im Gespräch

Wenn Träume in Erfüllung gehen

Wenn eine Spielerin mit 29 in Schwedens zweiter Liga bei Bollstanäs SK spielt und von sich behaupten kann, eine mehr als erfüllende Karriere als Fußballspielerin zu haben, dann muss sie schon einiges erlebt haben.

Jennifer Meier, die als kleines Mädchen in Hessen zusammen mit den Jungs des VfR Bürstadt mit dem Fußball begann, hat in ihren 29 Jahren eine U-18 Europameisterschaft, vier Deutsche Meisterschaften, vier DFB-Pokalendspiele, einen UEFA-Women’s-Cup und eine US-Meisterschaft gewonnen. Heute kann sie entspannt sagen, „Ich hab schon viel erlebt und ich bin auch zufrieden mit dem, was ich schon erreicht habe. Das war schon eine tolle Zeit“. Jennifer hat es geschafft ihre Träume zu verwirklichen, aber sie hat einen langen Weg hinter sich, und das nicht nur im übertragenen Sinne. Der Fußball hat sie von Bürstadt aus nach Amerika und schließlich nach Schweden gebracht.

Aber erstmal ganz langsam und von vorn. Fast wäre Jennifer nämlich gar keine Fußballerin geworden. „Ich habe schon auf dem Bolzplatz gekickt, aber ich habe auch Tennis gespielt und musste mich dann entscheiden. Weil ich eher ein Teamplayer war und ich es langweilig fand, dauernd alleine auf dem Platz zu stehen hab ich mich dann für Fußball entschieden.“ Bis sie 14 war spielte sie beim VfR Bürstadt, dann zog es sie zum FSV Frankfurt, mit dem sie schließlich auch ihre ersten Erfolge und die erste gewonnene deutsche Meisterschaft 1998 feiern konnte. Im Jahr 2000 wagte sie den Wechsel zum Rivalen 1. FFC Frankfurt. Beide Frankfurter Vereine haben stark zum deutschen Frauenfußball beigetragen und Stars wie Birgit Prinz und Steffi Jones hervorgebracht mit denen auch Jennifer die Ehre hatte in beiden Vereinen zu spielen. Die Entscheidung, den Verein zu wechseln war jedoch goldrichtig, auch wenn sie dafür Kritik erntete. „Da muss man auch mal an sich denken. Ich musste einfach was Neues machen um mich zu entwickeln, als Person und als Fußballspielerin, das war genau der richtige Schritt“. Selbst Potsdams Trainer Bernd Schröder, für den Jennifer nur bewundernde Worte findet, zeigte zu der Zeit großes Interesse an Jennifer.

Doch, sie entschied sich, den Sprung ins Ausland zu wagen und wieder einmal war sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In dem halben Jahr, in dem sie ihre Angreiferqualitäten dem Verein von Washington Freedom lieh, konnte sie prompt auch hier die nationale Meisterschaft gewinnen. Pokale und Medaillen sind toll, aber die persönlichen Erfahrungen sind für Jennifer noch wertvoller. „Das ist schon ein Erlebnis mit Spielerinnen zusammen zu spielen wie Mia Hamm und Abby Wambach. Ein spezielles Erlebnis für mich war, als Mia Hamm mir nach dem Finale ihr Trikot gegeben hat, das ich mit nach Hause nehmen durfte. Mit ihr zusammen zu spielen war natürlich schon ein Traum, der in Erfüllung geht. Für mich war sie immer ein Vorbild und das was ein Kindertraum, dass ich dann auch ihr Trikot bekommen habe. Das war ja auch ihr letztes Spiel, das sie gemacht hat.“

Nach ihrer Zeit in den USA und der Rückkehr zum FSV Frankfurt endete diese erst einmal in einer herben Enttäuschung, da der Verein leider aus finanziellen Gründen aufgeben musste. Aber Jennifer hatte sich noch einen Traum aus ihrer Kindheit bewahrt, den sie gerne erfüllen wollte, und der hatte zunächst gar nichts mit Fußball zu tun. „Mit meinem Umzug nach Schweden ist auch ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Dass das mit dem Fußball funktioniert hat war natürlich super, aber ich war schon als Kind ein riesiger Schweden-Fan.“ Eine neue Heimat fand sie 2005 bei QBIK Karlstad und 2008 schließlich in Stockholm bei dem Verein Djurgården Damfotboll, einer der erfolgreichsten Vereine im schwedischen Frauenfußball. Nachdem Jennifer in ihrem ersten Jahr in Schweden noch zwischen Karlstad und Frankfurt, wo sie im Bürgeramt angestellt war, pendelte, entschied sie sich 2006 endgültig für die neue Heimat in Skandinavien. Und auch wenn es nicht mit einem schwedischen Meistertitel geklappt hat, lebt sie ihren Traum weiter, nämlich den Traum vom Leben in Schweden. Heute arbeitet sie im Kundendienst für einen Jackenhersteller und der Fußball bestimmt nicht mehr ihren ganzen Tagesablauf. Sie hat sich eine eigene Zukunft, auch für die Zeit nach dem Profi-Fußball aufgebaut und schaut zufrieden auf ihre ersten 29 Jahre zurück. „Ich bereue eigentlich nichts, was ich nicht gemacht habe, denn alles, was ich gemacht habe ist eigentlich ganz gut gelaufen. Und ich denke, dann sollte man das einfach so genießen“.

Was erwartet denn eine Spielerin, die schon mit und gegen Weltstars wie Nadine Angerer, Mia Hamm oder Marta gespielt hat und sich selbst zu dieser Riege zählen darf, für die kommende Weltmeisterschaft in Deutschland? Auf jeden Fall ist sie sich sicher, dass man mit Steffi Jones eine wunderbare Organisatorin und Botschafterin für den Sport gefunden hat. Und eine Prognose lässt sie sich auch noch entlocken. Ähnlich wie die Mannschaft der Männer, so ist auch die Frauennationalmannschaft heute ein junges und multikulturelles Team und Jennifer ist sich sicher, dass beispielsweise Lira Bajramaj als einer der Stars dieser WM auftrumpfen wird. Aber sie konnte über die letzten Jahre auch beobachten, dass es die so genannten ‚kleinen Nationen’ nicht mehr gibt und gerade die afrikanischen und asiatischen Länder stark aufgeholt haben. Trotzdem glaubt sie fest an die deutschen Spielerinnen. „Ich denke, dass wir im eigenen Land schon dominieren werden, davon bin ich eigentlich überzeugt. Mit den USA muss man immer rechnen und man muss mal sehen, wie das mit den Schweden ist. Für die ist das auch Zeit, mal wieder mindestens in ein WM-Halbfinale zu kommen.“ Mit so viel Vertrauen und gutem Glauben von einer Frau, die schon so viele ihrer eigenen Träume verwirklicht hat, geht vielleicht tatsächlich auch ein Traum für ganz Deutschland in Erfüllung: Weltmeister im eigenen Land zu werden!

Selina Hertweck
Oktober 2010

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