Mode und Trends

„Das hatte man damals halt so“

Als Begriff ist das Wörtchen „Mode“ eine Alltäglichkeit. Etwas ist „modern“ oder „in Mode“. Manche sprechen gar von „Mode-Verbrechen, Mode-Opfern und Mode-Sünden“. Aber was hat es mit dem so kleinen und vermeintlich unscheinbaren Wort eigentlich auf sich? Unser Autor hat sich dazu Gedanken gemacht und diese in vier „einfachen“ Fragen niedergeschrieben.

Francisco Huguenin Uhlfelder, CC BY-SA creativecommons.org

Was ist eigentlich Mode?

Geht man auf die Straße und fragt unterschiedliche Leute, was es mit dem Begriff Mode auf sich hat, kann man sich sicher sein, dass die Mehrheit der Antworten irgendetwas mit Kleidung zu tun haben wird. Dabei fällt unter den Begriff Mode viel mehr als nur das. Unser Wort Mode ist mit dem lateinischen modus verwandt, was so viel wie „Art und Weise“ bedeutet. Eine Mode beschreibt also eine Art und Weise, etwas Bestimmtes zu einer bestimmten Zeit zu tun. Was „modisch“ ist, entspricht dem „Zeitgeist“, mit „modern“ ist immer „zeitgenössisch“ gemeint. Es gibt viel mehr, was in sein kann, als nur das Tragen einer bestimmten Kleidung oder Frisur. Genauso kann es zum Beispiel zum Zeitgeist gehören, gewisse Ansichten zu teilen, gewissen Freizeitaktivitäten nachzugehen, gewisse Lebensentwürfe zu haben oder gewisse Dinge zu besitzen (erinnert sich noch jemand an Tamagochis?).

Wer macht Mode?

Jean Gagnon, CC BY-SA creativecommons.org Lustigerweise wird Mode – anders als der Name vermuten lässt – in den seltensten Fällen von so genannten Modemachern gemacht. Mode ist immer ein Open Source-Projekt, zu dem jeder etwas beitragen kann. Zumindest theoretisch. Praktisch gibt es für jede Mode mindestens einen Trendsetter. Bestehendes wird so weit abgewandelt, um als genuin Neues erkennbar zu werden. Damit daraus eine Mode werden kann, braucht es zwei Dinge: Sichtbarkeit und Folgebereitschaft. Der entscheidende Faktor ist dabei der letztere. Das Aufkommen neuer Moden lässt auch immer Rückschlüsse auf die gegenwärtige Gesellschaft zu. So ist stark anzunehmen, dass die wenigsten Menschen sich wirklich kritisch damit auseinandersetzen, was da gerade (von anderen) zur Mode erhoben wird. Wenn man es sich einfach machen und man „dazugehören“ möchte, folgt man ihr eben. Man will ja schließlich kein Spielverderber sein. Oder schlimmer noch: out. Mode ist also zunächst immer nur eine Idee, die erst dadurch zur Mode wird, dass sie viele Menschen übernehmen, sich anpassen, sich unterwerfen.

Welche Bedeutung hat Mode?

© pizuttipics - Fotolia.com „Kleider machen Leute“ wurde uns schon als Kinder eingebläut. Damit wurde uns zum ersten Mal vor Augen geführt, dass die Art und Weise, wie ein Mensch für andere Menschen wahrnehmbar wird (z.B. optisch durch das, was er trägt), zu großen Teilen unseren Umgang mit, bzw. unsere Erwartungshaltung an diesen Menschen beeinflusst. Natürlich wird jede Bedeutung zunächst einmal individuell festgesetzt. Aber es gibt nun einmal Auffassungen, die verbreiteter sind als andere. So ist es zum Beispiel wahrscheinlicher, dass die meisten Menschen einen fröhlichen, aufgeschlossenen Typen eher hinter farbenfrohen als dunklen Klamotten vermuten. Im zeitgeschichtlichen Kontext ist das mit der Mode eine binäre Fragestellung. Entweder folgt man ihr und macht so deutlich, dass man sich dem Hier und Heute und der damit verbundenen „Art und Weise“ zugehörig fühlt oder man folgt ihr nicht und drückt so seine Ablehnung aus. Darin dürfte wohl auch der Grund liegen, weshalb man immer wieder über Bilder der eigenen Eltern stolpert, auf denen diese seltsam bis lächerlich gekleidet sind. Auf die Frage, warum Mutter in den 80ern Schulterpolster getragen hat, folgt dann häufig die ehrliche aber unreflektierte Antwort „Das hatte man damals halt so“ - Aha.

Brauchen wir Mode?

Tomasz Sienicki, CC BY-SA creativecommons.org Mode ist immer identitätsstiftend. Naja, mehr ein Identitätskatalysator; was ich trage, wird von anderen wahrgenommen und interpretiert. Wie es letzten Endes interpretiert wird, hängt natürlich von den Assoziationen der Betrachter ab. Denn nicht nur Schönheit, sondern auch die Aussage von Kleidung liegt in deren Augen. Wobei sich diese Interpretation aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhersagen lässt. Als Erkennungsmerkmal, als „Gesinnungskodex“, als textiles Schubladendenken brauchen wir, also die Gesellschaft, Mode mit Sicherheit nicht. Aber in umgekehrter Blickrichtung kann es für Menschen wichtig sein, ihre Sicht der Dinge durch eine Mode zu bestätigen und sich so selbst darin zu bekräftigen. Sie können die Identität, die sie sich wünschen oder zu haben glauben, dadurch verstärken, dass sie sich, nach ihrer Auffassung, entsprechend einer gewissen „Art und Weise“ bedienen. Die Frage ist also nicht, ob wir als Gesellschaft eine auf diese oder jene Weise geartete Modeerscheinung brauchen, sondern ob das jeweilige Individuum seine Identität aus dem Folgen oder Nichtfolgen einer Mode beziehen möchte oder gar muss. Der Gesellschaft ist es vielleicht höchstens wichtig, dass es überhaupt irgendeine Mode gibt, damit die Zeit, in der sie existiert, verglichen mit anderen Zeitabschnitten ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal erhält. Doch das passiert meist automatisch und liegt nur sehr bedingt im Ermessen dessen, was eine Gesellschaft tun kann; denn längere Zeitabschnitte werden doch eher durch Naturereignisse, weltpolitisches Geschehen und technischen Fortschritt geprägt als durch den gerade angesagten Körperschmuck. Die Frage, ob wir Mode brauchen lässt sich also relativ sicher verneinen. Die viel wichtigere Frage ist: brauchst du Mode? Ich als stets grübelnder Mensch kann diese Frage für mich verneinen. Zumindest sagen mir das meine Ellenbogenflicken auf meinem Lieblingsstrickpullover…
Tobias Betzin

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Oktober 2013
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