Der Torschützenkönig
Einmal im schwarz-weißen Trikot für Deutschland auf dem Rasen stehen: ein Traum vieler Kindern und Jugendlichen - nicht nur in Deutschland. Hans Siemensmeyer, Torschützenkönig bei Hannover 96, berichtet über seine Zeit als deutscher Nationalspieler.
Die goldenen Manschettenknöpfe des dunkelblauen Sakkos funkeln im Sonnenlicht. Er ist eine Legende in seiner Wahlheimat Hannover, die jeder kennt. Der ehemalige Trainer von Hannover 96 und ehemalige deutsche Nationalspieler Hans Siemensmeyer ist unvergessen. Wie zur Bestätigung wollen zwei junge Mädchen von ihm ein Autogramm. Siemensmeyer holt zwei Fotos raus. Das eine ist ein Portraitfoto mit Unterschrift aus seiner aktiven Zeit. Das andere zeigt Siemensmeyer im Kreise seiner Mannschaftskollegen. Wer er wohl sei, kokettiert der Fußballstar. „Keine Ahnung!“, antworten die Mädchen.Ein sichtbar stolzes aber dennoch sehr sympathisches Lächeln huscht über Siemensmeyers Gesicht.
„Der da links ist Franz Beckenbauer, dann kommt Uwe Seeler und in der Mitte mit den hellblonden Haaren, das bin ich.“ Nur dreimal durfte der heute fast 70- jährige im Jahre 1967 im schwarz-weißen Trikot mit dem Adler auf der Brust auflaufen. Doch diese haben ihn geprägt. Immer wieder kommt er im Gespräch auf seine kurze Zeit als Nationalspieler zurück. Er erzählt wie der „Fußball ein Hoffnungsschimmer in der schweren Zeit nach dem Krieg“ war.
Heute verbindet er mit den drei Spielen seine schönsten Momente im Leben. „Das war ein einmaliges Erlebnis, ein Lottogewinn. Damals hatten wir sehr viele talentierte Spieler und hätten bestimmt drei Nationalmannschaften bilden können, das ist heute leider nicht mehr so.“ Was er nicht erwähnt: Im Jahre 1967 konnte sich Deutschland das erste und immer noch einzige Mal nicht für ein großes Turnier qualifizieren. Dafür erinnert er sich gerne an die Abende nach den Spielen. „Wir haben uns alle getroffen und sind etwas trinken gegangen. Dieses Mannschaftsgefühl kann man schlecht beschreiben, man muss es erlebt haben.“ Seinem Verein „Hannover 96“ ist er stets treu geblieben. „Ich schaue mir immer die Heimspiele an, aber vermissen tue ich nichts“, antwortet er auf die Frage, ob er noch gern selbst kicken würde. Denn seitdem er als Profi aufgehört hat, spielt Siemensmeyer heute nicht mehr aktiv Fußball, „dafür bin ich inzwischen zu alt“.
„Ganz unten“ hat er angefangen.
In seiner Familie, einer Bergmannsfamilie aus Oberhausen im Ruhrgebiet, spielen auch sein Vater und sein Onkel Fußball. „Eine andere Sportart als Fußball kam daher gar nicht in Frage.“ Neben dem Fußball, von dem man damals selbst als Profi nicht gut leben konnte, musste man arbeiten. Trotzdem wollte er nichts lieber als ein Profi werden. „Ich war sehr ehrgeizig damals“ erklärt Siemensmeyer seinen späteren Erfolg. „Das Halbfinale werden sie wohl erreichen, aber es wird nicht einfach werden.“ Die Chancen der deutschen Nationalmannschaft bewertet er nach der Verletzung des erfahrenen „Capitanos“ Michael Ballack eher skeptisch. Siemensmeyer hofft auf den „Jetzt-Erst-Recht-Effekt“. „Vielleicht schafft es Schweinsteiger, diese Lücke zu schließen. Nach seiner sehr guten Saison bei Bayern München ist ihm das durchaus zuzutrauen“.Nach Südafrika fährt Siemensmeyer nicht. „Ein bisschen Hemmungen hab ich schon und ich kann es mir leider nicht leisten. Als Fan hätte ich etwas Angst dort hinzufahren.“ Für die Spieler sieht er aber keine Gefahr. „Die fahren schließlich nicht hin, um das Land kennen zu lernen, sondern um Weltmeister zu werden. Da gibt es keine Rundreisen, das ist kein Kindergeburtstag!“, macht Siemensmeyer deutlich. Auf die Frage, ob er sich auf die euphorischen afrikanischen Fans freut, antwortet er, dass ihn das Geräusch des für Südafrika typischen Blasinstrumentes Vuvuzela stört: „Ich fände es gut, wenn diese Tröte in den Stadien verboten würde. Das Geräusch ist so was von widerlich! Die Trommeln sind viel schöner, die haben Rhythmus.“
Damals als der Hannoveraner selbst aktiv spielte, gab es kaum große Fahrten ins Ausland.
„Dass wir mit dem Flieger nach Bukarest geflogen sind, war für mich und alle Mitspieler etwas ganz Besonderes.“Das Karriereende als Spieler musste Siemensmeyer mit einem Abstieg von Hannover 96 in die 2. Bundesliga hinnehmen. Auch seine einjährige Trainerzeit von 1988/89 beim gleichen Verein endete mit einem Abstieg in die 2. Liga. Trotzdem bleibt Siemensmeyer in Hannover unvergessen, als Spieler, der die meisten Tore in der Vereinsgeschichte erzielt hat.
Name: Hans Siemensmeyer
Alter: 69
Position: Mittelfeld, Stürmer
Persönlicher WM-Tipp: Deutschland erreicht das Halbfinale.
Lieblingsverein: Hannover 96
Spiel des Lebens: Deutschland – Frankreich (27.09.1967)
Alter: 69
Position: Mittelfeld, Stürmer
Persönlicher WM-Tipp: Deutschland erreicht das Halbfinale.
Lieblingsverein: Hannover 96
Spiel des Lebens: Deutschland – Frankreich (27.09.1967)
Jan-Henrik Wiebe, 22,
arbeitet zur Zeit als freier Autor/Fotograf
Copyright: to4ka-treff
Juni 2010
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Juni 2010











