Kinshasa 2050: Digital City? Von Chancen und Herausforderungen

Filip Kabeya während der Paneldiskussion
Filip Kabeya während der Paneldiskussion | Foto: Catherine Trautes | Goethe-Institut

Digitalisierung: Welche Chancen bietet sie für die kongolesische Gesellschaft? Der Netzaktivist Filip Kabeya über Zukunftschancen in drei Sektoren – und über die Weichen, die dafür im Kongo gestellt werden müssen.

Im Juni 2017 diskutierten WissenschaftlerInnen, KünstlerInnen und UnternehmerInnen über die Zukunft Kinshasas. Anlass war das Projekt „Kinshasa 2050: Digital City?“, das von Goethe-Institut und Institut français gemeinsam durchgeführt wurde. Eine Paneldiskussion beschäftigte sich mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Digitalisierung für das Land. Daran nahm auch Netzaktivist Filip Kabeya teil. Er sieht die Möglichkeiten vor allem im Gesundheits-, Dienstleistungs- und Landwirtschaftssektor.
 
Kinshasa ist eine Stadt in ständiger Bewegung mit knapp über 10 Millionen Einwohnern. Ich denke, dass in den nächsten fünf Jahren vor allem in drei Bereichen wichtige Veränderungen auftreten werden:
 
Die Gesundheit wird von der Digitalisierung profitieren. Wir werden bei der Versorgung qualitative Verbesserungen sehen, durch Technologien wie USSD-Codes oder mobile Apps wird auch der Zugang ein wenig erleichtert. Ich glaube fest daran, dass eine starke Unterstützung der Digitalisierung den Ärzten zugutekommen wird.
 
Dienstleistungen werden sich dank der Digitalisierung verbessern, auch rücken Konsument und Produzent näher zusammen, und zwar in dem Sinne, dass sich bessere Feedback-Möglichkeiten auf den Service auswirken werden.
 
In der Landwirtschaft werden sich die Kongolesen immer bewusster, über welch guten Boden das Land verfügt und wie auch sie in das Agro-Business einsteigen können. Den Ertrag der Produkte dieses Bodens zu verkaufen, die Landwirte mit den Konsumenten zu verbinden, welche teilweise etwas weiter geographisch voneinander entfernt sind – das ändert sich mit den hierzulande entwickelten Apps, die in dem Bereich wirklich vielversprechend sind.
 
Um all das zu erreichen, müssen wir mehrere Hindernisse überwinden, von denen das größte nach wie vor die Ausbildung ist – die Bildung der Bevölkerung, sowohl die der Konsumenten als auch derer, die diese Dienste bereitstellen.

Wir müssen diese Ziele in die Lehrpläne einbringen oder entsprechende Aktivitäten im kongolesischen Bildungssystem initiieren, um die Allerjüngsten in die digitale Welt einzuführen, denn die Welt, in der sie leben oder leben werden, wird immer digitaler.

Die kongolesische Kultur ist ein Juwel, muss aber die Möglichkeiten der Digitalisierung ergreifen, um auf neuen Stützen zu stehen. Das digitale Zeitalter bringt eine große Reichweite mit sich, in der sich die Grenzen der Absatzmärkte für kongolesische Kultur grundlegend verändern. Die kongolesische Kultur öffnet sich auf digitalem Wege der Welt, wir können von nun an online verkaufen, im Internet ausstellen oder sogar einige innovative Technologien wie beispielsweise Augmented Reality verwenden, um die kongolesische Kultur in der ganzen Welt bekannt zu machen.
 
Die Akteure in diesen Sektoren müssen auch verstehen, welche Mittel verfügbar sind und wie diese bisher genutzt wurden. Wichtig ist aber, dass sie nach neuen Instrumenten Ausschau halten und sich weiterbilden, um junge Leute bei den digitalen Künsten an die Hand zu nehmen.