Sprachwandel & -politik

Berufsorientiert studieren – Der Master-Studiengang „Deutsch als Fremdsprache“ in Jena

Logo Master-DaF; Copyright: master daf/Universität JenaNicht nur an der Philosophischen Fakultät in Jena ist MasterDaF ein vorbildlicher Studiengang. 2006 wurde er vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft zu einem der zehn besten internationalen Master-Studiengänge in Deutschland gewählt.

Donnerstagmorgen, 9 Uhr 30. Ein Seminarraum in der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Der letzte Tag des viertägigen Blockseminars mit dem Titel "Berufsbezogenen DaF-Unterricht planen". Heute sollen die Seminarteilnehmer Einblicke in die konkrete Berufspraxis gewinnen. Dafür hat die Dozentin Christina Kuhn vier Gastreferentinnen eingeladen. Eine davon ist Anne Sass, die als Sprachtrainerin bei der Firma Henkel arbeitet. Dort konzipiert sie für die Mitarbeiter berufsbezogene Sprachkurse und interkulturelle Trainings. Heute stellt sie sich den vielen Fragen der neugierigen Studierenden, die sich in Jena zu Deutsch-als-Fremdsprache-Lehrern ausbilden lassen.

Aufbaustudiengang für künftige Sprachlehrer

Seit 2002 wird der Internationale Master-Studiengang "Deutsch als Fremdsprache“ in Jena angeboten. „Master DaF“ ist ein Aufbaustudiengang, der nach einem ersten Studienabschluss etwa in den Fächern Germanistik, Deutsch, Deutsch als Fremdsprache oder European Studies mit Schwerpunkt Deutsch aufgenommen werden kann. Der auf vier Semester angelegte Studiengang richtet sich an all diejenigen, die in irgendeiner Form im In- oder Ausland Deutsch als Fremdsprache unterrichten oder in der Kulturarbeit tätig werden möchten.

„Inhaltlich liegt die Besonderheit unseres Studiengangs in seiner berufsbezogenen Ausrichtung auf didaktische und methodische Schwerpunkte“, erläutert Hermann Funk, der den Studiengang zusammen mit Hans Barkowski aufgebaut hat. "Dabei werden auch neuere Themen der Fachdiskussion in der Lehre aufgegriffen: classroom management, Lernprozessbegleitung, Lernmedienentwicklung, berufsbezogener Sprachunterricht.“ Beide Professoren und alle Lehrenden, die am Institut für Auslandgermanistik in Jena tätig sind, haben ihre Arbeitsschwerpunkte im Bereich der Didaktik.
„Ich denke, die kompromisslose Berufsorientierung des gesamten Studiums ist für zukünftiges Lehr-Lernpersonal entscheidend und attraktiv“, erklärt Hermann Funk, der 2000 an die Friedrich-Schiller-Universität berufen wurde. So gehört ein mindestens vierwöchiges Unterrichtspraktikum für die Studierenden zum Pflichtprogramm.

130 Studierende aus über 50 Nationen

33. Fachtagung Deutsch als Fremdsprache in Jena: Der Internationale Masterstudiengang war mit einem Stand vertreten.Copyright: master daf/Universität Jena"Wir waren im Jahre 2003 der erste akkreditierte DaF-Master in Deutschland überhaupt“, berichtet Hermann Funk. „Bei der Einrichtung hat uns geholfen, dass wir 2002 als einer von zehn Studiengängen aller deutschen Fakultäten die DAAD-Förderung im Programm ‚Internationale Masterstudiengänge’ erhalten haben. Das hat uns ermöglicht, unsere Infrastruktur in Bezug auf Studium und Betreuung aufzubauen und das Programm hochschulintern durchzusetzen. Ohne diese Förderung wäre es sicher nicht gelungen.“

Über 60 Studierende haben den Studiengang mittlerweile bereits erfolgreich absolviert. „Im Moment haben wir 130 Masterstudierende, von denen sich 119 in der Regelstudienzeit befinden“, erklärt Funk und fügt stolz hinzu: „Kein schlechter Wert für eine Philologie.“ Etwa 90 Prozent der Studierenden kommt aus dem Ausland. Über 50 Nationen sind vertreten, wobei die beiden zahlenmäßig größten Gruppen derzeit aus Griechenland und China kommen.

Kooperation mit Universitäten in Irland, Ungarn und Griechenland

Der Studiengang ist aber noch in einer anderen Hinsicht international. Er wird in Kooperation mit drei ausländischen Universitäten angeboten: dem University College Dublin der National University of Ireland, der Aristoteles Universität Thessaloniki und der Eötvös Loránd Universität Budapest. So haben die Studierenden die Möglichkeit, einen Teil des Studiums an einer der Partnerhochschulen zu absolvieren und ein gemeinsames Diplom beider Universitäten zu erwerben.

Allerdings gestaltet sich die Kooperation im Falle Dublin, laut Hermann Funk, zurzeit weniger intensiv als erwartet: „Zwar haben einzelne Studierende der beiden Universitäten in jeweils anderen Studiengängen Module absolviert, aus zwei Gründen sind das aber eher Einzelfälle geblieben. Die gleichzeitig stattfindende organisatorische Umgestaltung der Fakultät in Dublin hat die Erteilung des Doppeldiploms verzögert und die in Dublin in den letzten Jahren dramatisch gestiegenen Lebenshaltungskosten machen für unsere Studierenden Semesteraufenthalte dort schwierig.“ Dagegen laufe die Kooperation mit der Universität in Budapest gut an. „Wir haben vereinbart, dass unsere Absolventen ein gemeinsames Masterzeugnis beider Universitäten erhalten, wenn Module von mindestens 30 ECTS an der anderen Universität studiert wurden.“

Zu den berufsrelevanten Fähigkeiten, die im Master-Studium in Jena erworben werden, gehört auch der praktische Umgang mit neuen Medien im Fremdsprachenunterricht. So spielt E-Learning im Rahmen des Studiums nicht nur theoretisch eine zunehmend größere Rolle. „Auch heute haben schon praktisch alle Master-Seminare Internetoberflächen. In Zukunft wollen wir die netzgestützten Studienanteile ausbauen und dazu auch stärker mit den anderen beiden Universitäten in unserem Universitätsverbund – also Leipzig und Halle – kooperieren.“

Dagmar Giersberg
arbeitet als freie Publizistin in Bonn.

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Mai 2007

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