Märchen aus aller Welt

Der Wanderer (Indonesien)

Vogel fliegend: Hemiprocne comata comata Panti Forest, Johor, Malaysia; Foto: Lip Kee Yap; CC-BY-SA-2.0Vogel fliegend: Hemiprocne comata comata Panti Forest, Johor, Malaysia; Foto: Lip Kee Yap; CC-BY-SA-2.0Im Königreich Majapahit gab es einen König, Prabu Brawijaya genannt, der weise regierte. Er hatte einen kleinen Vogel, der sehr gut singen konnte. Eines Tages aber, als er den Vogel füttern wollte, flog dieser davon.

Am nächsten Tag verkleidete sich der König zu seiner Sicherheit als armer Wanderer und ging mit seinem schwarzen Hund seinen Vogel suchen. Nach vielen Tagen kam er an ein kleines Haus, in dem ein alter Mann, Ki Wangsayuda, und seine Frau wohnten. Ki begrüßte Prabu Brawijaya und berichtete, dass er den Vogel gefunden habe. Prabu Brawijaya fragte: „Wie können Sie wissen, dass ich der Besitzer des Vogels bin?“ Der alte Mann sagte nur: ,,Vor fünf Tagen flog ein Vogel zu und ich kümmerte mich ihn. Und dann, als ich schlief, sagte eine Zaubererstimme: ‚Der Besitzer des Vogels wird mit einem schwarzen Hund in dein Haus kommen und du musst ihm den Vogel zurückgeben.‘ Seitdem lehnte ich viele Angebote, den Vogel zu verkaufen, ab.“

Dann gab er den Vogel zurück und bat den verkleideten König, in seinem Haus zu verweilen. Ki und seine Frau hatten keine Ahnung, dass der Wanderer der König war.

Am nächsten Morgen, bevor Prabu Brawijaya zurückfuhr, sagte er: „Sie haben mir sehr geholfen, als Sie mir den Vogel zurückgegeben und mich als seinen Besitzer akzeptiert haben. Von jetzt an sind Sie mein Bruder. Ich lasse meinen Hund hier. Bitte kümmern Sie sich um meinen Hund, und wenn Sie mich in der Stadt besuchen möchten, wird der Hund Sie zu meinem Haus leiten“.

Zwei Jahre später hatte Ki Sehnsucht nach seinem „Bruder“. Er nahm Abschied von seiner Frau und ging in die Stadt. In der Stadt musste er dem schwarzen Hund folgen, weil er das Haus von seinem Freund nicht kannte. Als sie am Palast ankamen, lief der Hund in den Palast. Obwohl Ki Angst hatte, folgte er dem Hund. Wer ohne Einladung in den Palast kam, konnte bestraft werden. Da traf er den König. Der alte Mann hatte sehr große Angst und verneigte sich vor dem König. Er hatte keinen Mut, ihm ins Gesicht zu sehen.

Dann hörte er ein Lachen und eine Stimme, die sagte: „Stehen Sie auf, wir sind Geschwister, ist es nicht so?“ Ki stand auf und sah, dass der König tatsächlich der Wanderer war. Der König bewirtete ihn und schenkte ihm einen riesigen Kürbis.

Unterwegs zu seinem Haus hatte Ki eine riesige Wut, weil der Kürbis sehr groß und schwer war. Als er zu Hause ankam, sagte er zu seiner Frau: „ Dies ist das Geschenk von deinem Schwager“, und er warf den Kürbis auf den Fußboden. Die Frau erschrak, weil der Kürbis viel Gold und Juwelen enthielt. Als Ki das sah, bat er um Verzeihung, weil er eine falsche Meinung von Prabu Brawijaya gehabt hatte.

Seitdem lebten er und seine Frau als ein sehr reiches Paar, aber sie blieben bescheiden für den Rest ihres Lebens.

Quelle: Volkstümliche Überlieferung, Deutsch von Joshua Gani

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    Interkulturelles Blogprojekt des Goethe-InstitutsEin Stoff-Frosch reist als Märchenbotschafter durch 10 Mittelmeerländer und besucht 30 Schulen. Er bringt Märchen der Brüder Grimm mit und sammelt Märchen aus den beteiligten Ländern. So entsteht nach und nach ein Mittelmeer-Märchenbuch, indem jede Klasse ein Märchen ihres Landes auf Deutsch erzählt. Mehr...