Zukunftsfestival „KINSHASA 2050: DIGITAL CITY?“

Kinshasa 2050: Digital City?
Kinshasa 2050: Digital City? | Foto: WAYHOME studio / Shutterstock

Mit dem Projekt „Kinshasa 2050: Digital City?“ thematisieren das Goethe-Institut und das Institut franҫais die Zukunft der rasant wachsenden kongolesischen Hauptstadt. Vom 11. bis 13. Mai 2017 kamen internationale und lokale Künstlerinnen und Experten zusammen. Mit einer Ausstellung, einem Ideen-Slam, Filmvorführungen, Konzerten und Podiumsdiskussionen entwerfen sie künstlerische und digitale Visionen für Kinshasa.

Schon jetzt ist Kinshasa die drittgrößte afrikanische Stadt nach Kairo und Lagos. Es gibt Prognosen, denen zufolge die kongolesische Hauptstadt im Jahr 2050 die viertgrößte Metropole der Welt und die größte auf dem afrikanischen Kontinent sein wird. Was bedeutet diese Wachstumsperspektive angesichts der Probleme, wie mangelnde Wasserversorgung und ein notorisch überlastetes Straßennetz, vor denen die Stadt heute schon steht? Und wie blickt gerade die junge Generation der Demokratischen Republik Kongo auf die Entwicklungen in ihrem Land?
 
Fast die Hälfte der 70 Millionen Kongolesen wurde seit dem Jahr 2000 geboren und ist damit jünger als 17 Jahre. Gerade diese Generation verklärt teilweise eine nie erlebte Vergangenheit – wie die angeblich „goldenen 70er“, in denen der legendäre Boxkampf „Rumble in the Jungle“ mit großen Künstlern aus aller Welt im Vorprogramm stattfand. Im Gegensatz dazu nehmen viele kongolesische Künstlerinnen und Künstler eine aktuellere und kritischere Perspektive auf die Gegenwart und Zukunft ihres Landes ein.

DIGITALE PIONIERE IM BLICK

Das Projekt „Kinshasa 2050: Digital City?“ soll eine Plattform für ihre Visionen für den Kongo der Zukunft schaffen. Zum zweiten Mal nach 2016 organisieren das Goethe-Institut und das Institut franҫais einen umfassenden Austausch von lokalen und internationalen Künstlerinnen und Experten. Nachdem es im vergangenen Jahr konkret um die Stadt ging – etwa in der Ausstellung „Demain, Kinshasa“ oder der urbanen Performance von Dorine Mokha –, stehen vom 11. bis 13. Mai 2017 Fragen der Digitalisierung im Vordergrund.
 
Für die Ausstellung konnten sich Künstlerinnen und Künstler mit Konzepten aus den Bereichen Digital Art, Sound Art oder auch Design bewerben. Eine Jury um die Kuratorin Nadine Siegert (stellvertretende Leiterin und Kuratorin des Iwalewa-Hauses Bayreuth) wählte sieben Projekte aus, darunter der smarte, überdimensionierte Sessel „YaKin“ von Iviart Izamba, der im öffentlichen Raum einen sicheren Platz zum Innehalten und einen Internetzugang bietet. Der „Cyber Nkisi“ von Hilary Balu ist ein futuristischer Computer, in dem wie in einer traditionellen kongolesischen Nkisi-Skulptur ein Geist wohnt, mit dem durch einen Astronautenhelm kommuniziert werden kann. Der Künstler bietet damit eine Zukunftsvision an, in der Spiritualität noch eine wichtige Rolle spielt und die in Kombination mit moderner Technik eine „Trance-Kommunikation“ mit Göttern möglich macht. Der Musiker und Sapeur Wilfried Luzele Vuvu entwirft in der Video-Installation „Liquéfaction de l’homme“ („Verflüssigung des Menschen“) ein poetisch-psychedelisches Szenario, in dem der Mensch sich zum Spermium zurückentwickelt hat. In dieser verstörenden post-apokalyptischen Welt mokiert er sich über düstere Katastrophen-Szenarien, die von den Medien gerade über den Kongo verbreitet werden.
 
Ein weiteres Mitglied der Jury ist neben anderen auch Filip Kabeya, der als digitaler Pionier mit seiner Initiative „Lumumba Lab“ in Kinshasa die Konferenzreihe „Café numériques“ initiiert hat, auf der digitale Projekte und Start-Ups vorgestellt werden.

AFROTOPIA UND VIRTUAL REALITY

Auf einer Podiumsdiskussion zur Zukunft Afrikas begegnen sich zudem der Politikwissenschaftler Achille Mbembe, die Philosophin Nadia Yala Kisukidi und der Ökonom Felwine Sarr. Sarr ist Autor des Buches „Afrotopia“, in dem er für eine Loslösung von westlichen Entwicklungsmodellen plädiert. Er fordert die Rückbesinnung auf lokale afrikanische Kulturen, um ausgehend davon eigene „Zukunftsmetaphern“ erfinden zu können.
 
Ergänzt wird das Programm „Kinshasa 2050: Digital City?“ durch eine Retrospektive von Jean-Pierre Bekolo, der mit „Les Saignantes“ 2005 für den ersten futuristischen Film Afrikas verantwortlich ist. In seinem neuestem Werk „Naked Reality“ entwirft er eine dystopisch-mystische Vision der afrikanischen Stadt, die als riesige Metropolis den ganzen Kontinent einnimmt. Weiterhin stellen im Ideen-Slam Akteurinnen und Akteure aus der digitalen Szene Start-Up-Konzepte und Projekte aus dem Kulturbereich vor. In der Reihe „New Dimensions“ werden außerdem erstmals in Kinshasa Virtual-Reality-Filme von vier afrikanischen Künstlerinnen und Künstlern präsentiert, die bereits im Frühjahr im Africa Hub der Berlinale zu sehen waren. Musikalischer Höhepunkt ist ein Konzert des senegalesischen Künstlers Ibaaku, der elektronische Musik mit westafrikanischen Klängen vereint, von der Modedesignerin Selly Raby Kane eingekleidet wird und in seiner Bühnenshow futuristische Bilder zitiert.