Goethe aktuell

Zwischen Ostsee und Adria: Mit einem Klick in eine andere Welt

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Redaktionstreffen in Berlin: „Durch ,Klick‘ haben wir die Möglichkeit neue Kulturen kennen zu lernen, und diese auch uns“ (Foto: Astrid Schmidt)

29. Juli 2011

Sofia, Annamária und Krzysztof kommen aus Mittelosteuropa, lernen Deutsch und gehören zum Redaktionsteam der Online-Schülerzeitung Klick. Was bewegt junge Menschen in Mittelosteuropa? Wie sehen sie Deutschland? Eine Begegnung, die optimistisch stimmt. Von Caroline Meurer und Astrid Schmidt

Treffpunkt: Weltzeituhr, Berlin Alexanderplatz. Das Thermometer zeigt 30 Grad an. Wir sind mit dem Redaktionsteam der Online-Schülerzeitung Klick verabredet. In dem Vernetzungsprojekt in Mittelosteuropa reflektieren die Schüler auf Deutsch ihre Lebenswelt, ihren Unterrichtsalltag und lernen gleichzeitig fremde Kulturen kennen. Die 22 Schüler aus Mittel- und Osteuropa sind für einen einwöchigen Workshop in Berlin. Sie erwarten uns und sind in Gespräche – teilweise sogar auf Deutsch – vertieft. Schüchterne und gleichzeitig neugierige Gesichter sehen uns gespannt an.

Annamária ist 17 und kommt aus Szeged, Ungarn. Wenn sie nicht gerade in der Schule ist, verbringt sie gerne viel Zeit mit ihrer Familie. Annamária ist eine der zwei Chefredakteurinnen der Schülerzeitung. Für das Gespräch mit uns hat sie Sofia aus Tschechien und Krysztof aus Polen dazugeholt, denn, wie sie sagt, ist es „nicht gerade einfach, sich in einer Fremdsprache über ein bestimmtes Thema zu unterhalten“. Um der Hitze und dem Trubel am beliebtesten Treffpunkt Berlins zu entfliehen, spazieren wir zu den Grünflächen neben dem Roten Rathaus.

Auf dem Weg fallen den 16- bis 18-Jährigen Unterschiede zwischen Deutschland und ihren Heimatländern auf. Der 16-jährige Krysztof liebt die Natur und geht in seiner Freizeit am liebsten mit seinem Vater im Tatra-Gebirge wandern. Überrascht sagt er: „In Berlin gibt es viel mehr Fahrräder als in Warschau.“ Annamária fügt hinzu: „Mir gefällt hier, dass viele Jugendliche in den Parks sitzen und viel Freizeit haben. In Ungarn ist es viel komplizierter, die Menschen sind immer in Eile und müssen sehr viel arbeiten.“ Sofia ist 17 und geht in Cesky Tesin zur Schule. Im Vergleich zu den Tschechen empfindet sie die Deutschen als viel toleranter: „Hier darf jeder seinen eigenen Stil haben, den anderen Leuten ist das egal. Bei uns werden zum Beispiel Mädchen, die sich extrem schminken oder hohe Absätze tragen, komisch angeguckt.“ Alle stellen jedoch fest, dass es auch sehr viele Gemeinsamkeiten gibt. Das sei klar, denn „schließlich leben wir alle in Europa“.

Logisch: Deutsch

Wir sind überrascht, wie gut die Schüler Deutsch sprechen, und erfahren, dass alle drei Deutsch als erste Fremdsprache gelernt haben. Sofia ist sogar in Deutschland geboren und eingeschult worden. Annamária hat den Eindruck, dass Deutsch als Pflichtfach bei ihren Altersgenossen in Ungarn nicht unbedingt beliebt ist. „Viele sagen, Deutsch ist so eine harte Sprache. Die meisten mögen Englisch lieber.“ Das kann Krzysztof nicht verstehen. „Ich bin in Deutsch viel besser als in Englisch. Die deutsche Sprache ist so logisch.“

Schwerpunkt des Redaktionstreffens sind audiovisuelle Formate (Foto: Michael Hauke)


Die Online-Schülerzeitung Klick bietet deutschlernenden Schülern aus insgesamt sechs Ländern die Möglichkeit, sich auf kreative Weise auch außerhalb des Klassenzimmers mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen. Die Schülerzeitung besteht aus fünf Redaktionsteams und einer Chefredaktion. Die Texte auf der Online-Plattform stammen alle von den Schülern selbst und spiegeln so die Lebenssituation in ihren Heimatlländern wider. Klick wird laufend durch neue Beiträge aktualisiert und ist eine interessante Online-Lektüre für alle, die sich für die Welt der Schüler in Mittelosteuropa interessieren. Wie die Artikel zu den Themenschwerpunkten „Sprache“, „Leben“, „Lernen“, „Kultur“ und „Politik“ entstehen? „Das ist ganz unterschiedlich. Bei uns in Tschechien ist es so, dass wir den Lehrern sagen, zu welchen Themen wir Artikel haben möchten, und die Lehrer verteilen das dann als Aufgaben im Deutschunterricht“, erzählt Sofia. An Krzysztofs Schule in Polen werden Plakate und Anzeigen gemalt, die sie in der Schule aufhängen. „Außerdem organisieren wir Treffen, bei denen wir dann gemeinsam an den Artikeln arbeiten. Und es gibt einen Freiwilligen vom Goethe-Institut, der uns sehr hilft.“ Annamária sitzt in der Chefredaktion, die sich in Ungarn befindet, denn an der Schule in Szeged ist die Idee für Klick geboren. Hier werden kaum Artikel geschrieben, da die Schüler damit beschäftigt sind, das, was die anderen Redaktionsteams bei ihnen einreichen, zu sondieren und zu redigieren. In Zukunft ist es geplant, die Chefredaktion durch die Länder rotieren zu lassen.

Von seiner Mitarbeit bei Klick erhofft sich Krzysztof, dass sein Deutsch noch besser wird. Mindestens genauso wichtig ist ihm aber die Arbeit im Team und das Recherchieren von Themen, die die Jugendlichen in ganz Europa bewegen. „Ich finde es toll, wenn Jugendliche aus dem Ausland auf diese Weise Deutschland besuchen und so ihr Deutsch verbessern können.“ Nach einem halben Jahr hatte die Online-Plattform bereits 44.000 Zugriffe; auch sehr viele aus Kanada, den USA und Russland. Sofia betont, dass Klick eine gute Möglichkeit ist, neue Leute von überallher kennenzulernen. Die regelmäßig stattfindenden Workshops, wie der in Berlin, dienen außerdem dazu, dass die Teilnehmer handfestes journalistisches Werkzeug mit auf den Weg bekommen. „Gerade das kann man ja nicht überall lernen.“ Auch die Lehrkräfte wurden im Jahr 2010 im Bereich Online-Journalismus in Deutschland fortgebildet und so auf die Tätigkeit vort Ort an den Partnerschulen vorbereitet.

Für Projektleiter Michael Hauke, Experte für Unterricht (Schulen: Partner der Zukunft) beim Goethe-Institut Budapest, ist Klick ein ganz besonderes Projekt: „Man kann so vieles aus der Region erfahren und Neues über Deutschland lernen. Wir fänden es toll, wenn alle Menschen in Europa oder auch in der ganzen Welt so leicht in Austausch treten könnten wie die Redakteure unserer Schülerzeitung.“

Inzwischen hat es angefangen zu regnen, und wir flüchten mit Sofia, Annamária und Krzysztof unter einen Sonnenschirm. Die Schüler fühlen sich wohl in ihren Heimatländern und lernen mit Begeisterung Deutsch. Momentan wissen sie noch nicht wie genau es bei ihnen weitergeht – erst mal steht der Schulabschluss im Vordergrund. Sie können sich allerdings vorstellen, nach der Schule in Deutschland zu studieren. Sofia denkt, dass man sich in Deutschland mehr entwickeln kann und die Universitäten eine größere Auswahl bieten als in Tschechien. Und Annamária ist überzeugt: „Wer in Ungarn zur Universität geht hat Chancen in Ungarn, aber wer in Deutschland studiert, hat Chancen in der ganzen Welt.“

Die PASCH-Schülerzeitung Klick ist seit dem 7. Juni 2010 online. Die Beiträge kommen aus 20 Schulen in Estland, Litauen, Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Unterstützt werden die Schülerredakteure von Lehrern vor Ort an den PASCH-Schulen. Vom 29. Mai bis 3. Juni 2011 fand das dritte Redaktionstreffen statt, nach München und Dresden nun in Berlin.

Klick ist Teil des Internetangebots der Initiative „Schulen Partner der Zukunft“
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