Achim Wieland

Selfie Achim Wieland Foto: Achim Wieland Name: Achim Wieland 
Alter: 52
Beruf: Autorenregisseur / Visueller Künstler
Dein Beitrag beim Workshop: Regisseur / Dramaturg / Leiter des Workshops

Wie bezeichnest du dich bezüglich deiner Herkunft?

In meinem Pass steht, dass ich Deutscher bin. Oft frage ich mich aber, was das eigentlich heißt. Mein ganzes Leben habe ich an verschiedenen Orten verbracht und immer vermieden, mein Geburtsland zu erwähnen, weil das automatisch beim Gegenüber Klischees und Stigmata heraufbeschwört. Ich finde nationale Identitäten fragwürdig.

Warum nimmst du an dem Projekt teil?

Marios Ioannou und ich haben dieses Projekt ins Leben gerufen aus dem Bedürfnis heraus, eine offene Plattform zu schaffen, wo persönliche Geschichten ohne Vorurteile ausgetauscht werden können. Gerade hier in Zypern bin ich neugierig geworden auf die privaten Geschichten von Menschen und ihre ehrlichen und unbeeinflussten Empfindungen jenseits der etablierten politischen Schilderungen.
 
Was hast du bisher über die „andere Seite“ erfahren?

Meine reflexartige Reaktion auf diese Frage: Welche „andere Seite“?
Nach sechs Wochen Arbeit mit den Teilnehmern scheint dieses „Anderssein“ ein reines Phantom zu sein. 
 
Was hat dich am meisten überrascht?

Ich bin überrascht und gerührt von der Empathie, die die Mitglieder der beiden Gemeinschaften für die jeweils „andere“ in so kurzer Zeit entwickelt haben. Wie die sich gleichenden Geschichten die Unterschiede aufwiegen. Am zweiten Tag des Workshops wurde einer der Teilnehmer von der „anderen Seite“ am Checkpoint aufgehalten und es kam spontan der Vorschlag, auf ihn zu warten, damit er sich in seinem eigenen Land nicht so verlassen fühlt. Fantastisch.

Wovor hattest du die meiste Angst?

Ich befürchtete die Vorurteile, die die Teilnehmer über die jeweils andere Seite haben könnten. Schon nach der Hälfte des Workshops und auf der Zielgeraden zur Performance stellen wir fest, dass es buchstäblich keine mehr gibt.

Was hast du über dich selbst gelernt?

Dass ich nicht allem glauben sollte von dem ich meinte, es wäre wahr. Dass ich meine Instinkte hinterfragen muss.
 
Sprichst du mit deinen Freunden über diese Erfahrungen?

Ja.

Und ihre Reaktion?

Sehr ermutigend und unterstützend. Aber ich denke, wir sollten die Courage haben und über solche Initiativen auch außerhalb des Freundeskreises sprechen.
 
Wo siehst du Zypern in zehn Jahren?

Ich bin ein Romantiker mit dem starken Glauben, dass Mitgefühl, Verständnis und Liebe auf lange Sicht über Hass triumphieren werden.