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19:00–20:30 Uhr

„Unverfügbarkeit“: Hartmut Rosa trifft Cheng Tsuo-Yu und Lan Jiang 

Lesesalon

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 „Unverfügbarkeit“ von Hartmut Rosa © Shanghai People's Publishing House

Im Jahr 2022 wird eine chinesische Übersetzung des Buches „Unverfügbarkeit“ des deutschen Soziologen Hartmut Rosa vom Shanghai People's Publishing House veröffentlicht. Aus diesem Anlass lädt das Goethe-Institut den Autor zu einer Diskussion mit dem Philosophen Lan Jiang von der Universität Nanjing und dem Soziologen und Übersetzer des Buches, Cheng Tsuo-Yu ein, die von dem Germanisten Qin Wen moderiert wird.

Das zentrale Bestreben der Moderne gilt der Vergrößerung der eigenen Reichweite, des Zugriffs auf die Welt: Diese verfügbare Welt ist jedoch, so Hartmut Rosas brisante These, eine verstummte, mit ihr gibt es keinen Dialog mehr. Gegen diese fortschreitende Entfremdung zwischen Mensch und Welt setzt Rosa die „Resonanz“, als klingende, unberechenbare Beziehung mit einer nicht-verfügbaren Welt. Zur Resonanz kommt es, wenn wir uns auf Fremdes, Irritierendes einlassen, auf all das, was sich außerhalb unserer kontrollierenden Reichweite befindet. Das Ergebnis dieses Prozesses lässt sich nicht vorhersagen oder planen, daher eignet dem Ereignis der Resonanz immer auch ein Moment der Unverfügbarkeit.
 

Pressestimmen

Hartmut Rosa ist ein Meister in der Analyse moderner Entfremdungsdynamiken. Der Jenaer Soziologe bringt kollektive Gefühle und Sehnsüchte so präzise wie eigenwillig auf den Begriff.
- Svenja Flaßpöhler, PHILOSOPHIE MAGAZIN


Mit überzeugenden Beispielen belegt Hartmut Rosa in seinem gut lesbaren Essay, dass wir es bei der „Unverfügbarkeit“ mit einem zentralen Problem der Moderne zu tun haben. Er macht darüber hinaus deutlich, dass die Lösung des Problems nicht in der permanenten Verfügbarkeit besteht.
- Michael Opitz, DEUTSCHLANDFUNKKULTUR


Deutlich und bedrückend wird uns vor Augen geführt, wie der grenzenlose Wunsch nach Verfügbarkeit sein Gegenteil bewirkt: Die Welt entzieht sich uns, sie wird stumm, sie nimmt sogar neu geschaffene, „monströse“ Formen an. (…) Dies ist fürwahr kein positiver Ausblick, aber eine empfehlenswerte Analyse; und wir können gespannt sein, wozu Rosa diese Einsichten künftig führen werden.
- Frank Dvorschak, ERZIEHUNGSKUNST


Darüber hinaus wurden Rosa‘s Bücher „Beschleunigung und Entfremdung: Entwurf einer Kritischen Theorie spätmoderner Zeitlichkeit“ im Jahr 2018 im Shanghai People's Publishing House und „Beschleunigung: die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne“ im Jahr 2015 bei Peking University Press mit Unterstützung des Übersetzungsförderungsprogrammes des Goethe-Instituts China veröffentlicht. Seine Bücher „Resonanz“ und „Spätmoderne in der Krise: Was leistet die Gesellschaftstheorie“ werden 2023 und 2024 im Shanghai People's Publishing House erscheinen.


Lesesalon „Unverfügbarkeit“ -
Hartmut Rosa trifft Cheng Tsuo-Yu und Lan Jiang 


Zeit: 06.05.2022, 19:00 - 20:30
Gäste: Hartmut Rosa, Cheng Tsuo-Yu, Lan Jiang
Moderation: Qin Wen
Format: Live-Übertragung

Zoom-Webinar (Originalton / Deutsch / Chinesisch / chinesische Gebärdensprache)

Livestream auf WeChat (Chinesisch / chinesische Gebärdensprache)
 

Die Gäste

Hartmut Rosa (*1965) ist seit 2005 Professor für Allgemeine und theoretische Soziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und seit 2013 Direktor des Max-Weber-Kollegs an der Universität Erfurt. Zugleich ist er Sprecher des 2021 eingerichteten Sonderforschungsbereichs der DFG, „Strukturwandel des Eigentums“. Als Gastprofessor war er darüber hinaus an der New School for Social Research in New York und an der FMSH/EHESS in Paris tätig und als Herausgeber der Fachzeitschriften „Time &Society sowie Berliner Journal für Soziologie“. Zu seinen Veröffentlichungen zählen „Beschleunigung“ (2005), „Resonanz“ (2016) und „Unverfügbarkeit“ (2018).

Lan Jiang, geboren im September 1977, ist Professor und Promotionsbetreuer an der Philosophischen Fakultät der Universität Nanjing. Zu seinen Hauptforschungsinteressen gehören Themen wie ausländischer Marxismus, zeitgenössisches kontinentales linksradikales Denken und neue Veränderungen im heutigen Kapitalismus sowie neue Geisteswissenschaften im Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Er hat mehr als einhundert Artikel in Zeitschriften wie „Philosophische Studien“, „Studien in Literatur und Kunst“, „Philosophie der Welt“, „Marxismus und Wirklichkeit“ und „Studien zur literarischen und künstlerischen Theorie“ veröffentlicht. Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehören „Die Treue zum Ereignis selbst: Eine Einführung in Badious philosophisches Denken“, „Die fünf Agamben-Vorlesungen“ und „Ereignis und Wahrheit: Der Geist der Philosophie von Badiou“. Übersetzt wurden Alain Badious Hauptwerke: „L'être et l'évènement“, „Le siècle, Abrégé de métapolitique“, „Petit panthéon portatif“, „Manifeste pour la philosophie“, „Second Manifeste Pour la Philosophie“, „Éloge des mathématiques“, „Que Faire?“, „Je vous sais si nombreux“; Giorgio Agambens „sacramento del linguaggio“, „Regno e la Gloria“, „Pilato e Gesu“, „Ninfe“, „Stasis, L' aperto: L'uomo e l'animale“; Jacques Rancières „Figures de I’histoire“ „Malaise dans l’esthétique“, „L’inconscient esthétique“ und 21 weitere Bücher.

Cheng Tsuo-Yu ist Professor für Soziologie an der Nanjing-Universität. Er hat an der Freien Universität Berlin promoviert und habilitiere an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 2018 war er Gastwissenschaftler an der Humboldt Universität zu Berlin. Seine Arbeitsgebiete sind soziologische Theorie, Zeitsoziologie, Kultursoziologie und Soziologie der Massenmedien. Er beschäftigt sich jetzt vor allem mit der Kritischen Theorie.

Qin Wen ist Leser, Übersetzer und Professor für Germanistik am Fremdspracheninstitut der Nanjing Universität. Seine Interessen und Forschungsschwerpunkte sind: Neuere Deutsche Literatur, sinologische Imagologie, Buchverlagskultur und Kulturgeschichte. 

Übersetzungsförderungsprogramm des Goethe-Instituts China
Um nicht-deutschsprachigen Lesern den Zugang zur deutschen Literatur der Gegenwart zu ermöglichen, unterstützt das Goethe-Institut mit dem Förderprogramm „Übersetzung deutscher Bücher in eine Fremdsprache“ ausländische Verlage bei der Veröffentlichung der entsprechenden Werke. Das Goethe-Institut China hat diese zentrale Förderung im Jahr 2009 um ein eigenständiges Programm erweitert. Im Rahmen dieses Programmes wurde bereits die Übersetzung von mehr als 120 deutschsprachigen Werke ins Chinesische gefördert.