Arbeitswelten


Mit Kunst von Almaty nach New York

Vor ein paar Jahren hat sich mein Leben total verändert: die moderne Kunst ist buchstäblich in mein Leben hineingestürmt. Und damit (nach sieben Jahren des Bürolebens und der Arbeit im PR-Bereich) ist das Bewusstsein, wohin und warum ich gehe, gekommen.

Heute lebe ich meinen Traum und beschäftige mich damit, was für mich wichtig ist, wozu ich bereit bin, mein Leben zu widmen. Allerdings beginnt alles erst jetzt. Ich fühle, dass ich am rechten Platz und auf dem richtigen Weg bin.

Raus aus dem Büroalltag


Wie Anna d'Harnoncourt, Kuratorin und Direktorin des Kunstmuseums von Philadelphia (USA) sagte: „Man muss schauen, schauen und schauen, und danach nochmal schauen, denn nichts kann diese Erfahrung ersetzen“. Auch deswegen bin ich im Jahr 2016 nach New York, ins Zentrum der modernen Kunst, gezogen. Hier lerne ich Englisch, besuche Ausstellungen, Museen, Galerien. In der Zukunft möchte ich eine Fachausbildung im dem Bereich der Kunst machen, aber ich habe noch nicht entschieden, wo genau.

Alles hat Anfang 2015 begonnen, als ich aus Rom nach Almaty zurückkehrte. Als ich im Flugzeug saß, kreisten Fragen in meinem Kopf: „Wozu kehre ich zurück, was mache ich, wofür verwende ich mein Leben?“. Zu dieser Zeit arbeitete ich als PR-Managerin bei der Stiftung des ersten Präsidenten von Kasachstan, die kreative Jugendliche unterstützt. Ja, mir gefiel die Atmosphäre, es war angenehm, jungen Musikern und Künstlern zu helfen, aber der Arbeitstag von neun bis sechs und die Büroroutine waren nicht das, wonach ich strebte.

Kunst war immer meine Leidenschaft: ich verfolgte das Schaffen kasachischer Künstler und globale Trends, beschäftigte mich im Selbststudium mit Kunstgeschichte. Mein Impuls, mich an die Akademie der Künste einzuschreiben, führte dazu, dass ich mich an der Fakultät für Geschichte der kasachischen nationalen Al-Farabi-Universität wiederfand. Ich hatte Gelegenheit, bei einem starken Lehrkörper am Institut für allgemeine Geschichte zu studieren. Die Grundlage, die von der Universität gelegt wurde, hilft mir ohne Zweifel noch heute.

Da ich mich immer für Probleme der persönlichen Entwicklung interessierte und meine Kollegen und Freunde mich häufig um Hilfe baten, beschloss ich, meine Fähigkeiten auf ein professionelles Niveau zu heben. Ich absolvierte einen Kurs in 3D-Coaching und begann als Coach für persönliche Entwicklung zu praktizieren. Im Endeffekt bewegte mich genau das zur Suche und Umsetzung meines Potenzials.

Vom Puzzle zum Gesamtbild


Als ich aus Rom zurückkehrte, verließ ich meinen Job, obwohl er mir finanzielle Stabilität und Perspektiven gegeben hatte. Ich wollte mein Leben zur Harmonie führen, frei sein, meine Arbeit genießen.

Während ich dachte, was ich weiter machen sollte, begannen meine Freunde und ich die Entwicklung des Projekts eines Kunstfestivals. Ich hatte schon Erfahrung in der Organisation von internationalen Foren, Konferenzen, großen Projekten. Gemeinsam bereiteten wir das Projekt des Festivals für moderne Kunst, Architektur und Design „Astana Art Fest“ vor. Es wurde von der Verwaltung der Stadt Astana unterstützt und fand schon zweimal im Zentrum der Hauptstadt erfolgreich statt. Dies war meine erste Erfahrung als Kuratorin. Natürlich konnte sie nicht ohne Unterstützung der Künstler auskommen, ich musste sehr viel im Laufe des Prozesses lernen. Wie ein Puzzle ist ein Gesamtbild erschienen: ich habe meine Tätigkeit als Kuratorin fortgesetzt. Bald kam mir in den Sinn, die kreative Kommunikationsplattform Artcom zu schaffen, welche als Plattform für Meinungsaustausch und Bildung funktioniert und auf der Kulturschaffende aus verschiedenen Bereichen zusammentreffen.

Wenn man Bildung als Prozess der Gewinnung von Kenntnissen und der Herausbildung von Verstand und Denken betrachtet, kann man sagen, dass sie nicht unbedingt fachorientiert sein muss, denn nicht alle Jugendliche wissen, was sie von Beruf sein möchten. Aber man soll auf jeden Fall ein Profi sein. Viele Menschen kommen zunächst zu einem Beruf und bekommen danach ein Diplom. Zum Beispiel kommen heutzutage Menschen aus verschiedenen Bereichen in die Welt der modernen Kunst: Journalisten, Musiker, Ärzte, und sie machen das ausgezeichnet.

Auf den ersten Blick scheinen PR, Coaching und moderne Kunst absolut verschiedene Bereiche zu sein, aber in meinem Leben sind das untrennbare Dinge, deren Basis die Kommunikation ist. Moderne Kunst ist für mich in erster Linie Bildung. Sie ist etwas, was mich zum Denken nötigt und meine Weltanschauung herausbildet. Sie ist Sprache, ein Mittel der Kommunikation, des Aufbaus des Dialogs zum Erreichen gegenseitigen Verständnisses. Coaching hilft mir, Menschen und ihre Wünsche zu verstehen, die PR-Erfahrung hilft mir in Fragen der Organisation, bei der Entwicklung und Förderung von Projekten.

Ich bin überzeugt, dass es nichts Zufälliges im Leben gibt, und wenn man irgendeine Erfahrung hat, wird sie dir bestimmt zu Nutze kommen.
© Aigerim Kapar

Aigerim Kapar


Künstlerin, Gründerin der kreativen Kommunikationsplattform Artcom. Co-Kuratorin des Festivals für moderne Kunst, Architektur und Design „Astana Art Fest“. Almaty, Kasachstan.

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