Neue Medien und Digitalisierung

Per Mausklick die Sprachen der Welt entdecken

Auf speziellen Webseiten können Kinder sich spielerisch mit fremden Sprachen auseinandersetzen. Foto: Candice Popik © iStockphotoAuf speziellen Webseiten können Kinder sich spielerisch mit fremden Sprachen auseinandersetzen. Foto: Candice Popik © iStockphotoWo findet man im Handumdrehen Kinderlieder aus Bangladesch oder Bolivien? Wie lassen sich Kinder für englische oder französische Vokabeln begeistern? Natürlich im World Wide Web!

Als Tina Jack 2003 mit ihrer Familie in die Vereinigten Staaten auswanderte, war ihr klar: Ihre Kinder sollten nicht nur Englisch sprechen, sondern auch die Möglichkeit haben, weiterhin Deutsch zu lernen und auch Kontakt zu weiteren Fremdsprachen wie Französisch oder Italienisch zu bekommen. Doch in ihrer kalifornischen Heimatstadt hatte die Familie keinen Kontakt zu entsprechenden Muttersprachlern und selbst die Suche nach geeigneten Lernmaterialien war schwierig. Als Erzieherin hatte Tina Jack damals die Kompetenzen und den nötigen Ehrgeiz, um eigenes Sprachlernmaterial für ihre Kinder zu entwickeln und es über die Webseite Chillola.com sogar für alle anderen Interessierten zur Verfügung zu stellen. Acht Jahre später haben Kinder und Eltern es heutzutage leichter, sich von jedem Ort der Welt online an fremde Sprachen heranzutasten: Neben Chillola.com existiert inzwischen eine Vielzahl verschiedener Kinderwebseiten wie Kidsville.de oder Blinde-Kuh.de, auf denen Kindern per Mausklick fremde Sprache entdecken und lernen können.

Klein oder groß, ernst oder lustig, englisch oder türkisch

Inzwischen existiert eine Vielzahl verschiedener Kinderwebseiten.  Foto: Brad Killer © iStockphotoZahlen, Farben, Formen, Tiere und Gemüse – auf Chillola.com finden Kinder bunte Fotos und Zeichnungen zu den verschiedensten Themenbereichen. Wenn sie die Abbildungen anklicken, können sie die entsprechenden Bezeichnungen auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch oder Italienisch anhören und nachsprechen. Damit die Aussprache wirklich korrekt ist, wurden die Audiodateien von Muttersprachlern besprochen. Ganz ähnlich funktioniert das digitale Wörterbuch auf Kidsville.de. Während Chillola.com sich aber an Kinder im Kindergarten- und Vorschulalter wendet, müssen die Nutzer von Kidsville.de schon lesen können. Dafür können sie sich hier nicht nur einzelne Wörter, sondern schon erste Floskeln zur Begrüßung oder zum Einkaufen anhören – und sogar einige witzige Schimpfwörter. Wer sich auch für Afrikaans, Hebräisch oder Vietnamesisch interessiert, wird auf Blinde-Kuh.de fündig. Hier gibt es Übersetzungen von Wörtern in 57 Sprachen, die jedoch leider nicht als Audiodateien zur Verfügung stehen. Und auf MamaLisa.com kann man sich Kinderlieder aus der ganzen Welt anhören.

Spielend lernen

Die Kinderwelt im Internet: Zahlen, Farben, Formen, Tiere und Gemüse.  Foto: Liv Friis Larsen © iStockphotoNeben den digitalen Wörterbüchern und der Liedersammlung auf MamaLisa.com finden kleine Fremdsprachenfreaks im Internet auch zahlreiche interaktive Übungsmöglichkeiten: Wer die ersten Englisch- oder Französischvokabeln gelernt hat, kann diese zum Beispiel auf Blinde-Kuh.de mit einem Memory und auf Langenscheidt.de mit einem Kofferpack-Spiel üben. Mit speziellen Hörverstehensübungen, Kurzgeschichten, Videonachrichten von muttersprachlichen Kindern, Zungenbrechern sowie zahlreichen interaktiven Spielen bietet die Kinderseite des British Council tolle Lernmöglichkeiten für fortgeschrittene Englischlerner. Auch einsprachige Kinderwebseiten eignen sich teilweise für fortgeschrittene Sprachenlerner: Für junge Deutschlerner bieten etwa die „Seite mit dem Elefanten“ des WDR und die Nachrichtenseite Kinderkurier.de jede Menge Anregungen.

Sprachen online entdecken – ohne Hemmungen und mit viel Spaß

Gerade kleinere Kinder sind auf die Unterstützung von Erwachsenen angewiesen.  Foto: Mark Ahn © iStockphotoEin umfangreiches und didaktisch wirklich gut aufbereitetes Angebot gibt es bisher offenbar zwar nur für die Fremdsprachen Englisch und Französisch. Doch gerade um eine erste Neugierde auf fremde Sprachen zu wecken oder beispielsweise das Vokabellernen durch die eine oder andere spielerische Übung etwas aufzufrischen, bieten die vorgestellten Webseiten bereits eine ganze Reihe an kostenlosen und öffentlich zugänglichen Möglichkeiten, die ständig weiterentwickelt werden.

Natürlich sind gerade kleinere Kinder auf die Unterstützung von Erwachsenen angewiesen, um an den Computer und die Angebotsvielfalt des Internets herangeführt zu werden. Tina Jack empfiehlt Eltern nicht nur, eine Zeitbeschränkung mit ihren Kindern zu vereinbaren und durchzusetzen, sondern sie auch beim ersten Erkunden der Webseite zu unterstützen. Dass ihre Seite bei den Kindern gut ankommt, weiß Tina Jack durch die Zuschriften vieler Eltern und durch die Erfahrung mit ihren eigenen Kindern. Wenn die Großeltern ihrem vierjährigen Sohn am Telefon eine Frage auf Deutsch stellen, ist er zum Beispiel eher schüchtern. Beim Spielen auf der Webseite dagegen kommt er ganz aus sich heraus: „Es macht Spaß, ihm dabei zuzusehen. Er klickt alles an und spricht es nach.“ Das entspricht auch dem, was viele Medienpädagogen über das Thema sagen. Die sind nämlich überzeugt: Kindern macht das Surfen nicht nur großen Spaß – es weckt auch die Neugierde an fremden Sprachen und fördert das Selbstvertrauen.

Janna Degener
arbeitet als freie Journalistin in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Februar 2011

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