin nichts Böses. Es waren die Menschen, die den Hahn der Pistole spannten und abdrückten; Menschen mordeten – der Teufel machte von jeher nur Vorschläge. Sie hätten »Nein!« sagen können; sie waren mit einem freien Willen begabt, aber die Kugel gelangte dennoch in den Lauf, die Waffe wurde repetiert, man hörte »Feuer!«, und nichts von alledem hatte der Teufel getan oder irgendeiner von seinen fünfzig finsteren Fürsten, die immer nur auf die Streitsucht der Menschen, auf ihre böse Natur und ihre Unversöhnlichkeit zu bauen brauchten.

Nun jedoch war die Zeit des Friedens gekommen, und da musste man es bei den Menschen anders anfangen. Niemand wusste so gut wie der Teufel, dass es Zeiten gibt, in denen alles übel ausschlägt und kein gesunder Menschenverstand das Rad der Geschichte in seinem unseligen Rückwärtsrollen aufhalten kann, dass aber auch eine Zeit kommt, wo das alles vorbei ist und eine dem Teufel kaum erträgliche Epoche des Wohlstands anbricht, in der sich die Menschen nicht mehr so leicht aufeinanderhetzen lassen und die alten Händelstifter, die einstigen Verteidiger und Kriegsgewinnler an die Ränder der Städte abgedrängt sind, wo sie in den Wirtshäusern, abgebrochene Flaschen in der Hand, noch ihre eigenen Fehden austragen, die sich längst von der Tragödie zur Komödie gewandelt haben.

Aber ob nun im Krieg oder im Frieden, unter den Menschen musste Zwist herrschen. Deshalb war er persönlich gekommen. Wenn es schlimm war, wenn es gärte, dann schickte er Valefor, den mächtigen Feldherrn, der die Menschen zum Plündern anstiftet, Lareilliet, der als Bogenschütze erscheint, Schlachten herbeiführt und die Wundheilung verhindert, Morax, der in Gestalt eines Stiers mit Menschenkopf auftritt und zum Aberglauben verführt, Rajam, der als Elster zur Erde fliegt und die Städte vernichtet, Vlam, Furax, Murmur oder wen immer. Sie erledigten ihre Aufgaben spielend. Jetzt war er gekommen, um vorzuführen, wie er unter den Balkanvölkern noch einmal Streit zu entfachen vermochte, in einem Augenblick, in dem sie auch nicht entfernt daran dachten. Damit wollte er auch in der Unterwelt – die jeden seiner Schritte aufmerksam beobachtete – seine Überlegenheit demonstrieren, seine Herrscherwürde und seine autoritäre Natur, die sich noch immer nicht abschwächte, obwohl der Teufel nun schon weit im dreihundertmilliardsten Jahr seines Engeldaseins stand, so dass man hätte sagen können, dass er wohl betagt war, aber doch nur ein wenig verblüht.

Dass er noch etwas leisten konnte, das gedachte er zu beweisen. Dieses Mal durch ein scheinbar ganz anderes Handeln als sonst. Er hatte beschlossen, als Friedensstifter aufzutreten! Er, der Teufel, Voland, Beelzebub, Ariel, wie er nicht alles geheißen hatte in den verflogenen Jahrtausenden. Ja, er, der Prinz der Finsternis, sollte der Friedensbringer sein. Nicht, als ob er dabei nicht sein eigenes boshaftes Kalkül gehabt hätte. Es galt, die Menschen scheinbar zu versöhnen, Solidarität und Buße zu fordern, das aber so heimtückisch ins Werk zu setzen, dass die Appelle den Trotz der Menschen weckten und die entgegengesetzte Reaktion bewirkten.

Deshalb war er zuerst nach Skopje gekommen. Er schlenderte am Vardar entlang und wechselte auffällig seine Gestalt. Als vornehmer Herr mit Gehstock machte er sich auf den Weg, der von der alten Brücke in die Schnellen des Flusses blickte, auf dem Goce-Delčev-Boulevard verwandelte er sich in eine kleine albanische Streichholzverkäuferin und dann, gleich um die Ecke auf dem KrstoMisirkov-Boulevard in einen Studenten, einen Brillenträger. Als so ein Schlaks betrat er, da er es auf der Erde wieder einmal überwiegend langweilig fand, das Gelände der Kyrillos-und-Methodios-Universität. Man schrieb das Jahr 2009, und es waren Präsidentschaftswahlen in Mazedonien, und so beschloss der Teufel, Professor Frčkoski aufzusuchen, einen der Kandidaten, der glaubte, er werde die Wahl gewinnen.

»Herr Frčkoski, ich bin Student, aber ich weiß, was auch das mazedonische Volk weiß«, begann Voland unangemeldet, »Mazedonien ist reif für einen Albaner als Präsidenten.«

»Einen Albaner?« wunderte sich der Professor.

»Ja, sehen Sie, das würde nicht nur auf der Landstraße nach Ohrid, die Mazedonien praktisch nicht kontrolliert, sondern auch in Albanien und in der Türkei gut aufgenommen werden. Außerdem sollte man auch das beständige Eintreten Amerikas für die Lösung der albanischen Frage berücksichtigen. Nur Ihr Starrsinn scheint im Wege zu stehen. Tun Sie sich mit einem der fünf albanischen Kandidaten zusammen, rufen Sie Ihre Wähler auf, für ihn zu stimmen, und er wird gewinnen.«

»Verlassen Sie bitte mein Zimmer. Sprechstunden für Studenten halte ich dienstags und donnerstags … Und was Sie zu sagen haben, schlagen Sie Gjorge Ivanov vor, er wird ohnehin die Wahlen gewinnen, da kann er sie auch jemandem schenken.«

Und damit war die Angelegenheit erledigt. Selbst wenn der Professor vorgehabt haben sollte, mit jemandem zusammenzuarbeiten, jetzt war er dazu nicht mehr bereit. Merkwürdig, wie viel unter den veränderten Verhältnissen mit Güte zu erreichen war. Stammt das von mir oder von einem meiner irdischen Schüler, überlegte Voland, während er mit seinem Kombi die staubige Landstraße nach Ohrid entlangfuhr. Gleich hinter der Mautstation befand man sich praktisch auf albanischem Territorium. Verdächtige Gestalten wechselten von einer Straßenseite auf die andere, und Kinder schrien und winkten dem Kombi, als hätten sie nur dieses eine Mal nicht die Absicht, ihn mit Steinen zu bewerfen. Es war ein Land, in dem sich die Kletten an das Unkraut hängten, das Unkraut an die Moscheen, die Moscheen an die Minarette, die ihrerseits, gen Himmel gerichtet, ständig bereit standen, als Raketen abgefeuert zu werden, geradeswegs in die Dschanna.

In einer solchen Moschee wurde Voland von Agron Buxhaku empfangen, dem Präsidentschaftskandidaten der Demokratischen Union für Integration. Voland stellte sich als Türke vor, wobei er mit Buxhaku perfekt Türkisch sprach, und zwar in »Istanbuler Manier«. So verstanden sie sich. Am Abend neigten sich beide zum Gebet. Voland hatte auch seinen Gebetsteppich bei sich, was seinen Gastgeber besonders beeindruckte, aber der Vorschlag, alle fünf albanischen Kandidaten sollten sich um die einzige Frau, Mirushe Hoxha, scharen, vertiefte nur die Gräben zwischen den Albanern, und so kehrte Voland zufrieden nach Skopje zurück. Um die Sache abzukürzen, er traf auch mit dem künftigen Wahlsieger Gjorge Ivanov zusammen. Mit einschmeichelnden Worten legte er einen festen Grund für alles künftige Unheil in Mazedonien, und dann setzte er sich einfach nach Brioni ab. Er fuhr nicht mit der Bahn, er flog nicht mit dem Flugzeug. Er verschwand jeweils von einem Ort und tauchte an einem anderen auf, und immer hinterließ er nur ein leeres, brandig riechendes Bett …

Er musste sich im übrigen beeilen, denn schon am nächsten Tag beabsichtigten die Präsidenten von Kroatien und Slowenien, Stipe Mesič und Danilo Türk, auf Brioni zusammenzutreffen. Vielerlei hatte Voland vor diesem kleinen, bösartigen Gipfeltreffen noch zu erledigen. Er gedachte also nicht die adriatische Wintersonne zu genießen, noch sich in Feigen- und Olivenhainen und zwischen duftenden Rabatten üppiger Mittelmeervegetation zu ergehen – all das schien ihm im Grunde verächtlich, ebenso wie die Tatsache, dass sich jeder Betrug nur allzu leicht bewerkstelligen ließ. Nur wenige Stunden brauchte er, um die Leute aus den Kanzleien der beiden Präsidenten zu überzeugen, dass er der beste Dolmetscher für Slowenisch und Kroatisch war, um gefälschte Nachweise seiner reichen Erfahrung auf diesem Feld beizubringen und dafür zu sorgen, dass man ausgerechnet ihn zwischen Mesič und Türk Platz nehmen ließ, wo er – wie anders als falsch und voller Tücke – ihre schwierigen Verhandlungen zu übersetzen begann.

All das war fast schon komisch, obwohl der Grenzstreit der beiden Länder alles andere als lächerlich war. Mesič war gekommen, kein Zipfelchen der Bucht von Piran, noch auch nur einen Fußbreit des roten istrischen Bodens abzutreten; Türk wollte Buje mit Umgebung und die Seite der Bucht, auf der Ankaran lag, fordern – nichts weniger. Und als die Verhandlungen begannen? Da begriff Mesič, dass Türk gerade von der festen Absicht Sloweniens abrückte, Kroatien auch die andere Seite der Bucht von Piran mit dem Hinterland bis hin zu der alten istrischen Stadt Buje und Umgebung zu nehmen, und Türk wurde gewahr, dass ihm Mesič soeben Buje und die Bucht von Piran sozusagen auf silbernem Tablett darbot. Möglicherweise ahnten sie, dass der Dolmetscher sie täuschte, aber … Eine Übereinkunft war zum Greifen nahe. Nur eins hatte Voland nicht vorhergesehen (selbst er lässt gelegentlich etwas außer Acht). Den beiden Präsidenten schien es, dass ihr Gesprächspartner allzu leicht in alles einwilligte, sie hielten daher inne und vereinbarten, ihre Regierungen zu konsultieren. Beide reisten höchst zufrieden ab, aber auch Voland war nicht traurig. Was mit gewinnenden Worten jetzt keinen Streit hervorgerufen hatte, würde schon bald giftige Früchte tragen, wenn die schlechte Übersetzung neue Verwirrung in den Beziehungen der einstigen guten Nachbarn stiftete, die einen gemeinsamen Feind – Serbien – gehabt hatten.

Und nach Serbien? Ja, auch dorthin plante Voland zu reisen, dort war nach wie vor am meisten auszurichten, aber zuvor musste er nach Sarajevo, um die

107.000 gefälschten Dollar zu deponieren. Er sah der bedauernswerten Angestellten der Ziraat-Bank zu: sie drehte und wendete die Banknoten, ließ sie mehrmals durch eine Maschine gleiten, die zufrieden zischend ihre Echtheit bezeugte, und reichte Voland schließlich eine Quittung, die er mit dem Namen Ibrahim Hadžihafizkapičić unterzeichnete. So waren 107.000 Dollar neues Falschgeld in Umlauf gebracht, aber das war nicht eigentlich Volands Ziel. Auch hier hatte er seine kleinen lokalen Schützlinge, denen er die giftigen Früchte seiner Versöhnung anzubieten gedachte. Bakir Izetbegović, Alijas Sohn, bekannt als der »Herr von Sarajevo«, war der nervöseste Mensch, dessen Bekanntschaft er diesmal auf der Erde machte.

»Sie sind wenigstens ein guter Moslem«, Efendi Hadžihafizkapičić«, sagte Izetbegović im Rathaus zu ihm, »ich habe mich bei unseren Leuten erkundigt und gehört, dass Sie ein frommer Mann sind, Allah und dem rechten Leben zugetan.«

»Mein Leben lang habe ich es so gehalten«, versetzte Voland selbstbewusst.

»Dann wissen Sie sicher, dass die Serben, die Serben an allem schuld sind. Es wäre besser, die internationale Gemeinschaft täte etwas, statt es uns zu überlassen, die Angelegenheit auf unsere Art zu regeln.«

»Dieser ›unserer Art‹ verdanken wir all die Schrapnelleinschläge am Rathaus und an den Hochhäusern von Sarajevo, die noch immer so aussehen, als hätte ein wildes Tier seine Zähne hineingeschlagen und ganze Stockwerke und Ecken mitsamt dem Stahlbeton abgerissen. Wollen wir nicht etwas anderes versuchen?«

»Was denn?«

»Wir könnten ihnen zum Beispiel den Bau einer orthodoxen Kathedrale in Sarajevo anbieten, im Gegenzug für die Errichtung einer Bajrakli-Moschee samt Koranschule in Banja Luka.«

»Dem würde ich nur zustimmen, wenn das Minarett in Banja Luka einen so langen Schatten würfe, dass er das orthodoxe Kreuz der Kathedrale in Sarajevo verdunkelte, und Dodik nur, wenn deren Vierungskuppel so hoch wäre, dass man von oben die Kathedrale des Hl. Sava auf dem Vračar-Plateau in Belgrad sehen könnte.«

»Sie werden staunen, Efendi Izetbegović, wenn ich Ihnen sage, dass Dodik bereits zugestimmt hat …« Mit dem Wort »zugestimmt« nahm das Gespräch ein jähes Ende. Als sei er einer der alten Herrscher von Sarajevo, hatte Bakir nur abgewinkt und wie ein Türke den Kopf zur Seite gewandt, woraus Voland schloss, es sei an der Zeit, sich auf den Weg nach Banja Luka zu machen. Dort erwartete ihn natürlich Milorad Dodik. Er lachte, verzog sein fleischiges Gesicht, als sei es aus Knete geformt, und tat, als seien sie beide seit Jahren miteinander bekannt.

»Sie sind wenigstens ein guter Orthodoxer, mein lieber Lipovac«, empfing ihn Dodik im Gebäude des Banski Dvor, »ich habe mich bei unseren Leuten erkundigt und erfahren, dass Sie dem wahren Gott gläubig ergeben sind.«

»Mein Leben lang habe ich es so gehalten«, versetzte Voland selbstbewusst.

»Dann ist Ihnen gewiss bekannt, dass die ›Fremden‹, die Moslems, die aus fremdem Geld ihren Vorteil ziehen, an allem schuld sind. Es wäre besser, die internationale Gemeinschaft täte etwas, statt es uns zu überlassen, die Angelegenheit auf unsere Art zu regeln.«

»Dieser ›unserer Art‹ verdanken wir den Auszug aus Mostar, Tuzla, Sarajevo … Wollen wir nicht etwas anderes versuchen?«

»Was denn?«

»Wir könnten etwa den Bau einer Bajrakli-Moschee samt Koranschule in Banja Luka anbieten, als Gegenleistung für die Errichtung einer orthodoxen Kathedrale in Sarajevo.«

»Dem könnte ich nur zustimmen, wenn die Kathedrale so groß wäre, dass ihre südöstliche Mauer in Sarajevo, die nordwestliche aber in Banja Luka stände, und so gewaltig, dass ihre Bajrakli-Moschee mitsamt Koranschule in einer Apsis unserer prächtigen Kathedrale Platz fände. Aber ich brauche gar nicht zuzustimmen oder abzulehnen. Ich kenne Bakir, er würde nur einwilligen, wenn das Minarett der Moschee so hoch aufragte, dass die Flugzeuge über Bosnien ihren Kurs ändern müssten.«

»Sie werden staunen, Herr Dodik, wenn ich Ihnen sage, dass Efendi Izetbegović bereits eingewilligt hat.«

Mit dem Wort »eingewilligt« nahm das Gespräch ein jähes Ende. Voland befand sich bereits im Kosovo, als die Telefonleitungen zwischen Banja Luka und Sarajevo zu summen begannen, Bakir Izetbegović und Milorad Dodik ihre Sekretäre beschimpften und beide den Unbekannten mit den Namen Hadžihafizkapičić und Lipovac verfluchten, der ihnen all dies eingebrockt und auch noch die Dreistigkeit besessen hatte, ihre Einwilligung der bosnisch-herzegowinischen und der Presse der Serbenrepublik bekanntzugeben. Aber Voland interessierte sich schon nicht mehr für Bosnien. Er hatte jetzt neue gute und wahrheitsliebende Politiker vor sich, von denen einige außerdem auch Ärzte waren.

Als er im nördlichen Teil von Kosovska Mitrovica eintraf, sah der Teufel, dass es Mittag war. Im Allgemeinen Krankenhaus hatte er soeben seine Armbanduhr abgelegt und den blaugrünen Chirurgenkittel angezogen. Er wusch sich lange die Hände und ging dann durch die Gänge und machte sich einen Spaß daraus, allen, denen er begegnete, irgendwie bekannt vorzukommen. Es belustigte ihn, dass ihn alle mit »Guten Tag, Herr Doktor!« begrüßten und dass ihm Doktor Ivanović, der bereits im Operationssaal war, sofort das Skalpell übergab.

»Herr Kollege, ich hatte nicht damit gerechnet, dass Sie doch noch kommen würden«, sagte Doktor Ivanović, außerhalb des Krankenhauses einer der Serbenführer im Nordteil von Kososvska Mitrovica. Doktor Ivanović wusste selbst nicht, warum er das sagte, noch warum er dem verehrten Kollegen sogleich den Platz am Operationstisch überließ. Voland ließ sich natürlich nicht verwirren. Alle Kenntnisse und Fertigkeiten standen ihm zu Gebote, und so war ihm auch der Anblick eines Patienten mit geöffneter linker Seite auf dem Operationstisch nicht unbekannt.

»Was haben wir denn hier, Herr Kollege?« begann der Teufel ganz wie ein Professor der Chirurgie. »Die Milz ist von normaler Größe, ihre Echostruktur homogen. Den größeren Teil ihres oberen Pols nimmt indes ein Gebilde mit einem Durchmesser von 53 Millimetern ein. Es handelt sich um eine zystische Veränderung, aber ich bin im Zweifel, ob eine lymphoide oder eine Echinokokkuszyste vorliegt. Herr Kollege Ivanović – eine lymphoide Zyste, nicht wahr?«

Ein bestätigendes Kopfnicken zeigte an, dass die Einschätzung des frisch eingetroffenen Chirurgen richtig war.

»Dann wollen wir diese Zyste mal entfernen«, sagte der Teufel daher und setzte ein paar sichere Schnitte. Alles war in wenigen Minuten erledigt, und schon füllte der neue Doktor Jovanović im Büro das Krankenblatt aus, in das er sicher eintrug: Cystis splenis, Milzzyste, Diagnose D735.

Aber der neue Chirurg war nicht gekommen, um Doktor Milorad Ivanović bei seiner chirurgischen Arbeit zu unterstützen. Er hatte etwas anderes im Sinn, eine Aufgabe, die eher der Tätigkeit eines Seelendoktors als der eines Arztes für Krankheiten des Körpers zuzuordnen war.

»Mein lieber Kollege und Freund, euer Leben und eure Arbeit hier sind hart. Wir auf der Insel beseitigen solche Zysten schon mit laparoskopischen Verfahren, sozusagen ›durchs Schlüsselloch‹, und ihr schneidet und schnippelt noch immer am Patienten herum.«

»Wir schneiden hier alles Mögliche, mein lieber Jovanović, «aber sag, wie geht es dir dort …, dort …«

»In Brighton? Nun, nicht übel, aber man ist in der Fremde, und die ist kalt, komfortabel, aber trostlos. Du bist hier wenigstens Herr im eigenen Hause. Aber … du bist draußen, außerhalb des Krankenhauses, allzu unnachgiebig. Rein gar nichts erlaubst du, mein Lieber. Den Übergang über die Ibar-Brücke hast du abgeriegelt, wie ein Zerberus lässt du niemanden hinüber oder herüber. Gib den Weg frei, Mann, lass die Serben in den Südteil, die Albaner in den Nordteil der Stadt. Was meinst du dazu?«

Der Teufel wusste, dass sein Vorschlag wahrhaft diabolisch war, mochte er auch in das bunte Papier der Toleranz verpackt sein, denn die Brücke über den Ibar zwischen den verfeindeten Teilen von Kosovska Mitrovica war seit Jahren einer der neuralgischen Punkte Europas. Hier war noch einmal, nach Berlin und Sarajevo, eine Stadt geteilt worden. Deshalb überraschte ihn auch Doktor Ivanovićs Antwort nicht.

»Davon, mein Lieber, will ich nichts mehr hören. Am Ibar wird die Grenze verlaufen, und Koštunica wird hier den ersten Kontrollpunkt eröffnen.«

»Wer weiß, wer weiß«, sagte der Teufel gedankenverloren und ging.

Noch in derselben Nacht träumte Milorad Ivanović einen seltsamen Traum. Problemlos passierte er den Kontrollpunkt und begab sich mit anderen Serben – wohl zum orthodoxen Osterfest – auf das südliche Ufer des Ibar. Er munterte einige alte Männer auf, suggerierte ihnen aber zugleich geschickt, auf dem serbischen Friedhof im albanischen Teil von Mitrovica würden sie nur Verwüstungen vorfinden. Als sie jedoch dort ankamen, erblickten sie einen modernen Friedhof: Das Tor ausgewechselt, sogar dreimal mit schwarzer Farbe gestrichen, die Wege mit rötlichem Kies aufgeschüttet und sämtliche Grabstätten erneuert, abgewaschen, sie blitzten geradezu in der Frühlingssonne …

Er sprang aus dem Bett. »Ein Albtraum«, sagte er zu sich selbst, aber dann stutzte er. Warum ein Albtraum? Wetterte er nicht selbst tagtäglich gegen die albanischen Vandalen, denen nicht einmal serbische Gräber heilig waren? Und doch, er schauderte. Wenn sie nun plötzlich gut wären, wie sollten Leute wie er die Kraft aufbringen, sich so sehr an ihnen zu rächen? Er begab sich ins Krankenhaus und fand alles wie am Vortag. Wieder operierte dieser Doktor Jovanović, wieder suchte er ihn zu überzeugen, die Ibarbrücke zu öffnen. Und wieder träumte er in der folgenden Nacht …

Diesmal stand er auf der serbischen Seite der Brücke und durchschnitt ein Band, aber mit wem? Mit einem albanischen Politiker höchstpersönlich. Es gab keinen Kontrollpunkt, keine Grenze, da war kein Koštunica, nur ein albanischer Politiker, den er nicht kannte. Die Brücke wurde offenbar für den ganz normalen Verkehr der Menschen geöffnet, und erneut erschauerte Doktor Ivanović. Er war jetzt in Schweiß gebadet, aber er war nicht der Einzige.

Auch der Studentenführer oder richtiger, der »Studentenführer« Rahman Berisha im Südteil von Kosovska Mitrovica schlief in diesen Nächten unruhig. Er war 1999 einer der lokalen Führer der Befreiungsarmee des Kosovo gewesen. In jenem Jahr 1999 hatte er »Proteste« versprochen, »Märsche« und die »Befreiung des Nordteils von Mitrovica in sieben bis zehn Tagen«. Und dann begann die Zeit in wahnwitziger Geschwindigkeit durch das Stundenglas zu rasen, und Jahre vergingen. Er wurde durch Intrigen kaltgestellt und war nur noch Kommandant der Brücke auf der Südseite. Schichtweise hielt er Wache und hatte von den französischen KFOR-Soldaten sogar ein wenig Französisch gelernt, als ihn in einer regnerischen Nacht auf seinem Posten ein ihm unbekannter junger Mann besuchte. Sein Gesicht – blass, mit dichten, schwarzen Brauen und ruhelosen Augen – tauchte aus den tiefsten Schichten von Rahmans Erinnerung auf, und so war es kein Wunder, dass der Brückenkommandant innehielt, als habe ihn eine kalte Hand an der Gurgel gepackt.

»Sadik«, stammelte er, »ich war sicher, die serbischen Bestien hätten dich umgebracht, noch damals …, noch dort …«

»Rahman, lieber Freund, das haben sie auch, mit einer Schlinge um den Hals haben sie mich umgebracht, wie einen Eber. Sie erlaubten mir nicht einmal, mich umzudrehen, um ihre Gesichter zu sehen. Aber mir geht es jetzt erstaunlich gut. Ich bin gekommen, zu sehen, wie schlecht es dir geht. Du stehst hier Wache. Was schützt du, mein armer Rahman? Die Brücke? Vor wem? Lass die Menschen hinübergehen, lass sie Handel treiben und Freundschaft schließen. Die Serben werden euch nicht verderben, so wenig wie ihr sie.«

»Davon will ich nichts mehr hören, mein Freund. Bist du deshalb von den Toten auferstanden, so bist du auf der falschen Seite. Geh nach drüben, bestrafe lieber deine Mörder, als mich hier zu stören.«

»Aber sieh doch nur, wie der kalte Regen an deinem Cape hinunterläuft. Dir ist kalt. Deine Stiefel sind voll Wasser, Rahman. Geh nach Hause. Du möchtest schlafen. Du bist müde …«

Und Rahman ging. Er verließ seinen Wachposten, zum ersten Mal in den zehn Jahren, seit er Wache hielt – und er hatte einen Traum. Auf der Südseite, so träumte ihm, stand er mit Milorad Ivanović, aber um sich her erblickte er keinen einzigen wirklichen Albaner. Nur ein dicker albanischer sozialistischer Funktionär war da, im dunkelblauen Nadelstreifenanzug mit roter Nelke im Knopfloch. Der dicke Politiker klatscht und feuert sie mit vulgären Bewegungen an wie bei einem Fußballspiel. Der Serbe Ivanović hält eine Schere in der Hand, und als drohe er ihm, reicht er ihm auch eine. Rahman sieht sich um. Er ist überzeugt, die eigenen Scharfschützen werden ihn abschießen, ehe er das Band durchschneiden und die Brücke freigeben kann, und dann schneidet er doch und schreit auf.

Er ist allein in seinem Bett, aber dies ist erst der Anfang. Dem Traum im Nordteil von Kosovska Mitrovica entsprach jeweils ein Traum im Südteil. Am Montag war es der Friedhof, am Dienstag durchschnitten sie das Band auf der Ibarbrücke, am Mittwoch saßen die beiden in einem Café zusammen und lachten über dieselben Witze, am Donnerstag war alles noch ärger, aber immerhin besser als am Freitag; der Traum vom Freitag wiederum war angenehmer als der vom Sonnabend; und den vom Sonnabend hätte man kaum einen Albtraum nennen können im Vergleich zu dem, was die beiden Träumer am Sonntag träumten …

Am Sonntagabend, als sich der Teufel bereits anschickte, in die dunklen Tiefen der Erde zurückzukehren, strichen die beiden Unglücklichen um die Brücke, ohne zu wissen, wozu und was sie dort vorhatten. Der Teufel sah ihnen noch eine Weile zu, und dann, als drehe er an den Knöpfen vieler Radioapparate gleichzeitig, schaltete er alle Stimmen auf einmal ein. Jemand telefonierte über eine vertrauliche Verbindung von Banja Luka nach Belgrad; ein Kurier war mit einer persönlichen Botschaft von jemandem an jemanden unterwegs; die Sekretäre der Regierungen arbeiteten bis spät in die Nacht; Journalisten stellten Spekulationen an; die jungen Pressesprecher vieler Ministerien bereiteten unwahre Erklärungen vor; die beiden Männer in Kosovska Mitrovica aber warteten trotz allem auf eine Gelegenheit, die Schlagbäume auf beiden Seiten der Ibarbrücke zu heben; die Vögel flogen gen Westen, was nichts Gutes bedeutete.

Ein roter Himmel war das letzte Zeichen, das Inspektor Voland auf der Erde erblickte. Ihm fiel ein, er hätte noch nach Belgrad reisen und dort bei McDonald’s auf dem Terazije-Platz einen Doppelten Cheeseburger essen sollen und so tun, als sei er ein schuleschwänzender Oberschüler, der gerade über den Terazije-Hügel aus dem nahegelegenen Philologischen Gymnasium entwichen war. Auch dort, in Belgrad, hatte er noch Klienten unter den Beratern des Präsidenten, denen er manche «beunruhigend guten Ideen« hätte unterschieben können, aber es war jetzt genug. Die Fuga idearum, der er noch eine Weile gelauscht hatte, war das letzte, was er auf dem Boden des Balkans vernahm.

Und dann wurde er einfach vom Erdboden verschluckt. Als wolle er sich in seinem finsteren Trichter zur Ruhe begeben, seufzte er auf, und er bedauerte es nicht, dass er demnächst nur noch giftige Dämpfe atmen würde. Der Frieden war – wie eine weiße heilige Kuh – nicht mehr aus dem Weg zu räumen. Jetzt wurde im Gebiet des blutbesudelten einstigen Jugoslawien keine Tragödie mehr gespielt, sondern eine Komödie. Im Lachen rinnt auch wohl eine Träne herab, und Voland achtete das nicht gering. Was auf gutem Wege ist, wenigstens ein bisschen zu verderben, ist manchmal süßer, als in den Abgrund zu stürzen, was sich bereits zum Fall neigte.

Jetzt spürte er auch selbst eine leichte Müdigkeit. Er würde seine finsteren Heerführer Valefor, Lareilliet, Morax, Rajam, Vlam, Furax und Murmur aussenden, die Wunden, die er wieder aufgerissen hatte, zum Eitern zu bringen. Die Balkanvölker waren noch immer nur äußerlich fest zum Frieden entschlossen, man konnte sie noch verderben. Wenn nicht mit bösen Vorschlägen, dann, wie diesmal, mit guten.

Konnten die Menschen auf dem Balkan die Vorschläge des Teufels ablehnen? Ganz sicher. Es gab die Chance der Vernunft, aber wie das bei den Menschen so geht, handelten sie ihr stets zuwider. Stiftete der Teufel sie zu Übeltaten an, so folgten sie ihm bereitwillig; jetzt, wo er ihnen Gutes einflüstern wollte, verweigerten sie sich.

»Die Menschen sind gewöhnliche Fliegen«, war Volands letzte Äußerung mit dem Menschenmund, den er sich selbst erschaffen hatte. Während er durch die Lehm- und Tonschichten sank, vorbei an den alten Moorgräbern, beschlich ihn dennoch die Furcht, die Menschen könnten sich besinnen und viel öfter ihre Möglichkeit wahrnehmen, die richtige Wahl zu treffen.

 

Aleksandar Gatalica © Aleksandar Gatalica
Aleksandar Gatalica aus Serbien
Aleksandar Gatalica, geb. 1964 in Belgrad / Serbien, lebt in Belgrad; Studium der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft an der Universität Belgrad; Übersetzer aus dem Altgriechischen, Musikkritiker bei der Tageszeitung Novosti (bis 2008), Redakteur der Literaturbeilage BLIC knjiga der Tageszeitung Blic sowie Schriftsteller; bisher hat er neun Prosabücher veröffentlicht, zuletzt Nevidljivi, Roman (Belgrad 2008); Vek, Kurzgeschichten, (Belgrad 1999); Linije života, Roman (Belgrad 1993); seine Prosa wurde in zehn europäische Sprachen übersetzt; Gatalica erhielt 1993 die Preise „Miloš Crnjanski“ und „Giorgio la Pira“ für den Roman Linije života sowie den Preis „Ivo Andrić“ für Vek (Kurzgeschichten, 1999); sein letzter Roman Nevidljivi kam in die Endauswahl für den NIN-Preis 2008; Mitglied im Vorstand des Serbischen PEN-Zentrums; stellvertretender Vorsitzender der Europäischen Bewegung in Serbien.

 

Eine Übersetzung von Gudrun Krivokapić
Gudrun Krivokapić, geb. 1941 in Göttingen/Deutschland; Studium der Geschichte und Anglistik in Göttingen und München; Übersiedlung nach Belgrad; Wechsel des Studienfachs; Diplom in Germanistik; Übersetzerin und Sprecherin im Auslandsprogramm von Radio Belgrad; Lektorin für deutsche Sprache am Lehrstuhl für Germanistik der Universität Belgrad; nebenberuflich Übersetzerin und Simultandolmetscherin (Serbisch/Deutsch). Leiterin der Bibliothek des Goethe-Instituts Belgrad bis 2006; lebt in Belgrad und Göttingen.