Wettbewerb und Ehrenbär Deutsche Filme auf der Berlinale

Deutscher Beitrag im Wettbewerb: „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached
Deutscher Beitrag im Wettbewerb: „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached | Foto (Ausschnitt): © Friede Clausz

Im letzten Jahr: Drei deutsche Filme im Wettbewerb! Der neue Wenders! Der neue Dresen! Der neue Herzog! Da stellt sich die Frage: Wie sieht es auf der Berlinale 2016 mit deutschen Hochkarätern aus?

Ein Viertel des Berlinale-Programms bestand 2015 aus deutschen Filmen und Koproduktionen, 96 von 400 Filmen kamen aus Deutschland. Laut Berechnung von Berlinale-Direktor Dieter Kosslick sind dagegen in diesem Jahr von 434 Filmen nur 74 deutsche am Start. Auf die Frage der Berliner Morgenpost, ob dies ein Zeichen für eine Flaute sei, sprach Kosslick allerdings nur von einem schlechten Timing. Und hat damit natürlich Recht: Die Programmverantwortlichen können schließlich nur solche (guten) Filme aufnehmen, die auch fertig sind. 

EIN DEUTSCHER BEITRAG IM WETTBEWERB

Immerhin, der letzte für den Wettbewerb um den begehrten Goldenen Bären bekanntgegebene Film war der einzige deutsche unter den Nominierten. Anne Zohra Berracheds Drama 24 Wochen erinnert an einen jungen Andreas Dresen, der seinen Durchbruch bei der Berlinale 1991 mit So schnell es geht nach Istanbul feierte. Berrached war bereits vor drei Jahren auf der Berlinale zu Gast, damals noch als Studentin mit ihrem Film Zwei Mütter, einem Drama um ein lesbisches Paar, das innerhalb der Perspektive Deutsches Kino aufhorchen ließ und sogar den Dialogue-en-Perspective-Award bekam. Die Qualität, die Berrached mit ihren Kurzfilmen und ihrem Debüt an den Tag legt, gibt durchaus Grund zur Hoffnung.

EHRENBÄR FÜR MICHAEL BALLHAUS

Und es gibt noch mehr gute Nachrichten: Der Goldene Ehrenbär 2016 geht an Michael Ballhaus. Die Kinolegende wird damit kurz vor ihrem Eintritt in den Ruhestand ausgezeichnet. Aus diesem Grund werden erfreulicherweise gut ein Dutzend seiner 130 Filme auf der Berlinale gezeigt. 15 drehte er allein mit Rainer Werner Fassbinder, sieben mit Martin Scorsese und weitere mit Wolfgang Petersen, Volker Schlöndorff, Robert Redford, Paul Newman, Francis Ford Coppola und vielen anderen. Besonders freue ich mich auf die Ballhaus-Filme Martha und Zeit der Unschuld.

Der neue, in Schwarz-Weiß gehaltene Film Fukushima Mon Amour von Doris Dörrie, der in der Sektion Panorama Premiere feiert, ist hoffentlich eine Wiedergutmachung für ihre letzten eher enttäuschenden Filme.

In jedem Fall werden wir viel Spaß haben auf der Berlinale und können uns derweil auch schon mal auf Cannes freuen, wo wir im Mai neue Werke von Fatih Akin, Tom Tykwer, Angela Schanelec, Maren Ade, Robert Thalheim und Florian Henckel von Donnersmarck (hoffentlich eher im Stil von Das Leben der anderen als The Tourist) bewundern können. Und ich gehe meine erste Wette auf ein Highlight dieses Jahres ein: die Handke-Adaption The Beautiful Days Of Aranjuez von Wim Wenders, die auf dem Toronto International Film Festival 2016 Premiere feiern wird.