Schnelleinstieg:

Direkt zum Inhalt springen (Alt 1) Direkt zur Hauptnavigation springen (Alt 2)

Integration von Fachkräften
Wie kann der Brückenschlag gelingen?

Drei junge Menschen lachen und haben die Arme umeinander gelegt
© Colourbox

Welchen Stellenwert hat Sprachvermittlung für die Integration von Fachkräften? Die Kurzanalyse „Deutsch lernen für ein Leben in Deutschland“ beleuchtet den aktuellen Forschungsstand und eigene Erkenntnisse aus Projekten, Erhebungen und Evaluationen des Goethe-Instituts. Ergebnis: Die frühzeitige und passgenaue Sprachförderung ist für ein modernes Einwanderungsland unverzichtbar.

Ob es um den Erfolg beim Vorstellungsgespräch geht oder um die Chance, neue soziale Kontakte zu knüpfen: Menschen, die aus Ländern außerhalb der EU nach Deutschland kommen, um hier zu arbeiten und zu leben, stehen nicht zuletzt vor großen sprachlichen Herausforderungen. Die Kurzanalyse „Deutsch lernen für ein Leben in Deutschland“ beleuchtet, wie sich der Spracherwerb auf den Integrationsprozess bei der Gruppe der ausländischen Fach- und Arbeitskräfte, die freiwillig und geplant ihre Heimat verlassen, auswirkt. Grundlage sind jüngste wissenschaftliche Quellen sowie Erhebungen und Evaluationen, die das Goethe-Instituts zwischen 2012 und 2022 erstellt hat. Ausgangspunkt ist, dass Deutschland aufgrund des demografischen Wandels, der mit großen Engpässen auf dem Arbeitsmarkt einhergeht, auf ausländische Fachkräfte angewiesen ist.

Der Migrationsprozess: widersprüchlich und herausfordernd

Strategien rund um die Entwicklung zu einem modernen Einwanderungsland, die sich im Fachkräfteeinwanderungsgesetz widerspiegeln, sind nicht frei von Zielkonflikten. So lautet eine zentrale Frage: Wie lässt sich der Anspruch auf sprachliche und interkulturelle Vorkenntnisse mit dem Interesse an möglichst niedrigen Zugangshürden vereinbaren? Unstrittig ist: Um mehr Fachkräfte gewinnen zu können, ist der Ausbau von Sprachförder-Angeboten im Ausland allein nicht ausreichend. Wichtig ist laut Studienlage, darüber hinaus Barrieren abzubauen, die Menschen bisher davon abgehalten haben, nach Deutschland zu kommen. Dieses Spannungsfeld ist eines von vielen, die den Integrationsprozess erschweren. Um die Vielfalt der Herausforderungen strukturiert abzubilden, gliedert die Kurzanalyse den gesamten Migrationsprozess in drei Abschnitte: in die Vorbereitungs-, die Übergangs- und die Integrationsphase.

Spracherwerb und Migration: Was Deutschlernen attraktiv macht

Die Vorbereitungsphase ist zunächst davon gekennzeichnet, dass Menschen aus Drittstaaten sich für Deutschland interessieren. Was die Gründe betrifft, werden neben guten Arbeits- und Karrieremöglichkeiten vor allem die hohe Lebensqualität und Sicherheit genannt. Als potenzielle Hemmnisse gelten dagegen die Arbeitssuche, fehlende finanzielle Mittel und mangelnde Sprachkenntnisse. Tatsächlich fällt Migrantinnen und Migranten das Deutschlernen umso schwerer, je fremder es scheint – in Schrift, Aussprache oder Struktur. Umso wichtiger, so der Rat der Wissenschaft, Angebote zur frühen Sprachförderung stärker auszubauen, da sich der frühe Besuch von Sprachkursen positiv auf die Migrationsentscheidung auswirkt. Eine weitere Empfehlung lautet, bei Angeboten rund um den Spracherwerb immer auch die Lebenslagen, Motivationen und Bedarfe der unterschiedlichen Zielgruppen zu berücksichtigen.

Mit dem Ausbau der Sprachlernangebote wird das Goethe-Institut auch weiterhin eine wichtige Funktion im Kontext der Migration übernehmen. Fachkräfte aus Herkunftsländern mit mindestens einem Goethe-Institut weisen bei der Einreise bessere Deutschkenntnisse auf. Hinzu kommt, dass mit der wachsenden Zahl von Goethe-Instituten die Migrationsraten aus diesen Ländern steigen. Mehrsprachigkeit ist in vielen nationalen Bildungssystemen verankert und in einigen Regionen nimmt das Interesse an Deutsch als zweiter Fremdsprache (nach Englisch) zu. Eine Empfehlung der Kurzanalyse lautet, dies als Ansporn zu verstehen, verstärkt am Image der deutschen Sprache im Ausland zu arbeiten.

Unterwegs nach Deutschland: Warum sich Sprachkenntnisse bezahlt machen

In der Übergangsphase sind die Fachkräfte in spe über viele Monate hindurch mit Prüfungsvorbereitungen, der Visa-Beantragung und Arbeitsplatzsuche beschäftigt. Nach der Einreise befragte Migrantinnen und Migranten bestätigen, dass es hilfreich ist, sich bereits in der Heimat ein konkretes Bild vom Leben und Arbeiten in Deutschland zu machen. Dabei werden Vorintegrationsangebote umso wichtiger, je stärker sich Herkunfts- und Zielland unterscheiden. Damit dieser Brückenschlag gelingt, sollten entsprechende Kurse die kulturellen und politischen Prägungen der Menschen vor Ort stärker als bisher miteinbeziehen. Der Besuch von Integrationskursen in Deutschland ist ein bewährter nächster Schritt auf dem Weg von Migrantinnen und Migranten, um sich mit deutschen Verhaltensnormen und Wertvorstellungen vertraut zu machen. Auch Mentoren-Programme und Tandem-Partnerschaften, bei denen man sich wechselseitig die eigene Sprache beibringt, spielen eine wichtige Rolle und wirken ebenso gemeinschaftsfördernd.

Und welche Hürden beschäftigen angehende Fachkräfte in dieser frühen Phase der Integration? Laut einer OECD-Befragung von 2022 wünschen sie sich mehr Unterstützung nicht nur in Hinblick auf die Arbeitsplatzsuche und Einreiseformalitäten, sondern auch in puncto Spracherwerb. Tatsächlich machen sich Deutschkenntnisse, die man bereits im Herkunftslanderworben hat, im neuen Alltag rasch bezahlt: ob bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche oder beim Umgang mit deutschen Behörden und anderen Anlaufstellen. Jüngere Studien verweisen darauf, dass sich mangelnde Deutschkenntnisse in einigen Berufen inzwischen mit Englisch kompensieren lassen. Ein Beispiel dafür sind hochqualifizierte Jobs in der IT-Branche, in der Englisch als Verkehrssprache dominiert. Vor diesem Hintergrund empfahl u. a. der deutsche Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR), entsprechende Kompetenzen bei der Gestaltung der neuen Chancenkarte zu berücksichtigen. Die entsprechende Gesetzesänderung tritt 2024 in Kraft.

Einstieg ins Arbeitsleben: Was Integration fördert

Stand der Forschung ist, dass Sprachkompetenz und beruflicher Fortschritt einander positiv verstärken. Für viele Migrantinnen und Migranten galt bisher: Wer kein Deutsch beherrscht, findet nur selten einen Ausbildungsplatz oder eine höher qualifizierte Beschäftigung, hat kaum Aufstiegschancen und bleibt auf einem niedrigen Einkommensniveau. Für den Einstieg ins Arbeitsleben eignen sich beispielsweise die berufsbezogenen Sprachförderangebote des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS): 75 Prozent der Arbeitgeber halten diese Förderung, die auf den Integrationskursen aufbaut und vom Sprachniveau B1 bis C2 führt, für sehr wichtig. Entscheidend ist auch hier eine Differenzierung der sprachlichen Bedarfe, die je nach Zielgruppe variieren. Ein Beispiel: Während im Gesundheits- und Pflegebereich eine verbale Kommunikation auf Augenhöhe unverzichtbar scheint, sind in der Bauwirtschaft andere Qualitäten gefragt. Auch wenn es auf dem Arbeitsmarkt kein Ausschlusskriterium sein muss, kann mangelnde Sprachkompetenz einer erfolgreichen Integration im Wege stehen.

Studien belegen, dass Fachkräfte mit geringen Deutschkenntnissen auf Stellen angewiesen sind, die weder eine formale Qualifikation noch soziale Interaktion erfordern, aber körperlich stark belastend sind. Diese prekären Arbeitsbedingungen machen es ihnen nachweislich schwer, in ihrer meist knapp bemessenen Freizeit Sprachkurse zu besuchen, um das eigene Deutsch verbessern und neue Beziehungen aufnehmen zu können.

Ein Resümee der Untersuchung „Deutsch lernen für ein Leben in Deutschland“ lautet: Gute Sprachkenntnisse sind nicht nur für den erfolgreichen Einstieg in den Arbeitsmarkt unverzichtbar, sondern auch für die längerfristige berufliche Entwicklung und den Verbleib in Deutschland. Sie sind Dreh- und Angelpunkt für den Aufbau sozialer Kontakte und Netzwerke – und damit für gesellschaftliche Teilhabe und Integration. Nicht nur Migrantinnen und Migranten sind gefragt. Der Prozess der Integration fordert gleichermaßen auch Einheimische, so ein weiteres Fazit der Analyse.

Top