Umwelt

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Renovierung der kirgisischen Natur

© ....Das Problem, das mit der radioaktiven Strahlung verbunden ist, wiegt in Kirgisistan sehr schwer. Uran-Abraumhalden, die sich noch zu Sowjet-Zeiten gebildet haben, liegen in unmittelbarer Nähe zu bewohnten und touristischen Gebieten. Das ruft unwillkürlich eine negative Reaktion der örtlichen Einwohner hervor. Mehr Details über den Zustand der ökologischen Situation im Lande erzählte der Enthusiast und Ökologe Dmitri Wetoschkin.© Privat

Dmitri, sind denn die örtlichen Bewohner im Recht, wenn sie eine natur- und menschenverträgliche Technik im Sinne der Nachhaltigkeit fordern? Ist ihre Besorgnis angebracht und muss die Umwelt erst Alarm schlagen und allen die unsichtbare Gefahr mitteilen?

Die Angst, die mit der radioaktiven Strahlung verbunden ist, ist absolut verständlich. Ich war zusammen mit dem Katastrophenschutz in den Abraumhalden. Ich hatte keinen Blei-Schutz, deshalb bin ich nicht in den eigentlichen Abraum hineingegangen. Doch das Messgerät hat derart ausgeschlagen! Ich habe mich beeilt, von da weg zu kommen. Und ich bin als Ökologe wirklich dazu bereit, jeden vor dieser Gefahr zu warnen, der nach Kirgisistan fährt.

Warum muss man bis heute dorthin mit Messfühlern und Blei hingehen? Seit der Zeit der Lagerung sind schon viele Jahre vergangen.

© PrivatEs ist unmöglich sie völlig auszulagern. Einerseits graben die Halden diejenigen auf, die nach Metall suchen und es abgeben. Zweitens vergrößert sich das Risiko eines Durchbruchs der Lagerung auf Grund einer erhöhten seismologischen Aktivität. Man hat ja alles nach Standards gemacht, die für ein flaches Gebiet ausgelegt sind, aber in Bergen mit beweglichen Platten löst sich die künstliche Befestigung aus dem Bau bei weitem schneller heraus.

Stimmt es, dass es sich mit den Abraumhalden so verhält wie mit dem Wetter: Es ist unmöglich vorherzusagen, wann und wo genau ein Einbruch stattfindet?

Ich will niemanden erschrecken, in der Presse gibt es bei uns auch schon genügend Kritik diesbezüglich. Aber wir müssen uns auf ein solches Szenario gefasst machen. Eine Erosion des Bodens wird auch unter anderem durch den umfangreichen industriellen Abbau begünstigt. Doch bei uns tauchen einfach so fortwährend immer neue industrielle Objekte in den Bergen auf. Wir schaffen es nicht hinzusehen, wie auf dem Yssykköl –See die Öl-Bohrtürme wachsen. Wissenschaftler bestätigen bereits die Information über Öl- und Gasablagerungen im Yssykköl-Gebiet. Und das ist ein Alarmsignal. Für die Kirgisen ist dieser See heilig und für die ganze Welt ist er eine Oase unberührter Natur. Und wenn man heute sagt, dass Kirgisistan reich an Gold, Honig, Kohle und allen möglichen Erzen ist, aber die Regierung einfach so Lizenzen für ihren Abbau an transnationale Korporationen vergibt, dann erschreckt mich das…nicht nur als Ökologe, sondern auch als Bewohner des Landes. Zweifelhaft an diesen Unternehmen sind selbst die sozial-ökonomischen Dividenden. Der Gewinn geht ja nicht an die Bewohner jener Gebiete, wo die Förderung ausgeführt wird. Dafür bleiben die Abraumhalden vom Abbau in Kirgisistan und für ihre Beseitigung wird kein Geld abgezweigt.

© PrivatAuch wenn die Korporationen für diese Ziele irgendwelche Summen investieren, zeigt die Praxis, dass das nicht ausreicht. Gut ist noch, dass man uns mit diesem Problem nicht alleine lässt. Es existiert ein zwischenstaatliches Zielprogramm zur „Rekultivierung der Gebiete der Staatsmitglieder der EAWG, die dem Einfluss der uranfördernden Produktion ausgesetzt sind“. Ausgearbeitet wurde es durch die russische Korporation „Rosatom“. Vor kurzem, am 5. April, wurde in Moskau entschieden, 16 Millionen Dollar zur Rekultivierung der Abraumhalden nach Kirgisistan zu schicken, die in den Siedlungen Kadschi-Saj und Min-Kusch nicht weit vom Yssykköl-See liegen.

Kann man sagen, dass die Abraumhalden heute das größte ökologische Problem Kirgisistans sind?

Das größte Problem ist die Zerstörung des Öko-Systems als Resultat aus dem industriellen Abbau, der auch zum Teil zur Bildung des Abraums führt. Aber warum wir eben mit den Herausforderungen der transnationalen staatlichen Korporationen zusammen prallen, ist eine Frage auf einer anderen Ebene. Die Sache ist die, dass wir keine normale und einheitliche Politik zur Nutzung natürlicher Ressourcen haben.

Gehört das nicht zu einer Politik zur Nutzung natürlicher Ressourcen? Viele ausländische Firmen lösen ja die sozialen Probleme in der Region eher, als dass die hiesigen Regierungen tun – und beinahe die Hälfte der Einwohner von Yssykköl wird mit Arbeit versorgt.

© PrivatJa, ausländische Firmen arbeiten bei uns schon seit vielen Jahren. Auch wenn es den Kirgisen von Anfang an nicht gefallen hat, dass das Geld des kirgisischen Goldes nach Kanada geht. Seitdem wurden noch viele Lizenzen zum Erzabbau an ausländische Firmen vergeben. Ich nehme es nicht auf mich, über das Maß an Korruption dieses Mechanismus zu urteilen, aber vom ökologischen Gesichtspunkt sind die Probleme der Erzindustrie bei weitem tiefer. Die Politiker sehen sie als eine bedingungslose und vorrangige Entwicklungsbranche. Und das stimmt nicht! Weil sie bislang keine gebührende Ausstattung erwirbt. Wir haben doch bergige Gebiete, aber die Korporationen haben bei uns Technologien, die für die Ebene ausgelegt sind, und dabei sind die Technologien nicht von höchster Qualität. Vor allem sind sie schon selbst abgearbeitet und für die Verwendung in Entwicklungsländern verboten. Im Endeffekt leidet das Öko-System. Das Gespräch führte Oxana Poljakowa

Oxana Poljakowa, 28, Bischkek

Übersetzung: Fabian Erlenmaier

Copyright: To4ka-Treff
Juni 2012

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