Goethe aktuell

Goethe in Angola: „Wir brauchen euch nicht – aber schön, dass ihr da seid“

© Andreas Maier Institutsleiter Hüsgen: 'Ich bin kein Afrika-Romantiker'. Copyright: Andreas Maier

Es ist so weit: Das Goethe-Institut in Angola nimmt seine Arbeit offiziell auf. Nach Unterzeichnung eines Kulturabkommens durch die Regierungen Angolas und Deutschlands im Februar 2009 kann nun damit begonnen werden, den Text des Abkommens mit Leben zu füllen. Zur Eröffnung des Instituts sind Staatssekretär Peter Ammon und Klaus-Dieter Lehmann, der Präsident des Goethe-Instituts, eigens ins südliche Afrika gereist. Von Stefan Hüsgen
16. Juni 2009

Nun gibt es natürlich noch kein Goethe-Instituts-Gebäude, wie man es sich wünschen würde und wie die Angolaner es angemessen fänden, von Personal und üppiger finanzieller Ausstattung völlig abgesehen. Andererseits steht das Goethe-Institut für seine Programme, die Inhalte und nicht in erster Linie für Gebäude. Daher denkt so mancher Angolaner und auch ich: Endlich!

Angola ist sehr auf Brasilien und Portugal ausgerichtet. Und das ist auch verständlich. 500 Jahre engste Verbindung zu Portugal und dem Nachbarn auf der anderen Seite des Meeres sprechen für sich. Auch der Befreiungskampf und der scheinbar endlos währende Bürgerkrieg haben daran nichts geändert, und die Beibehaltung von Portugiesisch als offizieller Sprache des befreiten Angolas hat ihr Übriges getan. Aber mehr als 60 Prozent der Bevölkerung sind unter 25, und die Neugier ist groß.

Bild 1 und 2: © Teresa Behrend; Bild 3 und 4: © Stefan Hüsgen
„Impressionen aus Angola“


Nun also Goethe in Angola. Nach dem Rückzug Deutschlands aus Angola nach der Wiedervereinigung melden wir uns wieder zurück. Die angolanische Regierung sieht es mit zurückhaltender Freude. Wie ein angolanischer Künstler mir sagte: „Wir brauchen euch nicht, aber es ist schön, dass ihr da seid.“ Darauf kann man aufbauen.

Für mich persönlich waren die letzten zehn Monate ein Marathon. Ich habe etwa 15 Kilo abgenommen, was nicht unbedingt schlecht ist. Sieben Monate habe ich auf neun Quadratmetern „gehaust“, weil es zum einen nicht möglich war, für eine so lange Zeit ein Hotelzimmer zu mieten, und es zum anderen für mich auch gar kein Hotelzimmer gab. Aber so lernt man. Der Immobilienmarkt in Luanda spiegelte mein Hoteldilemma wider. Ein halbwegs adäquates Haus oder eine Wohnung kostet zwischen 20.000 und 45.000 US-Dollar – im Monat.

Unbekanntes Paradies

Um die wenigen annehmbaren Objekte streiten sich die Ausländer in Luanda heftig. Manchmal fühlte ich mich an meine Studentenzeiten in München erinnert, wo ich mit meinem beschränkten Budget auch keine Wohnung finden konnte. Der Grund ist einfach: So gut wie kein Angebot und auf der anderen Seite vor allem Ölfirmen, die hemmungslos jeden Preis akzeptieren und bezahlen, so dass man mit dem Budget eines öffentlichen Haushaltes nahezu keine Chancen hat. So dauerte es bis vergangenen November, bis ich endlich einen Mietvertrag unterschreiben konnte.



Doch ich war nicht der Erste, der das Haus bezog. Allerlei unliebsames Getier war bereits vor mir eingezogen. Zum Ausgleich war das Dach undicht, was bei tropischen Regengüssen fatale Folgen hat. Der vorhandene Generator muss wohl schon vor Jahren seinen Geist aufgegeben haben, und nach wenigen Tagen lief auch noch die Sickergrube über. Bei meinem Nachfragen bei der Vermieterin, die bereits die erste Jahresmiete kassiert hatte, hieß es dann, ich solle doch froh sein, dass ich ein Haus habe. Wenn ich renovieren wolle, könne ich das gern tun – auf meine Kosten.

So begann nach der Haussuche eine zweite Odyssee: Wie renoviert man ein Haus in Luanda?

Sagen wir es so: Vorige Woche bin ich fertig geworden, so dass wir das Haus nun wirklich zu 95 Prozent funktionstüchtig als Keimzelle des Goethe-Instituts Angola eröffnen konnten.

Angola – faszinierend wie erschütternd: Die Geschichte der letzten 500 Jahre ist höchst spannend, das Leid der letzten 30 Jahre genauso unbeschreiblich wie das Leid der Kolonialzeit, der Versklavung. Und dennoch, die Menschen sind so unglaublich friedlich und freundlich, jedenfalls außerhalb von Luanda. Die Natur ist einzigartig, bei einer besseren Infrastruktur könnte Angola leicht mit Südafrika oder Namibia im Tourismusbereich konkurrieren. Endlose Strände, Urwälder, Flüsse und Seen, ein wahres Paradies – und noch immer ein Geheimtipp. Denn außer jenen, die Öl und Diamanten gelockt haben, hat es hierher noch kaum einen verschlagen.

Im Rausch mit Willy

Ich bin kein Afrika-Romantiker und auch nicht grenzenlos optimistisch, was viele Länder in der Region angeht, aber mit Angola muss man in den nächsten Jahren rechnen. Und die Entwicklung in allen Bereichen wird das neue Goethe-Institut Angola begleiten. Wenn es uns gelingt, auch in Deutschland die Menschen für Angola zu interessieren, dann würde das neue Goethe-Institut seinem Auftrag gerecht. Genau daran arbeiten wir.

In Luanda ist Networking alles. Es kommt nicht darauf an, wer man ist oder in erster Linie, wie viel Geld man hat, es kommt darauf an, wen man kennt und wer einen sympathisch findet.

Ich hatte das Glück, vom ersten Tag an wunderbare Menschen zu treffen, die sich für die Goethe-Arbeit interessieren und neugierig auf Deutschland sind. Und gleichzeitig fanden die „Offiziellen“ die Idee, ein deutsches Kulturinstitut in Angola zu haben, sehr charmant. Unterstützung bekamen wir auch von älteren Angolanern, die in Deutschland (West und Ost) gelebt und studiert haben.

So habe ich Angolaner getroffen, die in Deutschland Theater gespielt haben und heute im Büro des Staatspräsidenten arbeiten, Künstler, die mit Goethe bereits die Welt bereist haben, Professoren die bei Adorno studiert haben und wunderbare Geschichten über ihn erzählen können oder andere, die sich mit Willy Brandt betrunken haben, als jener erklärte, er könne die sozialistische MPLA nicht unterstützen, da Westdeutschland ein von der USA besetztes Land sei und deshalb nicht mit moskautreuen Angolanern Freundschaft schließen dürfe.

Nun gibt es also das Goethe-Institut Angola. Und nun müssen Taten folgen. Die ersten Monate waren oft schwierig, aber ich habe es auch nicht anders gewollt. Das Ergebnis kann sich schon jetzt sehen lassen. Und die Erfolgserlebnisse häufen sich. Zuletzt hat auch die „Trienal Luanda 2010“, die zu einem der wichtigsten Kulturereignisse im südlichen Afrika werden wird, das Goethe-Institut zu seinem Wunschpartner erklärt.
Links zum Thema

Goethe aktuell:

Über den RSS-Feed
können Sie sich über Neuigkeiten aus der Welt des Goethe-Instituts auf dem Laufenden halten.

Jahrbuch-App 2013

Entdecken Sie die Arbeit des Goethe-Instituts weltweit und klicken Sie sich durch die Höhepunkte des Jahres 2013. Unsere Jahrbuch-App für iPads steht ab jetzt kostenlos zum Download im App Store bereit.

Goethe-Institut.
Reportagen Bilder Gespräche

Das Magazin des Goethe-Instituts berichtet dreimal im Jahr über die Arbeit des Instituts.

Twitter

Aktuelles aus den Goethe-Instituten