Nordamerika  Von den Mayas zu Equal Pay

Grafik mit drei fußballspielenden Personen auf einem dunkellila Hintergrund. © Goethe-Institut, Ricardo Roa

Mexiko, USA, Kanada: Die drei Länder Nordamerikas tragen die WM 2026 gemeinsam aus. Die Geschichte des Fußballs hat sich jedoch überall ganz unterschiedlich entwickelt. Von Mexikos jahrtausendealter Ballspieltradition zum großen Unbekannten Kanada: Wir stellen die drei Länder und ihre Fußballtraditionen vor.

Mexiko

Vor rund 3.000 Jahren wurde auf dem heutigen mexikanischen Staatsgebiet bereits eines der ältesten Ballspiele der Welt gespielt: Ulama oder Juego de Pelota. Bei diesem Spiel durfte der Ball mit dem Fuß nicht berührt werden. Angesichts der jahrtausendealten Ballspieltradition war es aber vielleicht nicht verwunderlich, dass auch der moderne Fußball in Mexiko auf große Liebe stieß.
Fotografía de una cancha de juego de pelota en un sitio arqueológico

En México, los juegos de pelota ya eran populares hace varios miles de años: campo de juego de pelota en el yacimiento arqueológico de Monte Albán, la antigua capital de los zapotecas. | © Tjeerd Wiersma/FlickR/CC BY 2.0

Eingeführt wurde er Ende des 19. Jahrhunderts durch englische Bergleute. Damals galt Fußball als gute Möglichkeit, um Männern Fähigkeiten wie Disziplin, Zusammenhalt, Siegeswillen und Gehorsam zu lehren. Kein Wunder, dass viele mexikanische Konzerne in die Gründung der ersten Clubs involviert waren. Eine Profiliga der Männer gibt es seit 1943. Heute ist Fußball der beliebteste Sport in Mexiko.

Vorreiter war Mexiko aber nicht nur vor 3000 Jahren: 1971 fand hier eine der ersten inoffiziellen Weltmeisterschaften der Frauen statt. Das Turnier war für die damalige Zeit riesig, das Finale im Aztekenstadion sahen über 100.000 Fans. Mexiko war auch nicht zufällig ausgewählt, denn während anderswo Frauenfußball noch verboten war, gab es hier einen Boom und eine Liga, über die auch die Medien viel berichteten. Eine Profiliga für Frauen gibt es in Mexiko seit 2017. Nur im Norden Mexikos ist Fußball nicht unangefochten die Nummer 1 – wegen der Nähe zu den USA sind dort auch Baseball und Basketball sehr beliebt.

USA

Die US-Amerikaner – zumindest die Männer – gelten gemeinhin eher als notorische Fußballmuffel. Die kommende WM soll das ändern, denn sowohl die FIFA als auch die europäischen Clubs erhoffen sich Wachstum und märchenhafte Gewinne.

Dabei ist die Geschichte des Fußballs in den USA lang, der erste Verein wurde schon 1862 gegründet. In den 1920er-Jahren gab es bereits eine erste Liga für Männer. Gegen die großen Teamsportarten wie Football, Basketball, Baseball und Eishockey konnte sich der Fußball aber nie durchsetzen. Lange galt er als zu wenig hart und vor allem als Spiel für Frauen und Kinder. Sehr beliebt ist er auch bei Migrant*innen aus Lateinamerika.

Immer wieder gab es Versuche, einen Fußballboom künstlich herbeizuführen: zum Beispiel durch das Verpflichten von Stars wie Franz Beckenbauer und Pelé, die in den späten 1970er-Jahren für New York Cosmos spielten, oder durch die Ausrichtung der Männer-WM 1994 im eigenen Land. Mittelfristig blieb das erfolglos. Den Fußball längst entdeckt haben dafür US-Milliardäre: 2023 waren von den Clubs in Europas Top-5-Ligen rund ein Drittel ganz oder teilweise in Besitz von US-Investoren, viele davon Private-Equity-Firmen. Und der Kaufrausch geht weiter.

Was bei den Männern nicht klappte, funktionierte bei den US-Frauen umso besser. Das Frauen-Team ist eines der besten der Welt und hat mit Spielerinnen wie Megan Rapinoe und Alex Morgan globale Stars hervorgebracht, die sich entschieden für Feminismus, LGBT-Rechte und Equal Pay einsetzen. 2022 erreichten die US-Frauen einen Meilenstein: Als eines der ersten Teams weltweit erkämpften sie gleiche Bezahlung wie die Männer. Die Übereinkunft löste eine Welle ähnlicher Bewegungen auf der ganzen Welt aus, oft erfolgreich. Große Strahlkraft haben auch Clubs wie die progressiven Portland Thorns oder der von weiblichen Investorinnen gegründete Angel City FC. Ausländische Spielerinnen und Funktionärinnen schwärmen oft von den Bedingungen in den USA.
Una foto de Megan Rapinoe y Sam Mewis abrazándose en un estadio

El equipo femenil de los Estados Unidos es uno de los mejores del mundo: La seleccionada nacional Megan Rapinoe se convirtió en estrella mundial y aboga por el feminismo y los derechos LGBTQI+. | © Jamie Smed/CC BY 2.0

Kanada

Kanada ist vielleicht der große Unbekannte unter den gastgebenden Staaten. In lediglich zwei kanadischen Städten wird die WM ausgetragen und viele Fans dürften mit kanadischem Fußball wenig verbinden. Zu Unrecht, denn der Sport hat dort im letzten Jahrzehnt eine bemerkenswerte Entwicklung gemacht.

Lange stand Fußball im Schatten von Eishockey und Lacrosse, doch jüngst hat Kanada stark in Fußball und auch in Nachwuchs investiert. Das lohnte sich: Fußball ist hier mittlerweile die Sportart mit den meisten aktiven Spieler*innen. Seit 2019 gibt es eine eigene Profiliga für Männer. Die Früchte all der Mühen erntete das Land bei der Männer-WM 2022, als man sich zum ersten Mal seit fast 40 Jahren wieder qualifizierte. Mit Alphonso Davies, der seit 2017 für die Nationalmannschaft spielt, hat Kanada sogar einen Weltklassespieler. Mit zunehmendem Erfolg wächst auch die Begeisterung in der Bevölkerung.
Dos futbolistas, Emil Forsberg (RB Leipzig, número 10) y Alphonso Davies (FC Bayern Múnich, número 19), disputando un balón

El seleccionado nacional de Canadá Alphonso Davies juega desde el 2019 para el Bayern de Múnich. | © Steffen Prößdorf / CC BY 4.0

Vor allem die Frauen aber eroberten den Fußball für sich. Das kanadische Nationalteam der Frauen ist wesentlich erfolgreicher als die Männer und feierte seinen größten Triumph 2021 mit der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen. Trotzdem hatten die Frauen lange Zeit wie überall schlechtere Bezahlung und Bedingungen. Vor der WM 2023 drohten die kanadischen Frauen daher mit Streik. Sie erkämpften sich Equal Pay, betonen aber, dass der Kampf nicht vorbei sei. Es gehe ihnen auch um gleiche Bedingungen.

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