Praxistipp Distanzbedingungen
Alles auf Abstand – Tipps für interaktiven Unterricht

Zwei Schülerinnen sitzen mit Abstand im Klassenraum, tragen Gesichtsmaske und begrüßen sich mit dem Ellenbogen.
Abstand halten im Klassenzimmer | © Adobe Stock

Veränderte Rahmenbedingungen schaffen auch neue Möglichkeiten – gerade im Unterricht unter Distanzbedingungen. Lehrkräfte haben dabei die Qual der Wahl: Wir geben Tipps, wie Sie aus der Fülle der Methoden, Verfahren und Techniken jene auswählen, die Ihren Lernenden interaktives Lernen ermöglichen.

Präsenzunterricht in Zeiten der Pandemie – oft heißt das: Unterricht mit Maske, zwischen den Lerner*innen muss ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden, Stifte, Kärtchen und andere Materialien sollten nicht geteilt oder weitergereicht werden. Unter diesen Bedingungen stehen viele bewährte, interaktive Unterrichtsmethoden auf dem Prüfstand. Für Lehrkräfte stellt sich deshalb die Frage, wie sie auch unter Covid-19-Bedingungen Präsenzunterricht interaktiv und lerner*innenaktivierend gestalten können, denn mit den bewährten interaktiven Verfahren wird der Raum schnell zu eng und die Lerner*innen kommen sich physisch zu nah.

Wir möchten im Folgenden Wege aufzeigen, wie Lehrkräfte den Raum erweitern können und Interaktion im Präsenzunterricht unter Covid-19-Bedingungen umgesetzt werden kann.

Zwei Maske tragende Schülerinnen und ein Schüler in Schuluniform sitzen auf dem Schulhof auf dem Boden.
Gruppenarbeit auf den Schulhof verlagern | © Adobe Stock
Bei der Erweiterung des physischen Raums ist zu beachten, dass diese in Absprache mit der Schulleitung und den Kolleg*innen erfolgt, damit zum einen bei jüngeren Lerner*innen die Aufsichtspflicht nicht verletzt und zum anderen eine optimale organisatorische Durchführung gewährleistet wird.

Den physischen Raum neu bewerten und erweitern

Der normale Präsenzunterricht sieht in der Regel nicht vor, zum Lernen den Klassenraum zu verlassen, da es unter normalen Umständen eher wenig Grund dafür gibt. In Zeiten von Covid-19 können Orte außerhalb des Klassenzimmers Raum für den notwendigen Abstand schaffen:
  • Ein Teil der Klasse macht eine bestimmte Übung in Partner- oder Gruppenarbeit im Klassenzimmer, der andere Teil macht die Übung vor dem Klassenzimmer. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel in zwei Untergruppen auch Klassenspaziergänge, Interviews, Laufdiktate, ein Aussprache-Pingpong und ähnliches durchführen.
  • Die Lerner*innen suchen sich mit ihren Partner*innen für eine bestimmte Zeit außerhalb des Klassenzimmers Lernplätze, an denen sie auf Abstand bleiben können. Nach der verabredeten Zeit kehren sie wieder ins Klassenzimmer zurück.
  • Auch innerhalb des Klassenzimmers kann Abstand durch eine Neuorganisation geschaffen werden. So können Lerninseln etabliert werden, die sich für längere Lernzirkel- oder Lernstationenarbeit eignen. Hier kann mit den Lernpartner*innen mit Abstand länger zusammengearbeitet werden.
  • Andere Lernorte wiederum sollten neu bewertet und möglicherweise neu organisiert werden. So können Einzeltische gegenübergestellt werden, damit bei einer Partnerarbeit der notwenige Abstand garantiert ist. Oder an den Wänden eines Klassenzimmers können QR-Codes mit Arbeitsaufträgen oder Impulsen zur Kommunikation aufgehängt und im Rahmen eines Klassenspaziergangs in Partnerarbeit mit Abstand bearbeitet werden.

Den kommunikativen Raum digital erweitern

Wenn Lerner*innen im normalen Präsenzunterricht zusammenkommen, ist es sinnvoll, die gemeinsame Zeit für analoge Face-to-Face-Kommunikation zu nutzen. Im Präsenzunterricht unter Distanzbedingungen kann der kommunikative Raum mit digitalen Formen erweitert werden, ähnlich wie es im Alltag der Lerner*innen Realität ist. Die Lerner*innen arbeiten hierzu im Unterricht mit eigenen Smartphones oder mit Tablets, die möglicherweise zur Verfügung gestellt werden oder mit anderen digitalen Lösungen:
Die Lerner*innen
  • machen mit Partner*innen eine schriftliche Dialogübung in einer Chat-Anwendung.
  • führen einen Dialog per Audio-Nachrichten in einem Messenger-Dienst.
  • machen eine Aussprache-Übung in einem Messenger-Dienst: Sie schicken den Partner*innen eine Aufnahme mit drei Wörtern. Der/Die Partner*in notiert die Wörter und schickt sie als Textnachricht zurück.
  • erarbeiten ein Thema schriftlich in Gruppen in Form eines digitalen Placemat wie es das Tool Oncoo anbietet.

Maske tragende Schülerinnen und Schüler sitzen an Einzeltischen im Klassenraum. Alle haben einen Laptop.
Neue Möglichkeiten dank guter technischer Ausstattung | © Adobe Stock

Den analogen Raum erweitern

Unter Distanzbedingungen kann es schwierig sein, Gruppenarbeiten durchzuführen, bei denen die Gruppen ihre Ergebnisse in Form von Plakaten, Karten auf einer Pinnwand oder ähnlichem visualisieren. Im Präsenzunterricht lässt sich der analoge Raum digital erweitern, um so Kontaktnähe zu reduzieren. Gruppenergebnisse und Produkte werden mithilfe von Tools/Apps und mobilen Endgeräten erstellt und visualisiert:
  • Vorwissen zu Wortschatz lässt sich als Wortwolken mit Tools wie Mentimeter oder AnswerGarden sammeln.
  • Bei Gruppenarbeiten können die Lerner*innen ihre Ergebnisse in einem Etherpad sammeln oder an eine digitale Pinnwand wie bei der Kartenabfrage mit dem Tool Oncoo.de oder Padlet anheften.
  • Präsentationen können gemeinsam mit kollaborativen Anwendungen wie Google Präsentationen erstellt werden.
  • Lernplakate lassen sich virtuell zum Beispiel mit der App PicCollage gestalten.
  • Wortschatz kann in einem Tool wie Jamboard sortiert oder geclustert werden.

Den dynamischen Raum erweitern

Im Alltag und im Beruf stellt uns das Tragen von Masken und das Einhalten von Abstand vor kommunikative Herausforderungen: Wir verstehen unsere Gesprächspartner*innen oft schlechter und können aufgrund eingeschränkter Mimik Bedeutungen oft schwerer deuten.
Diese Tatsache bietet gleichzeitig eine Chance, denn im Präsenzunterricht unter Covid-19-Bedingungen lassen sich diese Herausforderungen auf authentische Art und Weise trainieren – und so werden gleichzeitig Strukturen, Wortschatz und Aussprache intensiver geübt:
  • Die Lerner*innen bekommen die Aufgabe, bei einer Dialogübung in Partnerarbeit lauter zu sprechen.
  • Die Lerner*innen vergrößern und übertreiben beim Sprechen Gestik und Mimik.
  • Lehrer*innen bieten Texte zum Sprechen mit Markierungen für Pausen und Betonung an. Die Lerner*innen setzen dies beim Sprechen um.
  • Die Lerner*innen trainieren bei Dialogübungen das Rückversichern. Sie erhalten Redemittel, um nachzufragen, um Wiederholung zu bitten, um lauter zu sprechen und anderes mehr.
In diesem Zusammenhang ist vor allem eine differenzierte Hörschulung Voraussetzung. Durch die erschwerte Möglichkeit, Aussprache zu trainieren und das Mundbild des/der Kommunikationspartners/-partner zu sehen, sollte das Hören entsprechend verstärkt trainiert werden.

Bei der Erweiterung des dynamischen Raums kann es von Vorteil sein, für einen bestimmten Zeitraum feste Gruppen oder Partner*innen zu etablieren, die beispielsweise für eine Woche oder eine fest definierte Lerneinheit zusammenarbeiten, um Wege im Klassenraum zu verringern und die Anzahl der Kontakte einzuschränken.

Das sind nur einige Möglichkeiten. Je nach Rahmensituation kann ein eigener umsetzbarer Weg gefunden werden, der für Interaktion im Unterricht mit Abstand neue Türen öffnet.

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