Vorgestellt: Unsere Gäste Federico Martelli

Federico Martelli
Foto: Matthew Greenside

Anfang 2018 wird im Échangeur de Limete eine Ausstellung des deutschen Fotografen Wolfgang Tillmans zu sehen sein. Sein Assistent Federico Martelli war vorher schon da – und gibt Einblick in die geplante Ausstellung.

Ab 12. Januar 2018 werden im Échangeur de Limete Werke des renommierten deutschen Fotografen Wolfgang Tillmans zu sehen sein. Die Ausstellung, die vom Institut für Auslandbeziehungen (ifa) in Kooperation mit dem Goethe-Institut Kinshasa ausgerichtet wird, bildet den Auftakt zu einer Ausstellungstournée durch mehrere afrikanische Städte. Zur Vorbereitung der Ausstellung hat Tillmans’  Assistent Federico Martelli Kinshasa besucht und Ideen entwickelt, wie die Grenzen einer traditionellen Ausstellung gesprengt werden können.
 
Du bist nach Kinshasa gekommen, um eine Ausstellung von Wolfgang Tillmans vorzubereiten. Verglichen mit Europa oder Amerika, wo Tillmans normalerweise ausstellt: Wie wird das Ausstellungskonzept für Kinshasa angepasst?
 
Ich habe mit Wolfgang bereits im Rahmen seiner Ausstellungstour durch Lateinamerika zusammengearbeitet. Wir sind das Projekt sehr offen angegangen – im Wissen darum, dass sich die Situation in diesen Ländern anders gestaltet, als das, was wir gewohnt sind. Allerdings fanden wir in Lateinamerika Galerien und Museen vor, die den Institutionen in Europa und Nordamerika durchaus ähnlich sind.
 
In Afrika aber, so meine ich, müssen wir das Ausstellungskonzept tatsächlich neu denken, da kaum vergleichbare Institutionen existieren. Dies zwingt uns dazu, unkonventionelle Wege zu erkunden. Wir denken beispielsweise darüber nach, hier in Kinshasa Radiosendungen, Plakate oder Zeitungsinserate als Ausstellungsmedien einzusetzen. Dies hängt auch damit zusammen, dass es sehr schwer ist, die breite Masse ins Museum zu locken. Jede Ausstellung möchte etwas aussagen und Ideen vermitteln. Dies ist aber nur möglich, wenn die Ausstellung auch „gehört“ wird. Kommen die Leute nicht ins Museum, dann muss das Museum eben zu den Leuten gehen.
 
Auf welche Weise ergänzen die Plakate oder Zeitungsinserate die Ausstellung?
 
Ich denke, dass diese Medien weniger die Ausstellung im Échangeur bewerben, sondern selbst Kunstwerkcharakter haben sollen. Zum Beispiel könnte ein außergewöhnliches Bild in einer Zeitung abgedruckt werden, das den Betrachter zum Nachdenken anregt.
 
Du bist zum ersten Mal in Kinshasa. Entspricht das, was du hier erlebst, dem Bild, das du dir vor der Reise von der Stadt gemacht hast?
 
Ja und nein. Natürlich hat man in Europa und Amerika eine bestimmte Vorstellung von Afrika. Ich war vorbereitet auf das, was mich hier erwartet – die große Armut, in der ein Großteil der Bevölkerung lebt, die chaotische Struktur der Stadt. Es ist schockierend anders als das, was ich gewohnt bin. Aber gleichzeitig auch sehr ähnlich: Hier wie dort leben Menschen, die ihr Leben meistern.
 
Hast du in den 3 Tagen, seit du angekommen bist, einen Lieblingsort entdeckt?
 
Wir haben heute den Grand Marché besucht. Dort gibt es eine Allee mit vielen alten Bäumen. Es herrscht dort eine sehr seltsame Atmosphäre. Die Bäume sind sehr groß und haben dünne Blätter, die viel Licht durchlassen. An den Stämmen der Bäume wachsen Pflanzen hoch, die aber teilweise schon abgestorben sind. Ich bin Architekt und nehme Räume sehr bewusst wahr. Diese Straße auf dem Markt hat mich fasziniert.
 
Hast du ein Souvenir gekauft?
 
Ich habe eine Plastiktüte mit dem Konterfei Obamas gekauft. Großartig! Und Stoffe. Ich liebe die Muster auf den Stoffen, aus denen hier Kleidung geschneidert wird.
 
Das Interview führte Raphael Müller am 21.6.2017