Einführung:So., 02.07.2017, 14 Uhr, Beginn des Konzertes: 14:45 Uhr

Wolfgang Amadeus Mozart und Igor Strawinsky (Dirigent: Sir Simon Rattle)

Digital Concert Hall der Berliner Philharmonie

  • Abteilung Kultur und Bildung, Shanghai

  • Sprache Einführung in der Chinesischen Sprache
  • Preis Eintritt frei
  • Teil der Reihe: Digital Concert Hall 2017

Digital Concert © video-studio_Peter Adamik


Digital Concert Hall
Berliner Philharmoniker


Dirigent: Sir Simon Rattle

Einführung in der Chinesischen Sprache: Prof. Yu Danhong, Dr. Jiang Hong (Shanghai Musikkonservatorium) 




Werke:
Wolfgang Amadeus Mozart
            Klavierkonzert C-Dur KV 503
Igor Strawinsky
            Le Sacre du printemps

»Will der Herr Graf ein Tänzchen wagen?« – Mozarts Klavierkonzert KV 503

Mozart, Star des von ihm gern als »Clavierland« bezeichneten Wien, komponierte in seinem wohl erfolgreichsten Jahr 1784 ganze sechs Klavierkonzerte für die Aufführung in sogenannten Akademien, also eigenverantworteten, auf Subskription veranstalteten Konzerten mit ihm selbst als Solisten. Zwei Jahre später schrieb er nur noch zwei: Auf das im Frühjahr 1786 fertiggestellte düster-tragische c-Moll-Konzert KV 491 folgt mit Halbjahresabstand das größtenteils humorvolle und doch auch lyrische Gegenstück, das Konzert für Klavier und Orchester C-Dur KV 503. Er trägt es am 4. Dezember ins »Verzeichnüß« seiner Werke ein und will es noch im selben Monat innerhalb einer von vier Akademien aufführen. Aber offenbar ist das mittlerweile deutlich abnehmende Publikumsinteresse der Grund dafür, dass Mozart die anberaumten Auftritte absagen und einen neuen Uraufführungstermin für die Zeit nach seiner Pragreise (zur Wiederaufnahme der Oper Le nozze di Figaro KV 492) finden muss.

War der Erfolg seines Figaro dafür verantwortlich, dass Mozart die vorherrschende dunkle Sphäre des c-Moll-Konzerts in dem neuen Gattungsbeitrag verlassen hat? Die prunkvolle barocke Eröffnung in majestätischem Rhythmus spräche eher für eine Zementierung der alten aristokratischen Ordnung. Das herrschaftliche musikalische Dekor ist in Fanfaren- und aufsteigender Raketen-Thematik deutlich erkennbar. Indes setzt ein Klopfmotiv das Startsignal für ein einfaches liedhaftes (zweites) Thema, das die erstarrte alte Welt aus Grafen und Dienern aufzubrechen scheint. Es schimmert anfangs kurz in Moll auf, um erst dann in Dur seine ganze tänzerische Wirkung zu entfalten. Dialogisch spielen sich in immer neuen klangfarblichen Kombinationen Klavier und Orchester mit vermeintlicher Leichtigkeit die singspielhaften Melodien zu. Auch im abschließenden Rondo werfen die Moll-Episoden nur kurze Schatten auf die lichte aufgeklärte Klangwelt.

Der Beginn der Moderne in der Musik – Le Sacre du printemps

Während Strawinsky 1908 am Chant funèbre komponiert, verlässt Arnold Schönberg in seinen Werken erstmals die Pfade der tonalen Musik. Aber auch Strawinsky bricht keine fünf Jahre später mit der musikhistorischen Tradition, als seine Ballettmusik Le Sacre du printemps am 29. Mai 1913 (mit der Kompagnie der Ballets russes in der Choreografie von Vaslav Nijinsky) in Paris die bis dato wohl skandalöseste Uraufführung erlebt. Die von ihm im Ballett erzählte Geschichte eines heidnischen Frühlingsopfers rührt an die archaischen Wurzeln der Menschheit. Und was mit dem zart aufkeimenden Frühling in der Volksliedmelodie des Fagotts unschuldig beginnt, endet tödlich mit dem Opfertanz der Auserwählten.

Die rituellen Körperbewegungen werden im Rhythmus der Musik erstaunlich konkret abgebildet: Das Auf-der-Stelle-Treten der Gruppe wird zum zuerst regelmäßigen Pulsschlag der im Frühling erwachenden Erde, während das ekstatische wilde Stampfen das gesamte Orchester zur Transformation in ein riesenhaftes tobendes und zuckendes Schlagwerk zu zwingen scheint. Dabei wandeln sich die in Gruppen aufgeführten Reigen- und Schreittänze im ersten Teil der Anbetung der Erde zum Opfertanz der Auserwählten. In der Musik begleiten unerwartete Pausen, schroffe Akzente, harte Orchesterschläge und irreguläre Rhythmen die Schrecksekunden vor der Katastrophe auf der Bühne. Hinter martialisch repetierten, dissonanten Akkorden bricht sich die entfesselte Wildheit des Kollektivs Bahn. Und die Auserwählte beginnt mit grotesken Sprüngen und ekstatischen Zuckungen ihren letzten Tanz. Mit ausgestreckten Armen wird die Geopferte in die Höhe gehoben und dem Sonnengott dargebracht. Dem Frühling ist die Kraft zurückgegeben, und der Zyklus von Werden und Vergehen der Natur schließt sich.

(Text: Klaus Oehl)