Kunst im öffentlichen Raum Kollektives Gedächtnis und Künstlerische Hinterfragung

Fr, 23.10.2020

Toronto, Ontario

Präsentiert vom Goethe-Institut, dem Monument Lab und der Bundeszentrale für politische Bildung  
   
Wie nimmt die Vergangenheit Gestalt an? Was geschieht bei der Aufarbeitung von Vergangenheit? Welche gesellschaftlichen Auswirkungen hat die Verankerung der Geschichte in Denkmälern und Orten des Gedenkens? Wie können diese Narrative durch eine alternative und innovative Erinnerungskultur verwandelt oder erneuert werden? Diese und viele weitere Fragen behandelt das Projekt Gestaltung der Vergangenheit (Shaping the Past) der nordamerikanischen Goethe-Institute 2020/21.

Der kanadische Künstler, Mitkurator des Monument Lab und VerCettys Kunstmentor Ken Lum wird (über Zoom) eine Einführung in die Veranstaltung geben. Lum stammt gebürtig aus Vancouver, ist bildender Künstler (documenta 11, Biennalen in Venedig, Sao Paolo, Shanghai, Sydney, Busan, Gwangju, Moskau, Whitney, u. a.) und Inhaber des Lehrstuhls für Bildende Kunst an der School of Design der University of Pennsylvania. Zu seinen Werken gehört das Denkmal vor dem Rathaus von Toronto, das dem Einsatz Kanadas während des Zweiten Weltkrieges in Italien gewidmet ist. Außerdem wirkte er bei The Planning Partnership of Toronto in der Arbeitsgruppe für die Gestaltung des öffentlichen Platzes „Huron Square“ in der Chinatown von Toronto mit. Instagram: @ken__lum  
 
Prof. Dori Tunstall ist Dekanin für Design an VerCettys Alma Mater, der OCADU, und wird eine virtuelle Einführung in das Thema Black Digital Futures geben. Tunstall leitete kürzlich die Initiative “Black Cluster Hire”, in deren Rahmen fünf neue ordentliche Professor*innen, nach eigenem Identitätsverständnis Schwarze afrikanischer Abstammung (darunter Afrikaner und Menschen afrikanischer Abstammung aus der Karibik, Nordamerika und Lateinamerika), an Kanadas größte Kunstakademie berufen wurden. Als führende Designerin und Anthropologin war Tunstall als stellvertretende Studiendekanin an der Design-Fakultät der Swinburne University of Technology in Australien tätig. Davor war Tunstall Strategieplanerin für die Sapient Corporation und Arc Worldwide. Sie studierte am Bryn Mawr College und promovierte an der Stanford University in Anthropologie.Instagram: @deandori_ocadu  
 
 
 Das Monument Lab wurde von dem Historiker Paul Farber (Philadelphia) und dem Künstler Ken Lum (Vancouver/Philadelphia) als unabhängiges Atelier für Kunst im öffentlichen Raum und Geschichte in Philadelphia gegründet. Das Monument Lab erforscht in Zusammenarbeit mit Künstlern, Studierenden, Aktivisten, Kommunalverbänden und Kulturinstituten innovative Ansätze im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit und der kollektiven Erinnerung. 
  
Einer der aktuellen internationalen Monument Lab Fellows des Goethe-Instituts ist Quentin VerCetty Lindsay (Montreal und Toronto, Kanada), ein vielfach ausgezeichneter, multidisziplinärer Griot der bildenden Kunst, Kunstpädagoge und Artivist. Seine künstlerische Vision entwickelte er durch seine Teilnahme am Remix Project, einem kreativen Kunstprogramm für Jugendliche. Danach erwarb er am Ontario College of Art & Design seinen Bachelor of Fine Arts. Zurzeit absolviert VerCetty sein Masterstudium an der Concordia University und schreibt eine wissenschaftliche Arbeit über den Afrofuturismus als kunstpädagogisches Mittel. Er erarbeitet ein Curriculum mit dem Rahmenschwerpunkt Afrofuturismus, durch das sich Lernende über digitale Kunstmedien mit repressiven oder rassistischen öffentlichen Denkmälern auseinandersetzen können. 
  
In der Artivismus-Bewegung engagiert sich VerCetty unter anderem als Mitbegründer des Black Speculative Arts Movement, einer globalen Plattform zur Förderung von Künstlern, die sich für neue Vorstellungshorizonte in der Repräsentation einsetzen. VerCetty ist Mitherausgeber der ersten Kunstanthologie zum kanadischen Afrofuturismus, „Cosmic Underground Northside: An Incantation of Black Canadian Speculative Discourse and Innerstandings“ (2020). Sie zeigt Werke von über 100 schwarzen kanadischen Künstlern und dokumentiert die wachsende Kunstbewegung des kanadischen Afrofuturismus als Praxis der Dekolonisation. Neben zahlreichen Kunstprojekten, Workshops und Ausstellungen arbeitet er an seiner Autobiographie mit dem Titel „Exported Pollen from Mercury: Tales and Parables from a Life Growth“, in der er seinen Weg vom Leben auf der Straße bis dorthin nachzeichnet, wo er heute steht.

In seinem Projekt für Gestaltung der Vergangenheit (Shaping the Past), das im Herbst 2020 in Toronto als Intervention, Gespräch und Unkonferenz im öffentlichen Raum stattfindet – „Missing Black Technosfossil Here“ – befasst sich VerCetty mit Hilfe von Augmented Reality, digitaler 3D-Kunst und digitalem 3D-Druck mit der Aussage von Tania Inniss, dass „die fehlende Repräsentation von Schwarzen in der Kunst“ einer Auslöschung gleichkomme, am konkreten Beispiel Torontos als eine der wenigen Metropolen, in der es keine Denkmäler für schwarze Menschen gibt. Um diese Abwesenheit zu thematisieren, will der Künstler in einem mehrschichtigen Verfahren, das Wissenschaft, Computergrafik und haptische Modellierung verbindet, sowohl digitale Bilder als auch skulpturale Werke schaffen, die führende schwarze Persönlichkeiten des öffentlichen kanadische Lebens im Stadtbild zeigen. Als Denkmäler der Repräsentation verstehen sich diese Arbeiten als afrofuturistische Technofossilien, die exemplarisch verdeutlichen, wofür Sankofanologie steht, und mithin durch ihre Existenz Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verbinden.

Full artist statement.
 
Ein Überblick über das Programm und die Veranstaltungen wird im Herbst 2020 veröffentlichtBitte beachten Sie, dass unsere Herbstveranstaltungen nur auf Einladung/Anfrage stattfinden, körperlich distanziert und maskiert sind, um die Sicherheit aller zu gewährleisten. Die Veranstaltung wird in sozialen Netzwerken per Livestream übertragen und später auf dem Youtube-Kanal des Goethe-Instituts Toronto hochgeladen.
  

Shaping The Past ist ein Projekt in Zusammenarbeit der Goethe-Institute in Nordamerika mit dem Monument Lab und der Bundeszentrale für politische Bildung.

 
 
 

Zurück