Wissenschaft und Bildung

Neues Exzellenzlabel für herausragende Abiturienten

CertiLingua soll Abiturienten den Zugang zu international orientierten Studiengängen erleichtern.  Foto: Julia Nichols © iStockphotoCertiLingua soll Abiturienten den Zugang zu international orientierten Studiengängen erleichtern.  Foto: Julia Nichols © iStockphotoSchüler, die sehr gute Kenntnisse in zwei modernen Fremdsprachen, bilinguale Sachfachkompetenz und internationale Handlungsfähigkeit nachweisen, können mit dem Abitur das Exzellenzlabel CertiLingua erwerben.

Felicitas Korsch beherrscht neben Deutsch und Englisch die spanische Sprache von der Pike auf: Seit der fünften Klasse hatte sie Fachunterricht auf Spanisch. Im elften Schuljahr lebte sie für ein Jahr als Austauschschülerin in Costa Rica. Und alles Weitere lernte sie bei den unterschiedlichsten internationalen Schulprojekten wie der „Noche Mexicana“, mit der ihr Gymnasium jedes Jahr einen Schulbau in Lateinamerika unterstützt. Bei der Vorbereitung dieses bunten Abends telefonierte sie zum Beispiel mit verschiedenen Künstlern über das Abendprogramm oder einem spanischen Restaurant über die kulinarische Begleitung – und zwar auf Spanisch. Als Felicitas kurz vor ihrem Schulabschluss stand, wurde ihre Schule – das Albert-Schweizer-Gymnasium in Hürth – wegen seiner besonderen Angebote im bilingualen deutsch-spanischen Zweig vom Bildungsministerium als CertiLingua-Schule ausgezeichnet. Um den Anforderungen des Labels gerecht zu werden, musste Felicitas noch einen Projektbericht auf Spanisch schreiben. Als eine der ersten Schülerinnen bekam sie kurz darauf nicht nur das Abiturzeugnis ausgehändigt, sondern auch das CertiLingua Exzellenzlabel als Nachweis ihrer herausragenden „mehrsprachigen, europäischen und internationalen Kompetenzen“.

Zusätzliches Zertifikat ohne zusätzliche Prüfung

Das Exzellenzlabel gibt es auf 126 Schulen in Europa.  Foto: Dra Schwartz © iStockphoto„Im Gegensatz zu internationalen Schulen und vielen privat geführten Schulen stellen wir für die Öffentlichkeit noch nicht deutlich genug heraus, was die öffentlichen Schulen für die internationale Schulbildung leisten“, erklärt Henny Rönneper vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen, wie die Idee für das neue Exzellenzlabel entstanden ist. Dabei sei es an vielen Schulen wie dem Albert-Schweizer-Gymnasium bereits eine Selbstverständlichkeit, dass hochqualitativer Fremdsprachenunterricht, bilingualer Unterricht auf hohem Niveau, Austausch-, Begegnungs- und internationale Arbeitsprojekte angeboten würden.

Als international standardisierter und transparenter Nachweis dieser Angebote hat das Land Nordrhein-Westfalen gemeinsam mit den Niederlanden deshalb das CertiLingua Exzellenzlabel initiiert und mit europäischen Partnerländern weiterentwickelt. Das Albert-Schweizer-Gymnasium hat als eine der ersten Schulen schon in der zweijährigen Pilotphase teilgenommen. Inzwischen konnte das Exzellenzlabel auf 126 Schulen in Europa ausgeweitet werden.

Gute Vorbereitung auf Studium und Beruf

CertiLingua soll zum Weiterlernen ermutigen. Foto: Josef Philipp © iStockphotoDie Auszeichnung zur CertiLingua-Schule soll langfristig auch anderen Schulen einen Anreiz zur Schaffung entsprechender Angebote geben. CertiLingua-Schulen dürfen Abiturienten, die an den entsprechenden Angeboten teilnehmen, das Exzellenzlabel ohne gesonderte Zertifikatsprüfung mit dem Abiturzeugnis verleihen. Dadurch werden auch die Schüler dieser Schulen mit dem Label zu einer international ausgerichteten Schullaufbahn ermutigt. Wie die Sprachzertifikate des Goethe-Instituts orientiert sich das Label am Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen für Sprachen; statt auf eine einzelne Sprache wird aber der Fokus auf Mehrsprachigkeit gelegt.

„Ein B2-Niveau in zwei Fremdsprachen ist keine Selbstverständlichkeit“, meint Henny Rönneper. Bisher wählen viele Schüler beispielsweise nach der Sekundarstufe I Französisch ab, um sich einer neuen Sprache zuzuwenden. Mit CertiLingua sollen sie dagegen zum Weiterlernen ermutigt werden. Und wenn bilingualer Unterricht auf einem solch hohen Niveau stattfindet, dass man wirklich nahtlos weiterstudieren kann, betrachtet Rönneper das als eine „ganz hervorragende Vorbereitung auf das wirkliche Leben, auf Studium und Beruf“.

Als dritten Kompetenzbereich neben den Fremdsprachenkenntnissen und den bilingualen Kompetenzen bescheinigt das Label die „europäische und internationale Handlungsfähigkeit“. Denn obwohl internationale Begegnungsprojekte wie die von Felicitas Korsch und ihren Mitschülern organisierte „Noche Mexicana“ häufig einen Höhepunkt des schulischen Lernens darstellen, wurde dieser Bereich von den Schulen bisher noch nicht als gleichwertiger Leistungsbereich empfunden, sondern mehr als schmückendes Beiwerk, das auf dem Abiturzeugnis bestenfalls unter dem Punkt „Bemerkungen“ auftaucht.

Non schola sed vita

Das Label bescheinigt „europäische und internationale Handlungsfähigkeit“.  Foto: Trista Weibell © iStockphotoDas CertiLingua Exzellenzlabel soll den Abiturienten den Zugang zu international orientierten Studiengängen erleichtern oder berufliche Perspektiven im internationalen Kontext ermöglichen. Tatsächlich hat sich inzwischen ein Förderkreis aus namhaften Unternehmen, Hochschulen und weiteren Institutionen entwickelt, die das Label akzeptieren und zum Beispiel durch die Bereitstellung von Praktikumsplätzen unterstützen.

Als Felicitas Korsch sich um einen Ausbildungsplatz zur Logistik- und Speditionsdienstleistungskauffrau in Madrid bewarb, kannten die Arbeitgeber das Zertifikat zwar noch nicht. Dass sie ihre Mehrsprachigkeit durch ein zusätzliches Zertifikat auszeichnen konnte, kam da aber gut an. Doch nicht nur für das Zertifikat würde Felicitas jedem empfehlen, bilinguale und internationale Angebote an Schulen zu nutzen. In ihrer Ausbildung in Spanien hat sie immer wieder von ihren Erfahrungen aus der Schule profitiert. Natürlich war es erst einmal eine Herausforderung, Telefonate mit Lieferanten auf Spanisch zu führen. Aber darauf war sie schon zu Beginn ihrer Ausbildung nicht nur sprachlich bestens vorbereitet.

Janna Degener
arbeitet als freie Journalistin in Köln.

Copyright: Goethe-Institut e. V., Online-Redaktion
Dezember 2010

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