Neue Medien und Digitalisierung

Digital und nicht unbedingt kostenlos – die Zukunft der Wörterbücher

Online-Wörterbuch | © kid a - Fotolia.com

Online-Wörterbücher haben für die Nutzer viele Vorteile gegenüber dicken Papierwälzern. Aber kann es Qualitätsprodukte von Duden und Co. auf Dauer umsonst geben?

Sie sind sich unsicher, wie man ein Wort richtig schreibt? Sie suchen die Übersetzung für einen deutschen oder englischen Begriff? Sicherlich holen auch Sie in bestimmten Situationen gerne noch das Wörterbuch aus dem Regal. Aber wenn wir am Computer sitzen oder mit Smartphone oder Tablet unterwegs sind, sind die digitalen Alternativen attraktiver. Allein das Internetwörterbuch des Duden wird laut einer Studie des Bibliographischen Instituts in Mannheim jeden Monat von mehr als 5 Millionen Besuchern genutzt. Auch Portale wie Dict.cc oder Sprachnudel.de, hinter denen keine bekannten Marken stehen, und deren Inhalte fast vollständig durch die Nutzer selbst generiert werden, erzielen hohe Zugriffe. Eine Befragung des Instituts für Deutsche Sprache aus dem Jahr 2010 kam zu dem Ergebnis, dass knapp die Hälfte der Befragten hauptsächlich Internetwörterbücher nutzt, während 40 Prozent sowohl Print- wie Onlinewörterbücher konsultieren.

Online-Wörterbücher: Schnell, einfach und interaktiv

Die Vorteile digitaler Wörterbücher liegen auf der Hand: Die Suche per Eingabe ist schneller und einfacher als das Blättern im dicken Wälzer. In vielen Fällen ergeben sich aus den Suchanfragen oder Vorschlägen der Nutzer neue Einträge. Bestenfalls führt dies dazu, dass sogar tagesaktuelle Wortschöpfungen zu finden sind. „Wenn unbekannte Begriffe in Fernsehsendungen erwähnt werden, kommen einige hundert Leute zur Sprachnudel und diskutieren, was das bedeutet“, berichtet etwa Naden Badalgogtapeh, der das Neologismen-Portal Sprachnudel.de im Jahr 2005 gemeinsam mit einem Kollegen aus reinem Spaß an der Sprache gegründet hat.

Aber auch etablierte Wörterbuchverlage wie der Dudenverlag und öffentlich finanzierte Lexikografie-Institute haben ihre Inhalte digital aufbereitet: häufig zunächst auf CD, dann als Internetwörterbücher oder Smartphone-Apps. „Der Umfang spielt anders als in Buchproduktionen plötzlich gar keine Rolle mehr. Als Wörterbuchverlag im Internet haben wir zudem die Möglichkeit, mit unseren Kunden direkt in Kontakt zu treten, indem wir beispielsweise ein digitales Wörterbuch mit einer Sprachberatung koppeln“, sagt Sabine Krome, Chefredakteurin der Reihe „Wahrig“ beim Brockhaus-Verlag. Und Wolfgang Walther von der Wörterbuchredaktion des Langenscheidt-Verlags betont: „Denken Sie daran, dass die Möglichkeit der Sprachausgabe bei digitalen Wörterbüchern eine hochkomplizierte Lautschrift ersetzt und dass man Wörter und bildliche Darstellungen verknüpfen und auch Deklinations- und Konjugationstabellen zu Substantiven und Verben besser darstellen kann. Hier sind den Möglichkeiten fast keine Grenzen gesetzt.“

Benutzbarkeit versus Kulturerhalt – wie viel Expertise braucht der Nutzer?

Klar ist aber auch, dass nicht alle Informationen im Internet den gleichen Qualitätsmaßstäben gerecht werden. Für Nutzer kann es schwierig sein, die Verlässlichkeit der gefundenen Ergebnisse einzuschätzen. Während einige Anbieter Nutzerbeiträge ungeprüft online stellen, prüfen andere jeden Eintrag redaktionell. „Manche Nutzer geben sich keine Mühe oder geben zum Beispiel Namen von Personen ein, die sie veräppeln möchten. Wir prüfen deshalb jeden Eintrag und sortieren dieses ‚Rumgetrolle‘ raus. Trotzdem sind unsere Inhalte eher unzuverlässig, denn oft gibt es neue oder auch mehrere Bedeutungen, also kein wirkliches ‚richtig‘ oder ‚falsch‘“, meint Badalgogtapeh von Sprachnudel.de. Vertreter etablierter Verlage haben hingegen einen hohen Anspruch an die eigene redaktionelle Arbeit. „Wie bei gedruckten Büchern müssen auch digitale Inhalte von einer ausgebildeten Redaktion geprüft werden, die die Regeln kennt und sich mit der Herkunft von Wörtern auseinandersetzen kann“, betont Werner Scholze-Stubenrecht, Programmleiter des Duden-Wörterbuchs.

Finanzierung durch das Fachpublikum – und mithilfe öffentlicher Projekte?

Die hohen Qualitätsansprüche der etablierten Wörterbuchverlage stehen aber im Widerspruch zu der Tatsache, dass die Nutzer für Online-Inhalte in der Regel kein Geld ausgeben möchten: So kam etwa der Duden-Verlag Ende 2009/Anfang 2010 in einer groß angelegten Marktstudie zu dem Ergebnis, dass es nur eine sehr geringe Zahlungsbereitschaft für Online-Wörterbuchinhalte gibt. Man entschied sich bei Duden damals für ein kostenfreies, werbefinanziertes Portal, das sich laut Scholze-Stubenrecht aber bisher noch nicht als wirtschaftlich tragfähig erwiesen hat. Auch Modelle, bei denen Käufer der Printversion ohne Aufpreis auf digitale Produkte oder passwortgeschützte Zusatzinhalte im Internet zugreifen können, scheinen das Problem auf Dauer nicht in den Griff zu bekommen. Zumal die Verlage auch mit weiteren Veränderungsprozessen wie dem Rückgang des Buchhandels und der Schülerzahlen zu kämpfen haben.

Deshalb denken etwa Duden und Brockhaus mit dem „Wahrig“ jetzt zunehmend über bezahlpflichtige Inhalte im Internet nach. Damit hat der Langenscheidt-Verlag bereits gute Erfahrungen gemacht: „Gerade das Fachpublikum – Übersetzer, Dolmetscher, Professoren bestimmter Wissenschaftsbereiche – ist durchaus dazu bereit, für eine qualitativ hochwertige App 50 Euro auszugeben“, erklärt Wolfgang Walther. Eine mögliche Alternative, so Sabine Krome, wären auch Kooperationen mit öffentlich finanzierten Institutionen wie Hochschulen oder Forschungsinstituten, sowie mit anderen Verlagen, um auch in Zukunft qualitativ hochwertige Inhalte im Internet teilweise kostenlos anbieten zu können. Welche Rolle Print-Wörterbücher in Zukunft spielen werden, ist derweil ungewiss: Trotz der Vorteile, die Online-Wörterbücher bieten, gibt es bisher jedenfalls noch eine beträchtliche Anzahl an Menschen, die zum Nachschlagen auch gerne mal ein Buch in die Hand nehmen.

Janna Degener
arbeitet als freie Journalistin in Königs Wusterhausen bei Berlin.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion
April 2014

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