Toleranz

Wo hört für dich Toleranz auf?

Copyright: Diane Tolson

Fremdenfeindlichkeit, Belästigung oder Mobbing- kann man das tolerieren, wieviel darf man durchgehen lassen. Wann heißt es "jetzt ist genug", bis hierhin und nicht weiter? To4ka-Treff hat junge Leute aus Deutschland, Russland und Usbekistan befragt, wo ihre Toleranzgrenze liegt.

 

Copyright: Diane TolsonTom van den Hurk, 23, Regisseur aus Duisburg, wohnt jetzt in Glasgow

Toleranz hört dort auf, wo ich die Freiheit der eigenen oder einer anderen Person einschränke. Toleranz hört dort auf, wo ich Schaden zufüge. Toleranz hört dort auf, wo Toleranz den Intoleranten gewährt wird.

 

Olga Syrowa, 21, studiert am Institut für Journalistik und kreatives Schreiben in Moskau

Copyright: Olga SyrowaMeine Toleranzgrenze ist erreicht, wenn es um so negative Angelegenheiten im Leben geht wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus. Im Prinzip kann ich nicht tolerant bleiben, wenn jemand einen aggressiv anpöbelt, weil er zum Beispiel eine andere Hautfarbe hat oder Nationalität. Ich finde, dass das wilde Raserei ist, im 21. Jahrhundert mit anderen Menschen auf die Art und Weise umzugehen nur weil die anders als man selbst ist.

 

Adem Dolas, 29, Medizinstudent an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Copyright: Agata RomanskaEin Verhalten, das ich nicht gutheiße, aber dennoch "erdulde" heißt Toleranz. In einem Rechtsstaat hört Toleranz dort auf, wo ich die persönlichen, zivilen oder sonstigen Rechte meines Gegenüber verletze. Im Alltag wiederum muss diese Grenze von jedem im jeweiligen Einzelfall abgewogen werden, da Toleranz zur Überwindung eines Fehlverhaltens beitragen kann.

 

Shahlo Khamrakulova, 30, Projektassistentin für Kulturprojekte in Usbekistan

Copyright: Shahlo KhamrakulovaIch arbeite schon sei einigen Jahren in ausländischen Organisationen und möchte sagen, dass es keine Toleranzgrenze gibt. Eine alltägliche und rege Kommunikation hilft ins Innere eines „fremden“, „andersartigen“ Menschen durchzustoßen und ihn besser kennenzulernen. Allmählich fängt man an seine Beweggründe zu verstehen, also Verhaltensweisen und Ansichten, die auf dem ersten Blick noch unverständlich waren. Verschiedene Menschen, unterschiedliche Kulturen – das ist doch nichts sonderbares, sondern einfach Mysterium. Ich denke, Toleranz ist eine Eigenschaft des Charakters eines Menschen, der Achtung vor den Überzeugungen anderer hat, dabei bleibt er sich selbst treu. Und die Grenzen der Toleranz erschafft der Mensch selbst.

 

Julia Große-Vorholt, 22, aus Oberhausen, studiert an der Unversität Duisburg-Essen Kulturwirtschaft

Copyright: Maria RomanskaToleranz hört für mich auf, wo Intoleranz und Gewalt beginnen. Wer gehört und respektiert werden will muss auch anhören und respektieren können. Toleranz braucht Vernunft und sollte immer auf Gegenseitigkeit beruhen.

 

 

Konstantin Scharanov, 22, Linguist, Dozent für Fremdsprachen

Copyright: Konstantin ScharanovEs gibt keine Dinge, wo ich intolerant sein kann. Die Sache sieht natürlich anders aus, wenn meine Rechte und Freiheiten einschränkt werden. In Stereotypen zu denken versuche ich zu vermeiden. Und die Begriffe „Toleranz“ und „Stereotyp“ sind eng mit einander verschlungen, meiner Meinung nach. Manchmal gefällt es mir nicht, wenn irgendjemand absichtlich provokativ gekleidet ist oder sich komisch benimmt. Aber ich würde es nicht verallgemeinern. Ich kann es mir aber nicht erlauben meine Unzufriedenheit zu äußern. Wenn ein Mensch Intoleranz öffentlich am Menschen gegenüber ausübt, dessen Ansichten er nicht teilt – dann bedeutet das, dass ihm die Erziehung in der Kindheit fehlte. Oder er ist einfach beschränkt. Solche Leute tun mir leid.

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Mai 2011

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