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Öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken in Griechenland: Reaktionen auf ein Umfeld im Wandel

  • Central Public Library of Veria @ Robert Dawson
  • The National Library of Greece 3 @ SNFCC_Nikos Karanikolas
  • The Book Castle of the National Library of Greece @ NLG_Nikos Karanikolas
  • Vallianio Mansion 03 @ NLG_Vassilis Makris
  • Vallianio Mansion 06 @ NLG_Vassilis Makris

Abstract

Der vorliegende Artikel verfolgt zwei Ziele. Erstens gibt er einen Überblick über die öffentlichen Bibliotheken in Griechenland, vor allem ihre aktuellen Entwicklungen und zukünftigen Herausforderungen. Zweitens positioniert er wissenschaftliche Bibliotheken in Griechenland in einem sich wandelnden Hochschul- und Forschungsumfeld und setzt sich kritisch mit den Reaktionen dieser Bibliotheken auf die sich ihnen stellenden Herausforderungen auseinander. Er unternimmt eine Neudefinition ihrer institutionellen Rolle, um ein leistungsfähiger Partner im Bildungs- und Forschungsprozess zu sein. Abschließend werden konkrete Instrumente zur Förderung und Verbreitung von Forschungsergebnissen wie institutionelle Repositorien, Open Access und MOOCs erörtert.
 

 

1. Einleitung

Die Entwicklungen auf sozialem, politischem, wirtschaftlichem und technischem Gebiet haben Griechenland wie jedes andere Land der Welt erfasst. Als Motor des Wandels haben sich Bibliotheken diesen Herausforderungen gestellt und auf den gestiegenen Informationsbedarf der modernen, vielfältigen, mehrsprachigen und multikulturellen Gesellschaft zu reagieren versucht (Vasilakaki, 2015; Vasilakaki und Moniarou-Papaconstantinou, 2016). In den letzten zehn Jahren hat Griechenland jedoch die verheerenden Auswirkungen einer schweren Wirtschaftskrise zu spüren bekommen, die alle Aspekte des sozioökonomischen und politischen Lebens geprägt und den Alltag der griechischen Gesellschaft nachhaltig verändert haben. Auch der Beruf des Bibliotheks- und Informationswissenschaftlers (LIS) ist von diesen Entwicklungen erfasst worden. Vor allem die öffentlichen, kommunalen und wissenschaftlichen Bibliotheken haben die durch die Wirtschaftskrise eingeleiteten Veränderungen deutlich zu spüren bekommen (Vasilakaki, 2015; Vasilakaki und Moniarou-Papaconstantinou, 2016). Dieser Artikel möchte einen Überblick über die Faktoren geben, die die aktuelle Situation in öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken geprägt haben, und die Herausforderungen dieses Umbruchs erörtern.
 

2. Öffentliche Bibliotheken:

In Griechenland sind öffentliche Bibliotheken Teil der öffentlichen Hand und somit von allen Reformen auf kommunaler Ebene betroffen. Im Laufe der Jahre haben öffentliche und kommunale Bibliotheken Informationsdienste entwickelt, die teilweise aus Mitteln der Europäischen Union finanziert wurden. Das Forschungsprojekt CALIMERA[1] (Cultural Applications Local Institutions Mediating Electronic Resources Areas) diente dazu, das Angebot öffentlicher Bibliotheken in Griechenland zu verbessern (Kostagiolas & Korkidi, 2008). Die Mittel aus europäischen und anderen Projekten ermöglichten die Entwicklung neuer Informationsdienste, eines Verbundskatalogs der öffentlichen Bibliotheken Griechenlands und die Einführung von Diensten für Menschen mit Behinderungen.

In den letzten Jahren hat eine Reform der kommunalen Verwaltungsstruktur zu einer Zusammenlegung vieler Städte und Gemeinden geführt, was wiederum eine Verringerung der Anzahl öffentlicher Bibliotheken nach sich gezogen hat. Darüber hinaus kam es zu Budgetkürzungen, Personalabbau und personellen Umschichtungen. Um den Herausforderungen der Wirtschaftskrise zu begegnen, wurden verschiedene Methoden und Instrumente der Entwicklungsförderung eingesetzt, darunter vor allem ein System zur Qualitätssicherung sowie die Konzeption und Durchführung innovativer Dienstleistungen.

Budgetkürzungen sind für öffentliche Bibliotheken in Griechenland nichts Neues. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Krise betrafen diese Kürzungen den Bestandsaufbau, die bereitgestellte technische Unterstützung sowie die Qualität der Informationsdienste für Nutzer*innen. Darüber hinaus war die Einstellung neuer Mitarbeiter*innen mit einigem bürokratischen Aufwand verbunden, der mehr Zeit als erwartet in Anspruch nahm, vor allem weil dieser Prozess nicht von den Bibliotheken selbst gesteuert wurde. Häufig beschäftigten öffentliche Bibliotheken keine Informationsspezialist*innen; die Gebäude war in sehr vielen Fällen ungeeignet oder wurde mit anderen öffentlichen Diensten geteilt, was zu Schwierigkeiten bei der erfolgreichen Förderung von Bibliotheksdiensten und ihrer Rolle in der öffentlichen Daseinsvorsorge führte (Vasilakaki, 2015; Vasilakaki und Moniarou-Papaconstantinou, 2016). Die Budgetkürzungen sind heute gravierender denn je, da Bibliotheken zum Teil kein Geld für den Bestandsaufbau haben und somit der Erwerb vor allem von Spenden abhängt. Informationsspezialist*innen mit befristeten Verträgen werden i.d.R. als erste entlassen, während Festangestellte die angebotenen Rentenpakete nutzen um in den Vorruhestand zu gehen. Öffentliche Bibliotheken bleiben so oftmals unterbesetzt (Vasilakaki, 2015; Vasilakaki und Moniarou-Papaconstantinou, 2016).

Die Future Library (2019), eine 2011 gegründete gemeinnützige Organisation, hatte zum Auftrag diesen Entwicklungen entgegenzuwirken und unterstützte öffentliche und kommunale Bibliotheken während der Wirtschaftskrise auf unterschiedliche Weise. Sie verhalf ihnen zu einer neuen technischen Ausstattung, schulte das Personal im Hinblick auf innovative Dienstleistungen und stockte ihre Bestände mit neuem Titeln auf. Obwohl die meisten öffentlichen Bibliotheken Griechenlands unter Budgetkürzungen leiden, die auf reduzierte taatliche Mittel und einen Einstellungsstopp aufgrund der Rezession zurückzuführen sind, gibt es auch Beispiele von Bibliotheken, die die Krise erfolgreich gemeistert haben. Hier sind unter anderem die Veria Public Library, die Nafpaktos Public Library und die Livadia Public Library zu nennen.

Diesen öffentlichen Bibliotheken ist es gelungen, enge Beziehungen zur Bevölkerung vor Ort aufzubauen und zu festigen. Die Teilnahme an verschiedenen Projekten und Kooperationen mit anderen Institutionen ermöglicht Ihnen darüber hinaus erfolgreich mit den Entwicklungen Schritt zu halten und innovative Informationsdienste anbieten. Darüber hinaus nutzen diese Bibliotheken Soziale Medien, um ihre Präsenz, ihre Rolle und ihre Dienstleistungen für die Gemeinschaft zu stärken; sie arbeiten mit nahegelegenen Bibliotheken zusammen und bieten Dienstleistungen zur Informationskompetenz an; sie nehmen an landesweiten Lesekampagnen für Kinder teil, dienen als öffentliches Informationszentrum, stellen digitales Material und damit Dienstleistungen zur Verfügung und sie kooperieren mit verschiedenen Arten von Räumen (wie Maker Spaces, Brainpulse) und Labs (z.B. Robotik, 3D-Druck, Medien) sowie E-Government-Diensten (Vasilakaki, 2015; Vasilakaki und Moniarou-Papaconstantinou, 2016).

3. Wissenschaftliche Bibliotheken:

Veränderungen in der Hochschul- und Forschungslandschaft und die Stellung von Bibliotheken in diesem UmfeldDer Hochschulbereich ist von den Forderungen und Maßnahmen der nationalen, regionalen und globalen Politik geprägt. Hochschulen stehen dabei vor der Herausforderung, noch produktiver zu werden, die Bedürfnisse des wirtschaftlichen Umfelds zu berücksichtigen, qualitativ hochwertige Lehrpläne anzubieten und innovative Forschung in allen Bereichen zu fördern (Moniarou-Papaconstantinou, 2018). In Griechenland gilt Forschungsförderung wie in anderen Ländern auch als Motor für Wachstum und Entwicklung und als grundlegende Verpflichtung des Landes.[2]

Allgemein hat sich das akademische Umfeld in den letzten Jahren in vielerlei Hinsicht gewandelt, was letztlich die Art und Weise verändert, wie Universitäten ihre täglichen Aufgaben erfüllen und Forschung fördern. Insbesondere die Einführung kollaborativer Instrumente und eines interdisziplinären Forschungsansatzes haben diesen Wandel weiter befördert. Darüber hinaus haben die Entwicklung vernetzter Technologien und die Schaffung von Informationsknoten zu Wissenschaftlerverbünden geführt, die auf der Grundlage eines multidisziplinären Ansatzes neues Wissen im Rahmen neuer Forschungsvorhaben schaffen (Diaz und Mandernach, 2017).

In diesem sich stetig wandelnden Umfeld beschäftigen sich akademische Bibliotheken und Bibliothekare weiterhin mit dem Informationsbedarf der Wissenschaft, indem sie die produzierten Forschungsergebnisse sammeln, zur Verfügung stellen und aufbewahren, Lehre und Forschung unterstützen, Studierende bei der Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen durch die Bereitstellung von Programmen zur Informationskompetenz unterstützen und eine partnerschaftliche Rolle im Bildungs- und Forschungsprozess einnehmen (Diaz und Mandernach, 2017).
Anscheinend haben sich die Veränderungen nicht nur auf die Universität als Institution, sondern auch auf Wissenschaftler*innen und Forscher*innen ausgewirkt. Der Wettbewerbsdruck ist heute deutlicher denn je, und dies nicht nur unter Wissenschaftler*innen, sondern auch auf struktureller Ebene, da die Institutionen Nutzen zu erzielen und Auszeichnungen zu erringen haben. Weitere Triebkräfte sind der Wettbewerb um Studierende und Forschungsgelder, die nötige Rechenschaftspflicht sowie die gestiegene Erwartung der Studierenden an ein berufsorientiertes Studium und wettbewerbsfähige Studienabschlüsse. Wissenschaft und Forschung sind daher nicht mehr Einzelkämpfertum, sondern ein Mannschaftssport für multinationale, wettbewerbsfähige Online-Teams (Cox, 2018).

Zusätzlichen Druck üben die Förderinstitutionen aus, die Forschungsergebnisse und Nutzeffekte vorantreiben und verbreiten wollen. Die Technologie fördert diese Entwicklungen, indem sie eine stärker kollaborative, datenintensivere Online-Umgebung schafft, in der Hochschulangehörige/Forscher und Studierende zusammenkommen, Know-how austauschen und für ihre Arbeit bei verschiedenen Ziel- und Interessensgruppen werben können. Die Entwicklung institutioneller Repositorien und die Open-Access-Bewegung haben die Publikationslandschaft derart verändert, dass Forschungsergebnisse bereits vor der endgültigen Veröffentlichung für ein breites Publikum zugänglich sind (Becker u.a., 2017).

Diese Entwicklungen stellen wissenschaftliche Bibliotheken vor eine Reihe von neuen Herausforderungen. Vor allem müssen Bibliotheken in einen Bildungs- und Forschungsprozess eingebettet werden, der sowohl Wissenschaftler als auch Studierende bei der erfolgreichen Durchführung des jeweiligen Kurses und des Lehrplans als Ganzes unterstützt; darüber hinaus müssen sie Instrumente zur Informationsbeschaffung und Datenbanken für die Koordination und Verbreitung von Forschung entwickeln und/oder verwalten. Daher verlagern wissenschaftliche Bibliotheken ihre Tätigkeit zunehmend und kontinuierlich von der eines Dienstleisters und Support-Anbieters hin zu der eines Partners der Wissenschaft. [SD1] 
 

3.1 Hochschulen im griechischen Kontext

Zu den jüngsten Veränderungen an griechischen Hochschulen gehören die Fusion von Hochschuleinrichtungen (d.h. die Fusion des Technological Educational Institute in Athen mit dem von Piräus) aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen und einer neuen Ressourcenverteilung in der Wissenschaft sowie die Entstehung neuer Universitäten (wie z.B. der Universität von Westattika). Diese Veränderungen haben sich nicht nur auf die Lehrpläne und die angebotenen Studiengänge ausgewirkt, sondern sie haben auch die Entwicklung und Integration von Open-Access-Infrastrukturen gefördert, um „Massive Online Open Courses” (MOOCs) und institutionelle Repositorien zu ermöglichen. Die Integration digitaler Technologien in alle Aspekte des Bildungs- und Forschungsprozesses hat somit die Ausgestaltung von Studiengängen erheblich verändert (E-Learning, mobiles Lernen), um der Notwendigkeit von mehr Flexibilität und der Nutzung virtueller Lernumgebungen Rechnung zu tragen (Vassilakaki, 2017). Gleichzeitig wird lebenslanges Lernen noch stärker als Weg zum Erwerb neuer Fähigkeiten betont, um den Bedürfnissen des neuen sozioökonomischen Umfelds gerecht zu werden.

Die Einführung von ISO-Standards und Evaluierungsrahmen und -verfahren hat die Qualität der Lehrpläne weiter verbessert und Universitäten und Institutionen auf der ganzen Welt miteinander vernetzt, wodurch ein Austausch von Studierenden und Forschenden möglich wurde. Dank dieser Entwicklung, die den Schwerpunkt auf die Qualität der erbrachten Leistung legt, belegen griechische Universitäten in internationalen Universitäts-Rankings gute Plätze.

An dieser Stelle sei auf die in Griechenland in gewissem Maße herrschenden besonderen Bedingungen hingewiesen, die zu einer besseren Mittelverwaltung und -vergabe beigetragen haben. Die Ersetzung von pensionierten Mitarbeiter*innen, die in den Vorjahren ein großes Problem war, scheint durch die Einstellung zusätzlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter*innen gelöst zu sein. Was die Finanzierung betrifft, so sind die Universitäten in erster Linie auf öffentliche Mittel des Ministeriums für Bildung, Forschung und Religion angewiesen. Diese Mittel hängen von Geldern ab, die allen Universitäten nach unterschiedlichen Kriterien zugeteilt werden, was eine dauerhafte Finanzierung durch öffentliche Mittel erschwert. Darüber hinaus ist der Mechanismus zur Unterstützung der Mittelverwendung recht komplex und bürokratisch und erfordert manchmal mehr Zeit und Mühe als erwartet. Dank wettbewerbsfähiger Forschungsprogramme, ist es Hochschulen dafür gelungen erfolgreich Mittel der Europäischen Union und anderer Geber einzuwerben.

Dies ist das Umfeld, in dem sich wissenschaftliche Bibliotheken bewegen. Sie versuchen strukturelle und budgetäre Herausforderungen zu bewältigen und zugleich durch einen wesentlichen Beitrag zu allen Bildungs- und Forschungsaktivitäten den wachsenden Bedürfnissen ihres Publikums gerecht zu werden und sich in Orte der Kooperation zu verwandeln.
 

3.2 Wissenschaftliche Bibliotheken:

Aktueller Stand, Herausforderungen und PerspektivenBis 1996 wurden wissenschaftliche Bibliotheken ausschließlich vom Ministerium für Bildung, Forschung und Religion finanziert. Dies führte dazu, dass Ressourcen wie Personal, Serviceangebote und die technische Infrastruktur entweder unverändert blieben oder deutlich gekürzt wurden. Diese Situation hat sich erheblich gewandelt, da Universitäts- und Forschungsbibliotheken in Griechenland (d.h. Universitätsbibliotheken, die Bibliotheken der Technischen Hochschulen, die Bibliotheken der Akademie von Athen, die Griechische Nationalbibliothek) im Zeitraum von 1996 bis 2008 Mittel aus zwei Operationellen Programmen der EU für allgemeine und berufliche Bildung (O.P. „Bildung“) aus dem zweiten und dritten Gemeinschaftlichen Förderkonzept erhielten.

Diese Mittel haben es wissenschaftlichen Bibliotheken ermöglicht, effektive Informationsdienstleistungen anzubieten, ihre (gedruckten, digitalen oder audiovisuellen) Bestände weiterzuentwickeln und neue Dienstleistungen anzubieten. Die Mittelvergabe über die Gemeinschaftlichen Förderkonzepte sichert die Projektstellen von Hunderten Absolvent*innen des Studiengangs Bibliotheks- und Informationssysteme (LIS). Diese Absolvent*innen und die fest angestellten Mitarbeiter*innen förderten neue und innovative Dienste und Ressourcen, die von wissenschaftlichen Bibliotheken für ihre Gemeinschaften entwickelt und/oder angeboten werden, und stärken ihre Präsenz und Rolle innerhalb der Institution.

Vor allem ergreifen wissenschaftliche Bibliotheken die Initiative und entwickeln Bildungsprogramme, um wettbewerbsfähige Dienstleistungen im Einklang mit den aktuellen Digitalisierungs-Trends anzubieten. Zu diesem Zweck sind eine Reihe von digitalen Infrastrukturen entwickelt und Wissenschaftler*innen und Forscher*innen zur Verfügung gestellt worden, darunter: a) Institutionelle Repositorien, b) ein Fernleihnetzwerk, c) Dienstleistungen und Software für Menschen mit Behinderungen, d) die Einführung von ISO-Normen im Dienstleistungsbereich. Bibliotheken bieten Wissenschaftler*innen und Forscher*innen auch Schulungen zur Nutzung digitaler Informationsdienste und -ressourcen wie elektronischen Zeitschriften, Bild- oder Textdatenbanken usw. an.
           

3.3. Open Access und wissenschaftliche Bibliotheken

Wissenschaftliche Bibliotheken, die den aktuellen Digitalisierungs-Trends gefolgt sind, haben eine Reihe von Infrastrukturen entwickelt und ihren Nutzer*innen bereitgestellt. Diese Infrastrukturen beruhen hauptsächlich auf dem Prinzip der Open-Access-Bewegung, d.h. die in Institutionen und Organisationen produzierten Forschungsergebnisse werden im Rahmen spezieller Lizenzen frei von den Barrieren des Publikationsprozesses zur weiteren Verwendung zur Verfügung gestellt. Institutionelle Repositorien sind eine dieser Infrastrukturen, die heute von zahlreichen Wissenschaftler*innen, Forscher*innenn und Studierenden zur raschen Veröffentlichung erster Ergebnisse und als qualitativ hochwertige Informationsquelle genutzt werden.

Kallipos[3] ist ein solches Beispiel, das mithilfe nationaler und europäischer Mittel entwickelt wurde. Sein Ziel ist die Entwicklung elektronischer, interaktiver Multimedia-Lehrbücher an griechischen Hochschulen. Das entsprechende Repositorium[4] umfasst derzeit 520 wissenschaftliche Lehrbücher und mehr als 7.000 „peer reviewed“ Lernobjekte von hoher Qualität. Diese Infrastruktur ermöglichte es den Wissenschaftler*innen, ihre Lehrbücher als „Open Publication“ zu veröffentlichen und damit dem erheblichen Mangel an relevanten Lehrbüchern in griechischer Sprache zu begegnen. Zugleich ist nun ein Informations- und Wissensaustausch möglich geworden, da alle Lehrbücher der verschiedenen Universitäten in einem digitalen Repositorium gesammelt werden. Schließlich können die Studierenden über einen einzigen digitalen Punkt frei und online auf all dieses Wissen zugreifen.

Es reicht jedoch nicht aus, die stetig steigenden Anforderungen an die Nutzung und Weiterverwendung von Informationen innerhalb der Europäischen Union zu erfüllen. Daher gründete die Europäische Kommission 2016 die Open Science Policy Platform (OSPP), ein Team von Expert*inneen, das für die Beratung der Europäischen Union zu Open-Science-Fragen zuständig ist. Die OSPP erklärte bald, dass die Entwicklung von Open-Access-Infrastrukturen nicht ausreiche, um mit den technologischen Entwicklungen und sozioökonomischen Fortschritten Schritt zu halten. Daher sei ein anderer Ansatz – nämlich ein Open-Science-Ansatz – erforderlich, der Interaktionen im Open-Access-Bereich und den Austausch von Informationen und Wissen zwischen verschiedenen Forschungsbereichen ermögliche (Tsakonas, 2019).

Das Herzstück von Open Science ist der multidisziplinäre Ansatz und damit die Interaktion und der Austausch von Wissen und Know-how zwischen Forschern und Wissenschaftlern verschiedener Länder. Wissenschaftlichen Bibliotheken in Griechenland kommt eine Schlüsselrolle dabei zu, Programme zur Informationskompetenz sowie Weiterbildungen zur Nutzung dieser Infrastrukturen anzubieten und Systeme zur Sammlung, Verwaltung, Erschließung und Verbreitung von Wissen zu schaffen.
 

Fazit

Öffentliche Bibliotheken in Griechenland unternehmen erhebliche Anstrengungen, um den sich wandelnden Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden, indem sie sich an Projekten beteiligen, die Gemeinschaft vor Ort einbinden und mit anderen kulturellen Einrichtungen zusammenarbeiten. Wissenschaftlichen Bibliotheken, die in einem wettbewerbsintensiveren Umfeld arbeiten, ist es gelungen, nicht nur effizient und effektiv auf die Veränderungen in Hochschule und Forschung zu reagieren. Vor allem konnten sie die sozioökonomischen und technologischen Herausforderungen durch neu definierte Rollen und Teams, neu gestaltete Informationsdiente und die Bereitstellung hochwertiger und innovativer Dienste bewältigen.
 

Literaturangaben

Becker, A, S., Cummins, M., Davis, A., Freeman, A., Giesinger, Hall, C., Ananthanarayanan, V., Langley, K., & Wolfson, N. (2017). NMC Horizon Report: 2017 Library Edition. Austin, Texas:  The New Media Consortium.
Cox, J (2018): „Positioning the Academic Library Within the Institution: A Literature Review.“ New Review of Academic Librarianship, DOI: 10.1080/13614533.2018.1466342.
Díaz,J.O. & Mandernach M. (2017). „Relationship Building One Step at a Time: Case Studies of Successful Faculty-Librarian Partnerships“. Libraries and the Academy, 17(2), S. 273–282.
Future Library (2019), „About Future Library“, abrufbar unter http://futurelibrary.gr/ (zuletzt abgerufen am 20.05.2019)
Moniarou-Papaconstantinou, V. (2018) „Valuing studies in higher education: Symbolic means and strategies of students negotiating their position in the library and information science field.“ Journal of Librarianship and Information Science DOI 10.1177/0961000618799530.(Online first)
Vassilakaki, E. (2017). „New trends in higher education: can information professionals rise to the challenge?“ in Baker, D. & Evans, W. (Hg.) The End of Wisdom? The Future of Libraries in a Digital Age. Cambridge, UK: Woodhead Publishing.
Vassilakaki, E. (2015) „Greek public libraries in economic crisis: the past, the present and the future“, The Bottom Line, Bd. 28 Nr. 1/2, S. 77–79, https://doi.org/10.1108/BL-12-2014-0033
Vassilakaki, E. & Moniarou-Papaconstantinou, V. (2016), „Public Libraries and Innovation in Greece: An Option or a Necessity?“ in David Baker, Wendy Evans (Hg.) Innovation in Libraries and Information Services (Advances in Library Administration and Organization, Volume 35) Emerald Group Publishing Limited, S. 243–255.
Τσάκωνας, Γ ( 2019).Οι πρωτοβουλίες των ελληνικών ακαδημαϊκών βιβλιοθηκών για την Ανοικτή Επιστήμη στην Ελλάδα Ανοικτοί εκπαιδευτικοί πόροι και ∆ιά Βίου Μάθηση: ευκαιρίες και προκλήσεις για την Ανώτατη Εκπαίδευση και τις δημόσιες βιβλιοθήκες.
Kostagiolas, P & Korkidi, M. (2008) „Strategic planning for municipal libraries in Greece“, New Library World, Bd. 109 Nr. 11/12, S. 546–558.

[1] http://fp7.asm.md/node/374
[2] Gesetz 4386/2016 Forschungsrichtlinien
[3] www.kallipos.gr
[4] https://repository.kallipos.gr/

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