Deutsch für Kinder
Märchen-Mappe zum Erzähltheater

Märchen-Mappe zum Erzähltheater Foto: Goethe-Institut/Annamária Molnár Das Goethe-Institut feierte das 200-jährige Jubiläum der Erstausgabe der berühmtesten Märchensammlung der Welt, der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm mit zahlreichen Programmen, darunter mit einem landesweiten Illustrationswettbewerb. Kinder zwischen 6 und 12 Jahren wurden eingeladen, eins von den fünf Grimm Märchen, „Der gestiefelte Kater“, „Dornröschen“, „Frau Holle“, „Rapunzel“ und „Tischlein deck dich“ auszuwählen und dazu in Gruppenarbeit eine Serie von vier Bildern zu erstellen. Die Märchen-Mappe enthält die von einer Expertenjury ausgewählten besten Werke zu den einzelnen Märchen. 
 
Die Märchen-Mappe eignet sich besonders gut zum Erzählen im Kamishibai-Theater. Diese besondere Form des öffentlichen Theaters stammt aus Japan. Kamishibais sollen bereits im 12. Jahrhundert von buddhistischen Mönchen eingesetzt worden sein, um Menschen, die weder lesen noch schreiben konnten, durch ihre Geschichten moralische Werte zu vermitteln. Diese Tradition wurde in den 20-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Süßigkeiten-Verkäufern wieder belebt, als sie mit ihrem Fahrrad durch Dörfer und Städte fuhren und mit Hilfe eines Holzrahmens, einer „Kamishibai-Bühne“, die auf dem Gepäckträger oder am Lenkrad befestigt war, Geschichten vortrugen.

Das gesellige Erzählen von Geschichten in szenischer Abfolge von Bildern birgt eine Menge pädagogisches Potential, so ist es kein Wunder, dass das Erzähltheater Einzug in das Klassenzimmer gehalten hat und eine sehr beliebte Form der Sprachförderung der Kinder sowohl im Muttersprachen- als auch im Fremdsprachenunterricht geworden ist.

Stellen wir uns die Situation vor: Vorne auf dem Lehrertisch steht ein Kasten, zunächst geschlossen. Langsam öffnen sich die beiden Flügeltüren und der Vorhang erscheint. Es entsteht Spannung, man sitzt wie im Theater, voller Erwartung. Beim Erzählen werden die vorher in den Bühnenrahmen geschobenen Bilder eins nach dem anderen sichtbar, Szenen werden lebendig, Gefühle erweckt – der Zauber wirkt. Das Erzählen wird zu einem nachhaltigen Erlebnis, sowohl für die Erzähler aus auch für das Publikum. Die Textpassagen auf der Rückseite der Bilder geben Sicherheit beim Vortragen des Textes, sie sollen aber nicht einschränken. Man kann je nach Sprachstand frei erzählen, improvisieren. Die Vorlagen können durch eigene Bilder ergänzt werden.
Gefällt den Kindern die Arbeit mit den Erzähltheater, können sie zu einem späteren Zeitpunkt selbst Geschichten auswählen oder erfinden, die sie bearbeiten. Dabei sind der Phantasie und Kreativität keine Grenzen gesetzt. Die Gestaltung des Textes und der Bilder ist den Kindern überlassen, die Lehrkraft unterstützt sie bei Bedarf.

Den Bühnenrahmen für das Erzähltheater kann man im Handel fertig kaufen oder selbst aus Karton oder Furnierholz erstellen. Bauanleitungen finden sich dazu reichlich im Internet.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß mit der Märchen-Mappe und dem Erzähltheater und freuen uns jederzeit über Rückmeldungen.