Das Werk Peter Handkes, das sich über die Jahrzehnte in seiner äußeren Gestalt mehrfach stark gewandelt hat, weist im Kern eine überraschende Beständigkeit in der Grundeinstellung und in seinen Zielen auf. Es ist von Erfahrungen und Überlegungen geprägt, die bereits der junge Autor 1966, im Jahr der Veröffentlichung seines ersten Romans, “Die Hornissen”, prägnant artikuliert hat… Im Aufsatz “Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms” schreibt Handke: “(…) ich habe nur ein Thema: Über mich selbst klar, klarer zu werden (…).” In immer wieder neuen Ansätzen hat Handke in Gedichten, Theaterstücken, Romanen und Filmen versucht, sich diese Klarheit zu verschaffen. …
Handke teilt in den 1960er Jahren die Energie und Aufbruchsstimmung seiner Generation, nicht jedoch ihr Bedürfnis nach politischen Weltverbesserungsprogrammen. Diesen misstraute er ebenso wie jedem anderen ungenauen und schematisierten Sprachgebrauch, …
br> Handkes Erzählwerk der 1970er Jahre weist einen allmählichen Wandel auf, bei dem das akute Misstrauen gegen die manipulierende Macht der Sprache allmählich etwas nachlässt. Der Erzählgestus wird dadurch entspannter und die Protagonisten gewinnen an Souveränität und Tiefe. …
1989 erschien der erste von drei “Versuchen”, in denen Handke ohne den Umweg über eine noch so rudimentäre fiktive Handlung gewisse Stimmungen einzufangen versucht, der “Versuch über die Müdigkeit”. Der Müdigkeit sind schon früher beachtliche Passagen in Handkes Prosa gewidmet. …
Die Entstehung der Versuche fällt in die Zeit, als Handke nahezu ständig auf Reisen war und große Wanderungen in verschiedenen Erdteilen unternahm. In dieser Zeit befestigt sich das Vorhaben, Orte und Landschaften zu erzählen, was sich später in großen Romanen wie “Mein Jahr in der Niemandsbucht” (1994), “In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus” (1997) und “Der Bildverlust” (2002) deutlich niederschlägt. …
Der Schwerpunkt von Handkes Arbeit hat sich nach den Anfängen eindeutig vom Theater auf die erzählende Prosa verlagert. In unregelmäßigen Abständen entstanden jedoch auch immer wieder Theaterstücke, so 1989 “Das Spiel vom Fragen oder die Reise ins sonore Land”. Auch dieser Text ist von Handkes Reiselust geprägt. ...
Weit mehr als für seine neueren Stücke und Prosatexte ist Handke im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts durch seine oft schwer nachvollziehbaren Stellungnahmen zu den Ereignissen im ehemaligen Jugoslawien im öffentlichen Gespräch gewesen. War Handkes Ausgangspunkt bei seiner ersten Serbienfahrt Ende 1995 die durchaus gerechtfertigte Empörung über die einseitige Berichterstattung in den westlichen Medien, so fühlte sich der Autor im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien immer mehr dazu berufen, die Position Serbiens zu verteidigen. Im Beharren auf seiner in der westlichen Öffentlichkeit selten geteilten Meinung sahen manche Kommentatoren ein Wiederaufleben seines provokatorischen Verhaltens zu Zeiten seiner schriftstellerischen Anfänge
Handke teilt in den 1960er Jahren die Energie und Aufbruchsstimmung seiner Generation, nicht jedoch ihr Bedürfnis nach politischen Weltverbesserungsprogrammen. Diesen misstraute er ebenso wie jedem anderen ungenauen und schematisierten Sprachgebrauch, …
br> Handkes Erzählwerk der 1970er Jahre weist einen allmählichen Wandel auf, bei dem das akute Misstrauen gegen die manipulierende Macht der Sprache allmählich etwas nachlässt. Der Erzählgestus wird dadurch entspannter und die Protagonisten gewinnen an Souveränität und Tiefe. …
1989 erschien der erste von drei “Versuchen”, in denen Handke ohne den Umweg über eine noch so rudimentäre fiktive Handlung gewisse Stimmungen einzufangen versucht, der “Versuch über die Müdigkeit”. Der Müdigkeit sind schon früher beachtliche Passagen in Handkes Prosa gewidmet. …
Die Entstehung der Versuche fällt in die Zeit, als Handke nahezu ständig auf Reisen war und große Wanderungen in verschiedenen Erdteilen unternahm. In dieser Zeit befestigt sich das Vorhaben, Orte und Landschaften zu erzählen, was sich später in großen Romanen wie “Mein Jahr in der Niemandsbucht” (1994), “In einer dunklen Nacht ging ich aus meinem stillen Haus” (1997) und “Der Bildverlust” (2002) deutlich niederschlägt. …
Der Schwerpunkt von Handkes Arbeit hat sich nach den Anfängen eindeutig vom Theater auf die erzählende Prosa verlagert. In unregelmäßigen Abständen entstanden jedoch auch immer wieder Theaterstücke, so 1989 “Das Spiel vom Fragen oder die Reise ins sonore Land”. Auch dieser Text ist von Handkes Reiselust geprägt. ...
Weit mehr als für seine neueren Stücke und Prosatexte ist Handke im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts durch seine oft schwer nachvollziehbaren Stellungnahmen zu den Ereignissen im ehemaligen Jugoslawien im öffentlichen Gespräch gewesen. War Handkes Ausgangspunkt bei seiner ersten Serbienfahrt Ende 1995 die durchaus gerechtfertigte Empörung über die einseitige Berichterstattung in den westlichen Medien, so fühlte sich der Autor im weiteren Verlauf der Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien immer mehr dazu berufen, die Position Serbiens zu verteidigen. Im Beharren auf seiner in der westlichen Öffentlichkeit selten geteilten Meinung sahen manche Kommentatoren ein Wiederaufleben seines provokatorischen Verhaltens zu Zeiten seiner schriftstellerischen Anfänge
Mit freundlicher Erlaubnis des Verlags aus dem
„Kritischen Lexikon der Gegenwartsliteratur“ entnommen.
© edition text + kritik im Richard Boorberg Verlag GmbH & Co KG
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