Tamale, 27. November, 13.06 Uhr
Von Julia LittmannAuch wer fühlen kann, muss hören. Soll heißen: Fürs Einleben in dieser etwas stiefmütterlich abseits gelegenen Stadt im nördlichen Ghana braucht man nicht nur Einfühlungsvermögen, sondern auch „empfangsbereite“ Ohren. Der Tamale Soundtrack bedient zwar nur eine Disziplin in der Wahrnehmung all der verwirrend vielfältigen Eindrücke, die Tamale in petto hat. Aber die zahllosen Geräusche, die leisen, beharrlichen in der Nacht, die krachlauten am Tag, das Gesumm der einheimischen Sprache, das Geplärr aus Ghettoblastern und Fernsehern, das freche Fiepen der Fruitbats – diese Geräusche ergeben die vielsagende Tonspur zu den Bildern und Begegnungen, die einen hier in Atem halten. Auch wenn, zugegeben, das unaufhörliche Gucken vermutlich der Kanal ist, über den am beständigsten schlichtweg alles auf mich ein einstürmt. Ausblenden ist gar nicht drin.

Chiefmusik aus Tamale (Foto: Julia Littmann)
Wie heiser hupende Frösche melden sich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang einheimische Vögel zu Wort, ein fortwährendes Dreitongehupe, andere insistieren mit Gummienten-Imitationen, Hähne krähen, irgendwo scheint immer ein Handbesen kratzbürstig im Einsatz zu sein und immer meckert irgendwo eine Ziege ihr zartes Meckern. Dazu gesellen sich je nach Tageszeit und Umgebung Palaver in etlicher Lautstärke, Motorengeknatter von palermitanischen Ausmaßen, Muezzinrufe mit Megafonen verstärkt – und allgegenwärtig: die kultige Highlife-Musik, verwandt mit dem Reggae und doch viel feiner, cooler, entspannter, laut sowieso. Lästig? Lärmig? Ach was! Zum Einpacken wohlklingend ist dieser Soundtrack von Tamale.
Klicken Sie auf die Bilder oder die Städtenamen, um zu den anderen Berichten zu gelangen:
![]() | ![]() | ![]() | ![]() |
![]() | ![]() | ![]() | ![]() |


















