Ein Rückzugsort für die Zurückgezogenen

Öffentliche Präsentation und Workshop|„Curatorial Practices in Asia“ in Zusammenarbeit mit „Alleinsein: Einsamkeit und Freiheit“

  • Rockbund Art Museum

  • Sprache Chinesisch mit Simultandolmetschen auf Englisch (Öffentliche Präsentation)
  • Preis 28 RMB (Öffentliche Präsentation)

Das 2018 gegründete „Curatorial Practices in Asia“ (CPA) ist eine Plattform, die sich der Gestaltung von Narrativen und der zukünftigen Ausrichtung kuratorischer Praktiken in Asien sowie durch die asiatische Diaspora widmet. Es geht dabei nicht nur um die Untersuchung von Praktiken vor dem Hintergrund spezifischer historischer Perioden und Regionen, sondern vielmehr um deren Neudefinition und die Herausforderung konventioneller, ausstellungszentrierter Paradigmen im Kuratieren.
Diesjährige Ausgabe mit dem Titel „Ein Rückzugsort für die Zurückgezogenen“ steht in Zusammenarbeit mit „Alleinsein: Einsamkeit und Freiheit“, einem regionalen Projekt der Goethe-Institute in Ost- und Zentralasien. Das Projekt geht davon aus, dass Einsamkeit, Rückzug und freiwillige Isolation zunehmend prägende soziale Phänomene unserer Gegenwart sind, die auch in der Kunstwelt spürbar sind. Mit einem transnationalen, multidirektionalen und diskursiv-künstlerischen Ansatz nähert sich das Projekt diesem vielschichtigen Themenkomplex und macht dabei auch nichtwestliche Wahrnehmungsweisen und Diskurse sichtbar.
Der dreitägige “Rückzug” wird vom Rockbund Art Museum (RAM) und der Abteilung Kultur und Bildung des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland Shanghai, einer assoziierten Präsenz des Goethe-Instituts, veranstaltet. Er findet in beiden Institutionen statt und richtet sich an jene, die sich an die Ränder der Netzwerke zurückgezogen haben und in liminalen Räumen existieren. Dreizehn alternative Kunstorte und Künstlerkollektive, die interdisziplinär im Bereich der visuellen Kultur arbeiten und abseits der sogenannten Kunstzentren Chinas agieren, kommen hier zusammen. Diese verteilten Kollektive und ihre weitreichenden Netzwerke operieren oft ohne festen physischen Raum, sind jedoch lokal verwurzelt, um Gemeinschaften zu durchdringen und Solidarität jenseits physischer und geografischer Grenzen zu formen.
Am 22. Juni präsentiert jedes Kollektiv seine Arbeit im Pecha-Kucha-Format im RAM. Auch wenn diese Orte räumlich isoliert und verstreut liegen, sind sie nicht zwangsläufig einsam – sie haben die Freiheit zu wählen, worüber sie schreiben, womit sie sich befassen und was sie produzieren möchten. Am zweiten Tag ziehen sich alle in die Abteilung Kultur und Bildung zurück, wo Workshops von „Qiantai_osf“ und „Inter-Asia Woodcut Mapping“ einen Raum für gegenseitigen Austausch von Erfahrungen, Methoden und Strategien bieten. Am letzten Tag treffen sich alle Teilnehmenden in einem Badehaus, um in entspannter Atmosphäre die vergangenen Tage zu reflektieren und weitere Diskussionen zu vertiefen. Durch den gemeinsamen Rückzug erhoffen wir uns neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Unterstützungsnetzwerke.
 

Programm am 22. Juni:
Erste Präsentationsrunde: 16:00–17:30
Zweite Präsentationsrunde: 17:45–19:00

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Mitveranstalter

Rockbund Art Museum
Das 2010 eröffnete Rockbund Art Museum (RAM) ist eine gemeinnützige Kunstinstitution in Shanghai. Es befindet sich in einem Art-Déco-Gebäude, das ursprünglich 1933 für die Royal Asiatic Society errichtet und von David Chipperfield Architects restauriert wurde.
Als zeitgenössisches Kunstmuseum des 21. Jahrhunderts in Shanghai widmet sich RAM der Erforschung von „Archipel-Denken“: der Vernetzung mit Kunstkulturen in ganz Asien und darüber hinaus, um vielfältigere Perspektiven auf aktuelle Herausforderungen, Imaginationen, Praktiken und Netzwerke in der zeitgenössischen Kunst zu gewinnen. Unser Ziel ist es, konstruktive, kreative Beziehungen zwischen verschiedenen Orten in Asien und globalen Kulturen aufzubauen und eine Plattform für Künstler, Forscher und Wissenschaftler zu schaffen.
Dank unseres innovativen kuratorischen Ansatzes experimentieren wir mit verschiedenen Modellen künstlerischer Projekte – von Forschung über alternative Lernprogramme bis hin zu Ausstellungen und ungewöhnlichen performativen Formaten. Wir setzen uns für eine tiefe und vielfältige Verbindung mit unserem Publikum, Gemeinschaften, Förderern und sozialen sowie kulturellen Organisationen ein. Durch die Unterstützung mutiger zeitgenössischer Kunstpraktiken gestaltet RAM lokale Geschichten neu und reagiert gleichzeitig auf globale Herausforderungen, um einzigartige Lebensvisionen zu entwickeln.

Teilnehmende

会所咖啡
Huisuo Cafe

„Huìsuǒ “ ist ein hybrider Raum, das von mehreren Künstlern initiiert wird. Als Gemeindecafé wird es von dem Künstler und Röstmeister Zhao Yang betrieben. Gleichzeitig dient es als gemeinnützige Kunsteinrichtung im Rahmen eines offenen Nominierungsverfahrens frei von Künstlern vorgeschlagen, organisiert, kuratiert und geleitet.

夹山改梁
Jasagala

Gegründet von Chen Yifei, Fang Zheng und Sun Yifei ist Jasagala ein Kunstkollektiv, dessen Name aus einem Bauausdruck aus der Provinz Henan ableitet – er bezeichnet das Zusammenlegen zweier Räume zu einem größeren. Diese Metapher steht für das Bestreben der Gruppe, disziplinübergreifende Zusammenarbeit zu fördern.
Jasagala verkörpert einen Zustand ständiger Entwicklung und zeichnet sich durch eine lebendige, unverstellte Herangehensweise aus. Es bringt Künstler aus verschiedenen Regionen zusammen, um temporäre Allianzen für unterschiedliche Veranstaltungen zu bilden – darunter Ausstellungen, Kunstfestivals, Seminare und Kooperationsprojekte mit Einzelpersonen und Organisationen. So entsteht ein dynamisches kreatives Ökosystem.
Über ihre Online-Plattform setzt sich Jasagala für Open-Source-Prinzipien ein, teilt vielfältige künstlerische Methoden und bietet Künstlern Raum, Informationen zu verbreiten und ihre Werke zu verkaufen, was so eine unterstützende Gemeinschaft für kreative Entfaltung und Weiterentwicklung stärkt.

交通站
Traffic Radio

Anfang 2017 initiierten Feng Junhua und Pan He gemeinsam das Projekt „Folded Room“, mit dem Ziel, ein überregionales Netzwerk zur Verbindung von Jugendgemeinschaften und Praxisräumen aufzubauen. Ende 2017 startete „Folded Room“ das Projekt „Traffic Radio“, das neben der Organisation vielfältiger Austauschformate besonderen Wert auf die Dokumentation und Vermittlung lokaler Gemeinschaftserfahrungen sowie räumlicher Gegebenheiten legte. Bis 2025 hatte die Initiative Orte wie Jakarta, Shenyang, Hongkong, Shanghai, Tokio, Guangzhou, Kuala Lumpur, Zhuhai und Chongqing erreicht. Darüber hinaus rief „Folded Room“ das Programm „Folded Room Free Travel“ ins Leben, das sich während der COVID-19-Pandemie zu „OnNomad“ weiterentwickelte. Der Begriff „Nomad“ verweist hierbei nicht nur auf die physische Mobilität als Gruppe, sondern auch auf das Streben, sich an dynamischen Schnittstellen zu positionieren und (innere wie äußere) Grenzen zu überwinden. Bis heute wurden fünf Durchläufe realisiert.

空兽书店
KHONGT HSET 

KHONGT HSET ist ein interkultureller Buchladen in Guiyang, der Bücher aus Perspektiven von „anderen“, „Minderheiten“ und transkulturellen Kontexten anbietet. Parallel dazu finden experimentelle Salons, Ausstellungen und Performances statt. Der Buchladen versteht sich als Plattform zur Pflege, Reflexion und Weitergabe herausragender traditioneller Kulturen. Ziel ist es, ein bedeutungsvolles öffentliches Leben zu fördern – frei von Klischees und offen für alle. Neben Büchern bietet KHONGT HSET auch Handwerkskunst, Musik, Getränke, Veranstaltungen, Wissen, Mut, Inspiration, Berührung und Hoffnung. Gegründet 2024 von dem Miao-Musiker DieelGuik, liegt er 20 Meter südwestlich vom Ausgang A der U-Bahnstation Penshuichi in Guiyang.

门口
Muinn-khau

„Chengguan Azhi“ wurde erstmals 2022 veröffentlicht und ist eine lokale Publikation, die sich auf die Jugendkultur in Kreisstädten konzentriert. Im Jahr 2023 wurde ein Offline-Praxisraum mit dem Namen „muinn-khau“ ins Leben gerufen, der jungen Menschen Möglichkeiten eröffnet, zu erkunden, wie sie sich das Leben in Kreisstädten vorstellen, gestalten, kreativ tätig sein und Gemeinschaften aufbauen können.

那只小河边
Next to that Stream

Next to that Stream ist derzeit in Tianjin aktiv und an keinen festen Ort gebunden. Sie entwickelt mobile Räume nach Bedarf und versucht, ein flexibles Netzwerk öffentlicher Aktivitäten aufzubauen. Dabei ist sie nicht an feste Mitgliedschaften gebunden und betreibt kreative Arbeit durch selbstorganisierte Gruppen – stets mit dem Ziel, neue Lebensformen kreativ zu gestalten.

前台OSF
Qiantai_osf

Qiantai_osf ist ein von Künstlern und Kulturschaffenden betriebenes öffent­liches Raumprojekt. Gegründet im Dezember 2022, befindet es sich im Erdgeschoss eines alten Wohnviertels in Guangzhou. Seit seiner Entstehung hat Qiantai_osf über 160 vielfältige Veranstaltungen ausgerichtet. Ziel von Qiantai_osf ist es, eine Plattform für Präsentation, Experiment und Austausch für Akteure, die sich mit sozialen, alltäglichen und kreativen Praktiken beschäftigen, zu bieten. Gemeinsam wird so ein Kontext geschaffen, den wir schätzen und bewahren möchten.

三角洲
The Delta INST

The Delta INST wurde 2021 von vier jungen Künstlern aus der Yangtse-Delta-Region initiiert und umfasst derzeit fünf Mitglieder (Li Ke, Lyu Xiaokai, Yang Gang, Zhuang Ruizhe und Sheng Yuanjun). Mit einem starken regionalen wie zeitgenössischen Bezug versteht sich das Kollektiv als aktiver Teil der globalen Kunstproduktion, und zwar mit dem Ziel, neue Perspektiven für die Wahrnehmung chinesischer Gegenwartskunst im post-2020er-Zeitalter zu eröffnen.
Delta LOUNGE &GODOWN waren zwei unabhängige Projekte von The Delta INST. Beide experimentellen Räume erforschen alternative und hybride Möglichkeiten, Kunst als Ort der Produktion und Präsentation zu verstehen. Die Plattform engagiert sich für den Ressourcenaustausch mit zeitgenössischen Künstlern, fördert gegenseitiges Wachstum und unterstützt selbstorganisierte künstlerische Praktiken. Im Rahmen dieser Bestrebungen wurde das Delta International Studio gegründet, das Künstlerresidenzen sowie parallele Ausstellungen im In- und Ausland organisiert.

山寨MFA
Shanzhai MFA

Das Shanzhai MFA (Master of Fine Art) ist ein unkonventionelles, barrierefreies und interdisziplinäres Kunstbildungsprojekt, das von zivilgesellschaftlichen Akteuren getragen wird. Es orientiert sich an der Ethik und Methodik des chinesischen Begriffs „Shanzhai“ (山寨), der für billige Nachahmungen steht. Im Zentrum steht kontinuierliches Lernen und Produzieren – mit dem Ziel, keine Eliten, keine Spezialisten und keine Pragmatiker hervorzubringen. Das Programm findet in kleinen, kostenfreien Veranstaltungsorten mit 10 bis 30 Teilnehmerinnen statt. Seit 2023 sind acht Durchläufe in Städten wie Dali, Chaoshan, Taizhou und Xiamen realisiert. Shanzhai MFA-Alumni sind mittlerweile weltweit verstreut aktiv.

无墙幼儿园
Kindergarten without Walls

Der „Kindergarten ohne Wände“ ist ein gemeindeorientiertes Bildungsprogramm für Kinder in Binlian Xincun, einem urbanen Dorf in Haikou. Es richtet sich in erster Linie an Migrantenkinder, die in der Gemeinde leben, und bietet ihnen Fürsorge, Bildung und familiäre Geborgenheit – mit besonderem Fokus auf langfristige Begleitung von Kindern in prekären Lebenslagen. Gleichzeitig ist das Projekt für Familien und Kinder aus aller Welt offen. In den letzten sechs Jahren engagierten sich über 100 Künstler, Gruppen und Experten aus verschiedenen Bereichen. Mehr als 150 Kinder nahmen am Programm teil, das rund 500 Veranstaltungen organisierte. Das Projekt findet hauptsächlich im „Banban-Laden“ statt, gelegentlich auch zu Hause und in öffentlichen Räumen der Stadt. Täglich öffnet es für Kinder, um gemeinsames Spielen und Miteinander zu fördern. An Wochenenden werden Workshops und Bildungsaktivitäten mit Organisatoren aus verschiedenen Fachgebieten und Disziplinen durchgeführt. Zu den langfristigen Projekten zählen u. a.: „Yue Liang Education Programme“, „Community Chest without Wall“, „Kinderbibliothek“, „wöchentliche Filmvorführungen“, „Begleitung“, „Kindermarkt“, „Kinderchor“, „Ein Tag Ladenbesitzer*in“, „Kinderkunstfestival“ sowie Englischunterricht. Bislang hat der „Kindergarten ohne Wände“ zwei Bände mit mündlich überlieferten Gedichten der Kinder selbst veröffentlicht. Diese Bücher enthalten 80 spontan entstandene Gedichte, die von den Kindern seit 2019 gesammelt wurden.

仙境俱乐部
xianjing

xianjing ist ein unabhängiger Treffpunkt für junge Menschen – ein musikalisches Labor für klassifizierbare, unklassifizierbare und unsagbare Praktiken. Es ist ein Ort, an dem sich Koffein, Alkohol und Nikotin begegnen, an dem laute Gespräche von Musik übertönt werden und Küsse im Lärm verschwinden. Es ist ein Biotop für das Unpraktische, ein Paradies für Verlierer und ein Zuhause für die Einsamen.

悬针
Puncture 

Puncture 悬针 ist eine textzentrierte Initiative, die 2024 als Reaktion auf die Bedingungen der zeitgenössischen Kunstszene in Hangzhou ins Leben gerufen wurde. Obwohl die Stadt zunehmend aktiver wird, ist ihr künstlerisches Ökosystem nach wie vor stark von der institutionellen Prägung der Kunstakademie und den ästhetischen Vorlieben einer älteren Generation bestimmt. Inmitten patriarchaler Überreste und zentralisierter Autorität fehlt es auffallend an kritischem Diskurs, gemeinsam genutztem öffentlichem Raum und bedeutungsvollem Austausch.
Puncture fungiert sowohl als halböffentliches Programm als auch als Schreibplattform. Durch kleine, intensive Zusammenkünfte schafft es neue Verbindungen zwischen Kunstschaffenden, lädt Künstlern dazu ein, mit projektbasiertem Arbeiten zu experimentieren, und bietet einen alternativen Raum für konzeptuelle Dialoge. Der Schreibzweig der Initiative lädt zu Beiträgen ein, die das Kunstgeschehen der Region dokumentieren, reflektieren oder spekulativ begleiten – ohne sich den formalen Anforderungen akademischen oder institutionellen Schreibens zu unterwerfen. Ziel ist es, größere Verspieltheit, emotionale Beteiligung und kontextgebundene Reaktionen zu ermöglichen. Bislang hat Puncture über zehn öffentliche Veranstaltungen und eine Ausstellung organisiert sowie mehrere Essays in chinesischer Sprache veröffentlicht. Weitere Informationen finden sich auf dem WeChat-Kanal 悬针 und auf Instagram unter puncture_hz.

小组
Xiaozu

Xiaozu ist ein von Künstlern betriebenes Kunstraumprojekt, das 2024 gegründet wurde und sich in der Gulou-Südstraße in Peking befindet. Im Mittelpunkt stehen junge künstlerische Praktiken, wobei besonderes Interesse dem Momenthaften, der Unmittelbarkeit und dem Gemeinschaftlichen gilt. Der Raum ist Ausstellungen, Performances und Live-Veranstaltungen gewidmet.


Diese Veranstaltung ist ein Teil von „Alleinsein: Einsamkeit und Freiheit“, des regionalen Projekts der Goethe-Institute in Ost- und Zentralasien.

Alleinsein: Einsamkeit und Freiheit