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Berlinale Blogger 2019
Warten in der Steppe

"Öndög": Wang Quan’an
"Öndög": Wang Quan’an | Foto (Auschnitt): © Wang Quan'an

Es gibt Filme, die brauchen eine große Leinwand. In Zeiten von Netflix und YouTube vergisst man das leicht. Bei Öndög reicht Berlinale Blogger Gerasimos Bekas die Anfangssequenz, um das zu begreifen. 

Von Gerasimos Bekas

Unendliche Weiten

Eine tote Frau liegt nackt in der mongolischen Steppe. Auch wenn die Berlinale weiblicher wird, bleibt Gewalt gegen Frauen ein zentrales Motiv, auch bei dieser Berlinale. In Öndög spielt aber auch eine starke Frau mit. Eine Hirtin, die zunächst gerufen wird, weil sie im Gegensatz zu den Polizisten eine Waffe tragen darf und ein Wolf verscheucht werden muss.
 
Als die Polizei die Ermittlungen aufnimmt, muss ein junger Polizist die Leiche bewachen, um zu verhindern, dass der Wolf zurückkommt, um sie zu fressen. Weil wir uns in den unendlichen Weiten der eisigen mongolischen Steppe befinden, dauert das.
 
Die Hirtin kommt, nachdem sie zuhause ein Lamm geschlachtet hat, zurück, um dem jungen Polizisten Beistand zu leisten. Das tut sie, indem sie ihn abfüllt und mit ihm schläft. Kurz vor dem Höhepunkt kommt der Wolf zurück. Die Hirtin greift lässig nach dem Gewehr und knallt ihn ab. Später stellt sich heraus, dass sie schwanger ist.

Starke Bilder, langsames Tempo

Wang Quanan hat einen Film gemacht, bei dem sich monumentale Bildschirmschoner-Motive aneinander reihen. Die Geschichte hat ihren Witz, ist jedoch etwas überladen mit Bedeutung und Mensch-Natur-Analogien. Das Öndög, ein Dinosaurierei-Fossil spielt eine große Rolle dabei. Ich weiß nicht, ob es an der Sprachbarriere liegt, die untertitelte Filme nun mal mit sich bringen, aber mich begeistern die Dialoge nicht so sehr, wie einige der anderen Zuschauer im riesigen Friedrichstadtpalast.
 
Öndög ist ein Film für Menschen, die die Ruhe suchen, oder es nicht eilig haben. Als Berlinale-Blogger kann ich beides nicht von mir behaupten. Trotzdem hat sich das Kamel im Lagerfeuerschein in mein Gedächtnis gebrannt. Die toughe Hirtin, der trottelige Polizist, die liebreizende Polizeipraktikantin...viele Figuren in diesem Film sind liebenswürdig, ich habe nur gerade nicht genug Zeit für sie. 

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