Papier


Geld: RUB

Maria Bolschakowa, Russland

  • Maria Bolschakowa,
    Moskau
    Krasnojarsk, Archangelsk, Jaroslawl, St.Petersburg, Moskau und Chabarowsk: Was vereint diese russischen Städte? Sie alle sind auf verschiedenen, russischen Geldscheinen verewigt. Beim Entwerfen der Geldscheine, wie man sie heute in Russland kennt, beschloss man, anstelle historischer Persönlichkeiten lieber die Wahrzeichen russischer Städte abzubilden.
  • Wenn man über Geld spricht, ist es schwer sich daran zu erinnern, was auf dem einen oder anderen Schein drauf ist. Kann ein Geldschein andere Gedanken hervorrufen, außer dass man mit diesem „seelenlosen Schein“ im Supermarkt bezahlt? Ich habe ein bisschen nachgedacht und mir sind zu jedem Schein kleine Geschichten eingefallen, die ich hier gerne teilen möchte.
  • © Maria Bolschakowa
    10 Rubel
    Der kleinste russische Geldschein, der 10-Rubelschein gehört schon fast der Vergangenheit an. Die letzten Jahre wird er immer stärker durch die 10-Rubel Münze verdrängt. Deswegen: Wer den Schein noch in die Hände bekommt, ist ein Glückspilz. Darauf zu sehen sind die Brücke über den Fluß Enisej und der Glockenturm in Krasnojarsk.

    Ich persönlich finde es total schade, dass der Zehner bald nicht mehr im Umlauf ist, denn solche Scheine sind Geschichtenerzähler. Schon oft habe ich einen mit Handynummer oder anderer Info in die Hände bekommen. Wer keinen Zettel zur Hand hat, notiert eben auf dem Zehner und mit solch einer Nachricht ist dieser Geldschein auf einmal viel mehr wert.
  • © Maria Bolschakowa
    10 Rubel
    Kaufen kann man heute für 10 Rubel allerdings nur noch höchstens Kaugummi. Aber als ich klein war, dachte ich, dass 10 Rubel sehr viel Geld sind, damals konnte man dafür noch viele ungesunde Süßigkeiten kaufen.

    Also, mein Rat: Wenn ihr einen Zehner in die Hand bekommt, dann gebt ihn nicht aus, macht daraus eine kleine Origamifigur, um den Schein nicht zu verlieren. Mir haben Freunde genau so eine Figur geschenkt und seit dem trage ich sie in meinem Geldbeutel. Immer, wenn ich darauf stoße, muss ich lächeln.
  • © Maria Bolschakowa
    50 Rubel
    Auf dem 50-Rubelschein ist die Kulturhauptstadt Russlands, St.Petersburg, abgebildet. Auf der einen Seite sieht man die Börse und die berühmten Rostrasäulen. An wichtigen Tagen (Tag des Sieges, Stadtfest etc.) werden die Säulen angezündet, ihr Leuchten sieht man schon von Weitem. Auf der Rückseite des Scheins kann man die Newastatue bewundern.
  • © Maria Bolschakowa
    50 Rubel
    Für mich sind 50 Rubel etwas Besonderes, denn das war das erste Geld, was ich je verdient habe. Meine Freunde und ich haben als Kinder den neuen Nachbarn geholfen Kisten mit Geschirr und Blumen aus dem Hof in die neue Wohnung zu tragen und haben dafür 50 Rubel bekommen. Wir waren zu dritt und hatten nur einen Schein, der sich nicht teilen ließ. Also sind wir in den Supermarkt gegangen und haben für jeden Schokoeis gekauft. So schnell und einfach habe ich mein erstes Geld verdient und ausgegeben. Auch heute kann man für 50 Rubel Eis kaufen, allerdings nur eins. Außerdem lässt sich davon auch ein Brot kaufen und eine halbe Stunde Citybike fahren.
  • © Maria Bolschakowa
    100 Rubel
    Auf dem 100-Rubelschein ist das berühmte Moskauer Bolshoj Theater zu sehen. Auf der Rückseite — Appolo auf der Quadriga, die das Portal des Theaters schmückt. Vor Kurzem war der Hunderter im Mittelpunkt heißer Diskussionen. Einige Abgeordnete hatten den Vorschlag, die Quadriga auf der Banknote durch ein anderes Bild zu ersetzen, da Appolo nackt ist und angeblich zu pornografisch rüberkommt. Aber zum Glück wurde diese Idee wieder verworfen und bekam nicht genügend unterstützende Stimmen.
  • © Maria Bolschakowa
    100 Rubel
    Für 100 Rubel kann man heute das Standardfrühstück eines Studenten kaufen (mein Frühstück): zwei Bananen, ein Yoghurt und ein Brötchen. Außerdem kann man dafür auch vier Bilder aus dem Instagramaccount in einem Spezialautomaten ausdrucken, den man mittlerweile immer öfter in großen Shopping Malls trifft. Und in der berühmten Petersburger Bäckerei mit den leckersten Brötchen und Gebäck „Pischetschnaja“ bekommt man für das Geld sogar vier Brötchen und eine Tasse Kaffee. Im Russischen gibt es das Sprichwort: „Habe keine 100 — Rubel, aber dafür 100 Freunde“. In meinem Freundeskreis ist diese Volksweisheit etwas abgeändert worden: Hat man 100 Freunde, kann jeder 100 Rubel für ein tolles Projekt oder eine tolle Idee spenden (z.B. für einen gemeinsamen Ausflug in eine andere Stadt). Pragmatisch, praktisch, gut.
  • © Maria Bolschakowa
    500 Rubel
    Auf diesem Schein kann man die Stadt Archangelsk und das Solowetzki-Kloster bestaunen. Auf der Rückseite — ein Denkmal für Peter den Großen. Dieser Schein wurde schon oft modifiziert. Erst sah man einen Doppeldecker in der Bucht vor dem Kloster stehen. In Wirklichkeit wäre das in der Realität gar nicht möglich gewesen, denn das Kloster liegt an einem See, der für solch ein Schiff nicht tief genug wäre.
  • © Maria Bolschakowa
    500 Rubel
    Deswegen hat man das Bild auf dem Schein verändert. Außerdem hat man erst 2011 bemerkt, dass das Kloster auf dem Fünfhunderter eine Zeitperiode zeigt, in der es zum „Solowetzki Straflager für Schwerverbrecher“ umfunktioniert war. Also änderte man auch das und nun ist sowohl das Kloster als Kloster zu sehen, als auch der See ohne Schiff.

    Für 500 Rubel kann man sich schon etwas mehr leisten: Kino für zwei in Moskau (allerdings nur morgens, dann sind die Tickets billiger), ein paar Bücher (z.B. auf der Moskauer Buchmesse), 20 U-Bahnfahrten in Moskau.
  • © Maria Bolschakowa
    1.000 Rubel
    Auf dem 1000-Rubelschein ist die Stadt Jaroslawl zu sehen, beziehungsweise ihre Sehenswürdigkeiten. Ich persönlich mag diesen Schein am liebsten, denn Jaroslawl hat viel Ähnlichkeit mit meiner Heimatstadt - „Malojaroslawez“ („Klein-Jaroslawez“). Deswegen habe ich mich als Kind immer gefragt, warum meine Stadt nicht auch auf dem Tausender zu sehen ist. Aber nicht alle Städte schaffen es auf den Schein.
  • © Maria Bolschakowa
    1.000 Rubel
    Auf der anderen Seite des 1000-Rubelscheins ist der Großfürst Jaroslaw der Weise zu sehen, der die Stadt 1010 gegründet hat und eine der schönsten Kirchen Russlands, die Johann Predtechi Kirche. Übrigens ist der Schein auf dem Foto vor dem Hintergrund einer anderen Kirche abgebildet (Alexander-Nevski-Kathedrale in der Stadt Pereslawl-Salesski), aber das ist nur schwer zu bemerken.

    Mit 1000 Rubeln lässt sich viel anfangen: Man kann für fünf Stunden ins Vergnügungsbad, zu zweit bei McDonalds essen, eine Flasche Rotwein kaufen oder in den Moskauer Zoo und danach in die Tretjakow Galerie gehen.
  • © Maria Bolschakowa
    5.000 Rubel
    Wenn ich meine Freunde frage, welche Gedanken der 5000-Rubelschein bei ihnen hervorruft, so sagen alle Ähnliches: Wäre schön, diesen Schein öfter in die Hände zu bekommen; er gibt mir Sicherheit; wird allerdings im Supermarkt nicht immer gern genommen.

    Auf diesem Schein sehen wir die Stadt Chabarowsk im russischen Fernen Osten, die Brücke über den Fluss Amur und das Denkmal von Nikolai Murawjw-Amurski — dem Stadtgründer. Er hat außerdem viel dazu beigetragen, weitere Städte zu erobern, die heute zu Sibirien gehören.
  • © Maria Bolschakowa
    5.000 Rubel
    Meine persönliche Geschichte, die mit dem 5000-Rubelschein zu tun hat, passierte während der Semesterferien und hatte natürlich mit einem Nebenjob zu tun. Es war August, ich kam gerade mit Bergen an Geschenken nach einem Praktikum aus Deutschland zurück und mit null Geld auf dem Konto. Ich musste dringend etwas tun, denn sonst drohte mir quasi der Hungertod. Der Job, den ich auf die Schnelle fand, bestand darin, in traditionellem Kostüm auf dem Roten Platz zu stehen und Süßigkeiten zu verkaufen. In drei Tagen habe ich genau 5000 Rubel verdient. In diesen drei Tagen hatte ich das Gefühl, dass ausnahmslos alle Ausländer ein Foto mit mir geschossen haben. Mein Chef schlug mir sogar damals vor, ich solle doch Geld dafür verlangen, was ich natürlich nicht gemacht habe. Sich für drei Tage wie ein Star zu füheln, ist nämlich mit keinem Geld der Welt zu bezahlen.

    Mit 5000 Rubeln in der Tasche kann man sich vieles leisten. Küchengeräte, ein Abo im Fitnessclub um die Ecke oder sogar ein Theaterabo und ein Zugticket von Moskau nach Sochi oder einen neuen Koffer.
  • P.S.
    2.000 Rubel
    Noch dieses Jahr, 2017, sollen angeblich neue Banknoten in Umlauf kommen — die 2000-Rubelscheine. Welches Design der neue Schein haben wird, soll durch öffentliches Abstimmen entschieden werden. Aber ich denke, welche Stadt auf diesem Schein zu sehen sein wird, ist klar: Es kann nur Wladiwostok sein. Denn es gibt kaum jemanden, der in Russland nicht den Song der kultigen Rockband aus Wladiwostok mit dem Titel „Wladiwostok 2000“ kennt.

    Und das wäre das erste Mal in der Geschichte der russischen Rubelscheine, dass eine Musikband quasi zur Entscheidung beigetragen hat, welche Stadt auf dem Schein zu sehen ist.

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