Krieg und Frieden

Pulverfass Erster Weltkrieg

Am 28. Juni 1814 wurde der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo von einem bosnischen Nationalisten ermordet. 37 Tage danach befand sich ganz Europa mitsamt den Kolonien im Krieg.

„Was vor 100 Jahren in Sarajevo geschah, ist für mich ein reiner Zufall, unvorhersehbar und unwahrscheinlich, mit absolut einschneidenden Konsequenzen. Aber diese Explosion war 30 oder 40 Jahre lang vorbereitet worden. Ich habe den starken Eindruck, dass, wenn es nicht in Sarajevo passiert wäre, es irgendwo anders passiert und es auf jeden Fall zum Ersten Weltkrieg gekommen wäre. Dass es auf dem Balkan geschah, ist bezeichnend, denn der Balkan steckte voller Spannungen: lokale, regionale und Großmachtspannungen. Es war unvermeidlich, dass etwas schiefgehen und die Spannungen auf allen drei Ebenen zum Ausbruch kommen würden.

Aber welche Rolle spielte der Balkan? Der Balkan war der Auslöser, der Zünder, die Sache, die die Explosion ausgelöst hat, aber nicht das Pulverfass. Europa selbst war das Pulverfass, und die eigentliche Explosion war der Konflikt zwischen den Großmächten. Das ist das Pulverfass, das dann ‚bang‘ gemacht und die Welt erschüttert hat, wie nie zuvor.

Ich glaube aber nicht, dass irgendjemand mit dem Stellungskrieg gerechnet hat, wie er im Westen geführt wurde, an der Ostfront, an der italienisch-österreichischen Front oder der mazedonischen Front. Ich glaube nicht, dass irgendwer sich vorstellen konnte, wie blutig und schrecklich alles werden würde.“

 

Misha Glenny ©  Anemon Productions
Misha Glenny
Der Journalist und Historiker Misha Glenny war Mitteleuropa-Korrespondent zunächst für den Guardian, anschließend für die BBC. Er berichtete über den Zusammenbruch des Kommunismus und die Kriege im ehemaligen Jugoslawien. Er schrieb drei Bücher über Osteuropa und den Balkan: The rebirth of history: Eastern Europe in the age of democracy (Penguin books, 1993), The fall of Yugoslavia: the third Balkan war (Penguin Books, 1996) und The Balkan: nationalism, war and the great powers, 1804–1999 (Penguin Books, 2001). Sein bislang letztes Buch,  McMafia: die grenzenlose Welt des organisierten Verbrechens (Knopf Books, dt. Spiegel-Verlag), über das internationale organisierte Verbrechen erschien 2008 in englischer und deutscher Sprache.