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Roller Derby – jetzt in Russia!

© AzizIn Europa boomt seit Mitte der Nullerjahre Roller Derby: Ein Vollkontaktsport auf Rollschuhen, der einschlägt wie Klitschkos Faust auf Gegners Auge, mit Rollenklischees aufräumt und in seinem Mix aus Sport, Feminismus, DIY, Punk und Pogo sportlich und kulturell ein Phänomen ist. Die östlichsten Vereine fanden sich bisher in Helsinki und Prag. Bisher! Nun ist Roller Derby in Russland angekommen.

Roller Derby bringt internationalen Austausch ins Rollen. Weltweit jedes Team, jede Spielerin ist Teil der sogenannten Derby-Familie. Derbylove ist das Codewort. Mit Roller Derby teilt man mehr als Sport, Roller Derby ist eine Einstellung, ein Lebensgefühl. Rollergirls können boyish oder feminin auftreten, Breite und Größe sind bei diesem Sport egal, jede findet hier ihre Position. Tough sind sie alle.

© Aziz

Pippi Langstrumpf würde heutzutage Roller Derby spielen

Funktionieren tut der Vollkontakt auf Rollschuhen folgendermaßen: Auf einer ovalen Bahn treten zwei Teams gegeneinander an. Pro Team versuchen vier Blockerinnen die Gegnerinnen außer Gefecht zu setzen. Je eine Sprinterin startet hinter den Blockerinnen, muss sich durch das Pack kämpfen und es so oft wie möglich überrunden. Jede überrundete gegnerische Blockerin ergibt einen Punkt. Die Blockerinnen versuchen die Sprinterin am Durchkommen zu hindern: Erlaubt sind Blocks mit Schulter, Hüfte und Hintern, verboten der Einsatz von Händen und Ellbogen, Beinhaken und Kopfnüsse. Dabei achten zahlreiche Referees darauf, dass keine Fouls begangen werden. Das Regelwerk hat fast siebzig Seiten.

Jede Skaterin trägt einen selbstgewählten Derby-Namen: Kalaschnikowa spielt in Berlin, Russian Roulette Babette in Zürich und Pussy Riot in München.

© White Night Furies

Die White Night Furies in St. Petersburg

Seit Mai 2013 gibt es Roller Derby nun auch in Russland. Als erstes in der Stadt mit dem Fenster nach Europa: St. Petersburg. Katerina brachte Roller Derby von einem Aufenthalt in Antwerpen mit, wo sie Philologie studierte und bei den One Love Roller Dolls trainierte. Das erinnert irgendwie an Peter den Großen. Als Katerina - ich nenne sie nun die Große - zurück in ihre Heimat zog, nahm sie Roller Derby mit: Skates, Skills, Know-How und Herzblut. Sie gründete in Piter ein Team und nannte es White Night Furies. Viele der Furien fahren zunächst einmal auf Inline-Skates. Quad-Skates müssen erst im Ausland bestellt werden. Standesgemäß findet das Training auf dem Palastplatz hinter der Eremitage statt. Die Mädels markierten hier auf den Asphalt eine Roller Derby-Bahn, auf der sie bei gutem Wetter ihre Rollschuh-Runden drehen, Schnelligkeit und Standfestigkeit trainieren, verletzungsarmes Fallen, abruptes Bremsen, schnelle Richtungswechsel, harte Blocks ... und wahrscheinlich regelmäßig den Passanten erklären, was sie da eigentlich treiben.

© White Night Furies

Das Prinzip Derbylove

Die Antwort ist nicht schlicht: Roller Derby sei ein Vollkontaktsport auf Rollschuhen. Die Antworten – die einem weltweit gleich gegeben werden - durchdringen die Lebenssphären und gehen ins Politische. Nadeschda (Derbyname: Hope, Hoffnung) beschreibt begeistert die Verschiedenheit ihrer Mitspielerinnen. Sie habe schon viel Sport gemacht, in den meisten Mannschaften waren sich alle langweilig ähnlich. Beim Roller Derby seien alle unglaublich unterschiedlich, jede ist anders, aber das Team funktioniert. Das sollten „alle Herren Länder“ mal nachmachen!
Zhanna, Kapitänin der White Night Furies, erläutert: „Roller Derby gibt mir die Möglichkeit, mich stark zu fühlen, mich als ein Teil der Roller Derby-Welt zu fühlen, in der man sich gegenseitig hilft.“ Und: „Roller Derby öffnet neue Seiten.
Im Winter waren zwei Rollergirls aus Australien in St. Petersburg zu Gast und trainierten die russischen Kolleginnen. Deren Trainerin und Gründerin, Katerina die Große, bemerkt: „Das war eine sehr interessante Erfahrung für viele unserer Mädchen, weil einige von ihnen vorher kaum derlei internationale Kontakte oder Kommunikation hatten.“

© Stefan Groenveld

Roller Derby verbindet

Rollschuhe rollen Richtung Osten. Herzliche Willkommen Roller Derby Russia! Derbylove verbreitet sich – unaufhaltsam. Wir sind stark, wir sind Freundinnen, unsere internationale Gemeinschaft wächst. Auf St. Pauli singen wir: Roll on, roll on, with hope in your hearts. And you never roll aloooooone!
Daniela Chmelik, 34, Slavistin, spielt mit viel Herzblut Roller Derby beim FC St. Pauli - und schrieb vor zwei Jahren für To4ka den Artikel „Roll to Russia, Roller Derby!“

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Juli 2014
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